Der lichtdurchflutete Speisesaal im Wohnheim Kontiki ist winterlich geschmückt, die Stimmung ausgelassen und fröhlich. Die Bewohner haben bereits gegessen, als die Schulkinder mit knurrenden Mägen eintrudeln. Seit gut einem halben Jahr wird in Subingen ein Mittagstisch für Kinder aller Schulstufen, von Kindergarten bis Oberstufe, angeboten.

Organisiert wird er vom Verein Junge Familien Subingen, je nach Nachfrage bis zu viermal pro Woche. Immer dienstags hat Alexandra Piffer vom Vereinsvorstand Aufsicht. «Die heutige Arbeitswelt der Eltern fordert familienergänzende Strukturen. Durch den Mittagstisch wird ein Teil davon abgedeckt», erklärt sie. «Die Kinder sind über Mittag nicht alleine, essen gesund und sind gut betreut.»

Mehr Kinder erwünscht

Vor den Sportferien ging die halbjährige Testphase zu Ende und die Resonanz war von allen Seiten her gut. Die Auslastung könnte jedoch besser sein. Der Aufwand für die Beaufsichtigungspersonen ist, relativ zu den wenigen Kindern, ziemlich gross. Momentan wird der Mittagstisch jeweils dienstags und donnerstags durchgeführt.

Einige der Bewohnerinnen und Bewohner mit einer Behinderung kommen nach dem Essen auf ein Schwätzchen vorbei oder wünschen beim Vorbeigehen einen guten Appetit. Gedeckt ist der Tisch noch nicht. «Das sollen die Kinder selbst machen, wie zu Hause eben», erklärt Alexandra Piffer schmunzelnd. Dies tun sie auch umgehend und holen beim Küchenpersonal pflichtbewusst den Servierwagen mit dem Besteck und dem Essen ab.

In der Kinderrunde sitzt ausnahmsweise auch Heimleiter Markus Reist. Nach dem Gerangel ums Schöpfen – jedes Kind will selbst mit der Kelle hantieren – sitzen sie gebannt am Tisch und lauschen Reists Geschichte über das Floss Kon-Tiki, nach dem das Wohnheim benannt ist. Aus natürlichen Materialien wie Holz und selbst gedrehten Seilen sei es gebaut worden und es hielt den Stürmen der Meere stand, erzählt er und die Kinder machen grosse Augen.

Kontakt zwischen Mietern und Bewohnern

Der Mittagstisch im Kontiki ist für beide Seiten ein Glücksfall. Das Küchenteam des Wohnheims kocht sowieso, die Kinder erhalten eine gesunde Mahlzeit und haben genügend Platz zum Spielen. «Für uns ist der Kontakt mit Aussenstehenden sehr wichtig», erklärt Heimleiter Reist, «Kinder sind als Zukunft unserer Gesellschaft besonders bedeutend. Sie kennen keine Berührungsängste und Vorurteile.» Die Räumlichkeiten des Wohnheims werden vermietet unter der Bedingung, dass es zu einem Kontakt zwischen Mietern und Bewohnern kommen kann. So führt der Verein Junge Familien Subingen beispielsweise Spielnachmittage durch.

Nach dem Essen sind sich die Kinder einig: «Es war leeeecker!» Natürlich werden auch die Zähne geputzt und danach düsen sie los: Tischfussballspielen ist angesagt.