Imker
Im Schutzanzug kann er seine grosse Faszination für kleine Tiere ausleben

Die Imkerei ist eine aufwendige Freizeitbeschäftigung und nicht billig. David Studer aus Horriwil hat vor zwei Jahren begonnen, sich mit Bienen zu befassen. Die Faszination für die geheimnisvollen Tiere steigt, je mehr er über sie weiss.

Andreas Toggweiler
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Imker David Studer an der Arbeit
9 Bilder
Zu Besuch bei Imker David Studer
Geöffnetes Bienenemagazin
Halb gefüllte Honigwabe
Zuckerteig als Nahrung für die Bienen
Leere Honigwabe
Die Bienen waren fleissig
Es hat noch Platz für weitere Völker
Blick in den Waben-Vorratsschrank

Imker David Studer an der Arbeit

Auf einer Wiese am Dorfrand Richtung Oekingen steht an einer Hecke bei einem kleinen Bächlein ein grüner Anhänger. Nähert man sich dem Gefährt, fällt schon bald ein gelbes Schild auf: «Vorsicht Bienen». Ein dezentes Summen erfüllt die Luft, das mit jedem Meter anschwillt. Bei den nach Südosten ausgerichteten Fluglöchern, die zu dem Bienenmagazin im Innern des ehemaligen Bauanhängers führen, herrscht ein enormer Betrieb. Die Bienen geben quasi Vollgas. «Am ersten schönen Tag seit Wochen sind sie äusserst aktiv und lassen sich dabei ungern stören», erklärt David Studer. «Es ist wohl besser, wenn wir den Schutzanzug anziehen.»

Denn schon stürzen sich die ersten Wächterbienen auf die Eindringlinge. Sie haben die Aufgabe, den Bienenstock zu bewachen, beispielsweise vor fremden Bienenvölkern, die Honig rauben wollen. Bienenstiche machen Studer zwar nicht mehr viel aus, doch an einem Tag wie heute sollte man sich besser vorsehen. Im Innern des Wagens nimmt Studer die Schutzhaube wieder ab und entzündet stattdessen mit einem Bunsenbrenner ein Gemisch aus Holzpellets und Tabakschnipseln. Der Brandgeruch hält die Bienen fern.

Ein ehemaligeR Bauwagen ist die Flugbasis für Studers neues Hobby. Seit er vor zwei Jahren eine TV-Dokumentation über Honigbienen gesehen hat, lassen ihn die kleinen Tierchen, an denen ein Grossteil unserer Nahrungsversorgung hängt, nicht mehr los. Mit Literatur und im Internet hat sich der 57-Jährige anfänglich schlau gemacht, aber gemerkt, dass man um einen Imkerkurs nicht herumkommt, wenn man erfolgreich Bienen halten will. «Die Kursleiter am Bildungszentrum Wallierhof haben jahrzehntelange Erfahrung, ein riesiges Fachwissen und man merkt, dass ihr Herz für Bienen schlägt. Das spürt man», lobt Studer.

Auch er selber hat schon viel zu erzählen. Wie er mit drei Freunden den Bauwagen renoviert und umgebaut hat, in dem ab Mitte Jahr zehn Bienenvölker untergebracht sein werden. Wie er von Konrad Schläfli, einem langjährigen leidenschaftlichen Imker aus Horriwil, mit Rat und Tat unterstützt wurde, welches die Vor- und Nachteile von Magazin- oder Hinterhaltung sind (bei der Hinterhaltung muss man die schweren Honigzargen nicht hinaushieven, sondern kann die Waben herausziehen) und warum er sich bei den Waben für das «Schweizer Mass» entschieden hat (es ist hierzulande am weitesten verbreitet). Es besteht kein Zweifel: Imker müssen einiges wissen. Auch über Fortpflanzung, Ernährungsbedarf, Krankheiten oder die Zucht von Königinnen.

Eigene Bienen hat Studer nun seit gut einem Jahr. «Je mehr ich erfahre über diese faszinierenden Tiere, desto mehr Begeisterung verspüre ich», sagt er. Das Wissen löse auch Staunen aus über die Insekten und ihr biologisches und soziales Leben, über das zwar der Mensch schon vieles weiss, aber noch längst nicht alles.

Vorerst sind in Studers Bauwagen sechs Völker aktiv, plus zwei im Aufbau. Auch wenn das Wetter in den letzten Wochen schlecht war, haben seine Bienen Blütenhonig gesammelt. «Eine erste Ernte ist in diesen Tagen möglich.» Studer öffnet ein Magazin und bläst etwas Rauch hinein. Die Bienen ziehen sich zurück. Im geöffneten Kasten kann er den Ablauf im Bienenstaat erläutern. Ein ausgewachsenes Bienenvolk umfasst im Sommer etwa 50 000 Tiere. Eine Bienenkönigin legt im Mai/Juni bis 1500 Eier im Tag und befruchtet sie aus der Spermienblase. Sperma, das sie beim Hochzeitsflug durch die Begattung mit bis zu 16 Drohnen in einem Flug erhalten hat.

Im unteren Teil des Magazins befindet sich das Brutnest, im oberen Teil wird der Honig eingelagert, der nicht gebraucht wird. Eigentlich wäre er für den nächsten Winter gedacht. Doch auch der Mensch hat grossen Gefallen daran und beansprucht ihn für sich, wenn auch nur einen kleinen Teil, wie Studer erläutert. Ein Bienenvolk produziert je nach Rahmenbedingungen 60 bis 80 kg Honig im Jahr. Abzüglich des Eigenverbrauchs der Bienen verbleiben dem Imker zwischen 12 und 20 kg, in Ausnahmefällen auch über 30 kg.

Mit der Sonnenwende beginnt für die Bienen der Winter. Als Ersatz für den «entwendeten» Honig erhalten sie ab jeweils August/September eine Zuckerlösung, die sie ihrerseits wieder zu Honig verarbeiten und so den nötigen Vorrat von etwa 20 kg Honig zur Überwinterung sicherstellen.

Eine Kunst des Imkers besteht darin, die Bienen gut durch den Winter zu bringen. Auch im Winter braucht das Bienenvolk stets 20 Grad, um zu überleben. Die Bienen halten die Temperatur, indem sie eng zusammenrücken. Sobald die Brut beginnt – längere Tage und steigende Temperaturen geben das Signal – muss das Bienenvolk die Temperatur bei konstant 36 Grad halten. «In dieser Phase ist es wichtig, dass die Bienen genügend Nahrung haben», betont Studer.

Nicht das ganze Jahr geben die Bienen gleich viel Arbeit. Studer ist zurzeit ein- bis zweimal wöchentlich während einer bis zwei Stunden in seinem Bienenwagen. Als selbstständiger Informatik-Unternehmer kann er sich die Zeit einteilen. «Das ist schon ein Vorteil», erklärt er. Man könne vor Ort sein, wenn es wirklich nötig ist. Seine Kunden können demgegenüber von einem aussergewöhnlichen Werbegeschenk profitieren: Honig aus dem Wasseramt. Nach entsprechenden Kursen hat sich Studer jetzt an die Königinnen-Zucht gewagt.