Theater Mausefalle

In amüsantem Märchenmix geht die Party ab

Rotkäppchen (Elian Frei) und Don Juan de Wolf (Flavio Ackermann).

Rotkäppchen (Elian Frei) und Don Juan de Wolf (Flavio Ackermann).

Der Jugendkurs des Theaters Mausefalle tritt derzeit mit dem Stück «Where is the party – Ein Märchen !?» auf. Viele bekannte Märchenfiguren kommen zum Einsatz, doch ein Stück für die Kleinen ist es nicht.

«Die Natur kann man am besten ohne Kleider geniessen», spricht Don Juan de Wolf zu Rotkäppchen. Damit wird auch schon klar, dass die Produktion des Jugendkurses des Theaters Mausefalle «Where is the Party?» ein Märchen nicht unbedingt für die Kleinen ist. Für Jugendliche ja, denn gleich zu Beginn, wenn Hänsel und Gretel als verwöhnte Gören auftreten, wird typischer Jugendslang gesprochen. «Verpiss dich, Alte!» und «Du gehst mir auf die Eier», tönt es dann ab der Bühne.

Die beiden deutschen Autorinnen Isabell Götz und Vera Minchio haben das Stück ursprünglich für ihre Oberstufenklasse geschrieben und sich bemüht, in relativ kurzen Szenen möglichst viele bekannte Märchenfiguren in ungewohnter Konstellation auftreten zu lassen.

Dönerbude statt Knusperhäuschen

Es beginnt damit, dass Hänsel und Gretel im Wald von der Nacht überrascht werden. Noch während sie in den Morgen hineinschlafen, gesellt sich Hanna im Glück zu ihnen und findet am strammen Hänsel Gefallen. Diesem ist es nicht ums Flirten, denn er hat Hunger und sein Handy funktioniert auch nicht. So gehen denn Hänsel und Gretel ihres Weges, bis sie auf eine Döner-Bude treffen. Die Hexe mit Knusperhäuschen war mal. Jetzt muss sie Jugendliche mit anderen Spezialitäten locken. Im Märchenwald passiert gar viel. Unversehens hüpft auch Rotkäppchen über die Bühne, wird vom bösen Wolf, welcher hier eben ein junge Mädchen aufreissendes Mannsbild ist, gesehen und angemacht.

Später wird es mit dem Jäger Missverständnisse geben, weil Wolf ihm sagt, dass er das Rotkäppchen vernascht habe und der Jäger meint, er habe es gefressen. Schliesslich wird auch Schneewittchen vom Jäger in den Wald geschleppt, um im Auftrag der bösen Königin umgebracht zu werden. Doch Schneewittchen kann fliehen und trifft auf die sieben Zwerge. Als Running Gag taucht immer wieder Hanna im Glück auf und sucht eine Party, welche letztlich als Hochzeitsparty von Schneewittchen und dem Herzog von Württemberg stattfindet.

Gute Ensembleleistung

Von den zehn Mitwirkenden ist die Hälfte erstmals in einer Produktion des Teatro Mobile in der Mausefalle aufgetreten. So ist denn eine gute Mischung von bereits erfahrenen Spielern mit Neulingen zustande gekommen. Das Stück verlangt den Darstellenden einiges ab. Viele sind in zwei Rollen zu sehen. Ganz allgemein ist viel körperliche Präsenz gefragt, welche in der Umsetzung kaum Wünsche offen lässt.

Bei der Sprache müssen einige noch etwas zulegen, wenn sie später mit den arrivierten Spielern mithalten wollen. Die Freude am Theaterspielen aller Beteiligten übertrug sich auch aufs Publikum, sodass die Premiere mit viel Applaus bedacht wurde. Erstmals auf der Bühne der Mausefalle standen Flavio Ackermann (Don Juan de Wolf und Zwerg), Elian Frei (Rotkäppchen und Zwerg), Nina Misteli (Hexe und Zwerg), Nina Spiegel (Schneewittchen) und Milica Stanojevic (Gretel und Zwerg). Bereits in früheren Produktionen besetzt waren Martin Krebs (Hänsel und Herzog), Nadine Krieg (Hanna und Zwerg), Tanja Krieg (Stiefmutter), Dominique Lysser (Zwerg) und Remo Streit (Jäger). Den Jugendkurs leiten Helena Kountoudakis (zugleich in dieser Inszenierung für die Technik verantwortlich) und Nico Barth.

Nachwuchs gesucht

Um dem Ensemble des Teatro Mobile neue Kräfte zuzuführen, wurde vor fünf Jahren dieser Jugendkurs ins Leben gerufen. Mittels Homepage, Facebook und Kontakte zu Oberstufenschulen wird zum Besuch des Kurses geworben. Mit dieser Inszenierung ist ein Kurs zu Ende gegangen, doch bald beginnt ein neuer. Flavio Ackermann (19) hat an der Kantonsschule Olten im Musical «Hairspray» mitgewirkt und wurde von Anne-Catherine Traut auf den Jugendkurs aufmerksam gemacht.

Milica Stonajevic (19) wollte schon immer mal Theaterluft schnuppern und hat via Internet zum Kurs gefunden. Durch persönlichen Kontakt am Arbeitsplatz mit einem arrivierten Darsteller der Mausefalle kam Martin Krebs (35) zu einer Rolle in «Bunbury» und besuchte mit Gewinn den Kurs. Zusammen mit einem Partner trat er bisher in Clownerien auf, sodass die Schauspielerei ein natürlicher weiterer Schritt ist. Alle drei beabsichtigen den Brettern, die die Welt bedeuten, treu zu bleiben.

Nächste Aufführungen: Fr. 19./Sa. 20. Oktober, je 20 Uhr, So. 21. Oktober, 17 Uhr.

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