Das Kloster mit den 22 Benediktinermönchen gilt als einzigartige religiöse Stätte und ist der wichtigste Wallfahrtsort in der Nordwestschweiz. Weniger bekannt ist, dass die ältesten Kultusgegenstände über 800 Jahre alt sind und die Musikbibliothek eine originale Notenhandschrift von Mozart vermutlich aus dem Jahr 1772 enthält. Erst knapp 20 Jahre alt ist die Vorplatzgestaltung des Basler Künstlers Ludwig Stocker, der mit dem Brunnen an die Verkündigung durch den Engel an Maria erinnert und mit den zweimal sieben Marmorsäulen die Gaben des Heiligen Geistes und die Freuden und Schmerzen Mariens symbolisiert.

Der Mariasteiner Historiker Pater Lukas Schenker stellt fest: «Religion drückt sich auch in Kultur aus.» Zahlreiche Gemälde, Holz- und Marmorskulpturen schmücken Kirche, Gnadenkapelle und Klosterräume. Wertvolle Gewänder und Kelche werden gesichert in grossen Schränken aufbewahrt und für die Gottesdienste verwendet. Hergestellt haben sie Künstler und Kunsthandwerker, für welche die Klöster während Jahrhunderten die wichtigsten Auftraggeber waren. In einer von Pater Lukas konzipierten Ausstellung werden noch bis im Oktober sogenannte Klosterarbeiten aus verschiedenen Klöstern gezeigt.

«Fallwunder» locken Pilgerschar

Die Wallfahrt zu «Unserer Lieben Frau im Stein» geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Sie basiert auf der Legende, die erzählt, dass ein Kind von der Jungfrau Maria auf wundersame Weise gerettet wurde, nachdem es die steile Felswand hinuntergestürzt war. Die Kultus- und Kunstgegenstände sind Zeugen der wechselvollen Klostergeschichte von der ersten um 1434 bezeugten Kapelle über Verwüstungen während der Reformation, einem zweiten «Fallwunder» 1541 bis zur heutigen Form der Klosterkirche aus dem letzten Jahrhundert. Die Wallfahrt nach Mariastein wurde stets aufrechterhalten und erlebt heute durch Migranten und Sinnsuchende einen Aufschwung. Bis zu sechsmal täglich versammeln sich die Mönche zum Gebet.

Sonnenkönig spendet Altar

Königinnen, Könige und reiche Zeitgenossen überboten sich mit Spenden. Die Mutter von Napoleon III., Königin Hortense de Beauharnais, stiftete vor 200 Jahren ihren Tüll-Brautschleier für ein mit Goldfäden bestücktes Brokatkleid für die lächelnde Marienstatue mit dem Jesuskind in der Gnadenkapelle. Die Adelsfamilie Reich von Reichenstein dokumentierte mit dem Mirakelbild die Rettung eines vom Felsen gestürzten Familienmitgliedes. Und der Hochaltar im Chor sowie ein Messornat aus Brokat als Zeuge der Web- und
Stickkunst stiftete der Sonnenkönig Ludwig XIV. von Frankreich. Seit ein paar Jahren besuchen nebst zahlreichen katholischen auch hinduistische Tamilen Mariastein, weil sie in Maria die Göttin Kali sehen, die auch für Erneuerung steht. Offenheit gegenüber anderen Religionen praktizierten die Christen im Mittelalter auch in der Kunst. Der aus dem 12. Jahrhundert stammende Esso-Stab zeigt islamische Elfenbein-Motive.

Die Sonderausstellung beim Abgang zur Gnadenkapelle zeigt Klosterarbeiten, in welche Reliquien eingearbeitet sind. Meist sind es kleine Knochen von Heiligen. «Die Echtheitsfrage ist weniger interessant, als die Tatsache, dass die Menschen an die Schutzwirkung der Reliquien glauben», erklärt Pater Lukas. Gemalte Heiligenbilder bestücken die Tafeln und Kästchen, die in reicher Verzierung mit Pailletten, Goldfäden und Perlen ausgeschmückt sind. Halbedelsteine, Glassteinchen, Stroh und gestickte Motive werten die Figuren aus Alabaster, Stein und Wachs auf. Das Prunkstück ist eine Tafel rund um eine Marienstatuette mit 500, mit Namen bezeichneten Täfelchen für den besonderen Schutz im Diesseits.

Ausstellung Klosterarbeiten
sonntags geöffnet. Heute Samstag:
öffentliche Führung um 16.30 Uhr
(Besammlung Klostervorplatz).