Oberdorf
Im Steinbruch wird doch weiter abgebaut

Darf im Steinbruch Webernhüsli weiter abgebaut werden, oder ist Schluss mit dem Ausbau? Die Kantonsratskommission hat einen Augenschein genommen und stellt sich in Sachen «Webernhüsli» auf die Seite der Gemeinde. Die Steine sollen doch weiterrollen.

Christof Ramser
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Die Justizkommission (hier am Augenschein in Oberdorf) fällte einen überraschenden Entscheid.

Die Justizkommission (hier am Augenschein in Oberdorf) fällte einen überraschenden Entscheid.

Hansjörg Sahli

Wenn ein Pilot den Flughafen Grenchen ansteuert, orientiert er sich nicht selten am markanten Einschnitt in der ersten Jurakette oberhalb von Oberdorf. Der Steinbruch Webernhüsli hat in den bald 100 Jahren seines Bestehens eine klaffende Lücke im Kalkfelsen hinterlassen, die von weit herum sichtbar ist.

Für den Regierungsrat kommt deshalb eine weitere Ausbauetappe nicht infrage – zu gross sei der Schaden an der Natur, zumal sich das Gebiet im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) befindet. Die Regierung hat den Steinbruch von Bruno Giacometto deshalb nicht mehr in den Richtplan Steine und Erden aufgenommen – was den Oberdörfer Gemeinderat zu einer Beschwerde beim Kantonsrat veranlasst hat.

Am Mittwoch Nachmittag machte sich die Justizkommission (Juko) des Kantonsrats nun ein Bild vor Ort – und hat sich überraschend auf die Seite der Gemeinde respektive von Bruno Giacometto gestellt. «Wir heissen die Beschwerde gut», sagt Markus Flury, Präsident der Juko. Damit steigen die Chancen, dass der Standort «Webernhüsli» wieder in den Richtplan aufgenommen wird und eine vierte Ausbauetappe in Angriff genommen werden kann. Als abschliessende Instanz wird der Kantonsrat in der März-Session entscheiden. Die Chancen stehen laut Flury aber gut, dass der Juko-Entscheid gestützt wird.

Starker Eingriff in wertvolles Gebiet

Zur Begründung konnte Markus Flury noch keine weiteren Angaben machen. Argumente gegen eine vierte Ausbauetappe und für die Schliessung des Steinbruchs lieferte gestern hingegen Rolf Glünkin, im Amt für Raumplanung zuständig für den Richtplan. Vor allem Gründe des Naturschutzes sprächen für einen Ausbaustopp: «Der Eingriff in das BLN-Gebiet Weissenstein wäre sehr gross und würde Felsen mit seltenen Lebensräumen im Leberberg tangieren.» Zudem gelte eine sehr restriktive Gesetzgebung punkto Bewilligung von Waldrodungen.

Die kantonsrätliche Kommission schaut genau hin

Die kantonsrätliche Kommission schaut genau hin

Hansjörg Sahli

Geologe Hans Rudolf Keusen, der die Gemeinde vertrat, hob ebenfalls den Landschaftsschutz in den Vordergrund, stellte sich aber auf einen anderen Standpunkt: Weil der weitere Abbau von oben her, aus Richtung «Geissfluechöpfli» und terrassenartig, erfolgte, würde das Gelände abgeflacht. «Später könnte man das Abbaugebiet sukzessive aufforsten», sagte Keusen, wodurch die Narbe im Berg irgendwann verschwinden soll. Zudem, ergänzte Gemeindepräsident Patrick Schlatter, werde das Gelände sicherer, wenn die steilen Felswände verschwinden. «Der Regierungsrat hat sich bisher vor der Frage nach den Sicherheitsbestimmungen gedrückt», so Schlatter.

Die bestehende Grube wiederum könne mit Aushubmaterial aufgefüllt und einer anderen Nutzung zugeführt werden. Auch sei der Bedarf nach frostsicheren Steinen für die Wasserbauprojekte an Emme, Aare oder Dünnern gegeben. Dies wird allerdings vom Amt für Umwelt widerlegt (siehe Kontext).

Arbeit für die nächsten 25 Jahre

Insgesamt soll im Webernhüsli in den nächsten 25 Jahren 600000 Kubikmeter Gestein abgebaut werden, davon ein Drittel Blockmaterial. Ob es dazu kommt, ist offen. Sollte der Kantonsrat die Beschwerde aus Oberdorf tatsächlich gutheissen, muss schliesslich der Bund die Richtplanänderung absegnen. Für Bruno Giacometto und seine acht Angestellten könnte sich das Blatt also zum Guten wenden: «Ich hoffe, dass die Vernunft siegt.»

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