Zuchwil
Im Betagtenheim Blumenfeld wird Energie gespart und produziert

Geschäftsführer Max Oser versucht im Zuchwiler Betagtenheim Blumenfeld, möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen. Zudem werden die Essensreste gesammelt, um später Biogas daraus zu machen.

Urs Byland
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«Blumenfeld»-Geschäftsführer Max Oser zeigt im Untergeschoss die beiden Tanks, in denen die Essensreste zwischengelagert werden.

«Blumenfeld»-Geschäftsführer Max Oser zeigt im Untergeschoss die beiden Tanks, in denen die Essensreste zwischengelagert werden.

Urs Byland

Waschmittel oder Abwaschmittel werden im Zuchwiler Betagtenheim Blumenfeld nicht von Hand dosiert. Unten im Keller stehen zwei grosse blaue Fässer mit den Chemikalien. Dünne Schläuche führen hoch in die Küche und die Lingerie. Eine elektronische Steuerung sorgt für den Nachschub zur rechten Zeit und in der richtig dosierten Menge.

Dies ist ein Beispiel für die Philosophie der Trägerschaft und der Geschäftsleitung des Betagtenheimes, Ressourcen gezielt und sparsam einzusetzen, Energie zu sparen, erneuerbare Energien zu brauchen sowie Abfälle clever zu entsorgen.

Auch zum Letzteren ein Beispiel: Neben den blauen Fässern stehen zwei grosse Tanks aus weissem Plastik. In diesen werden Essensreste gesammelt, die oben in der Küche über einen Zerhäcksler herangeführt werden. Einmal im Monat werden die Tanks abgesogen und das Biogut in eine Biogasanlage eingespeist. Aus den Speiseresten entsteht Biogas.

Hotellerietaxe ist eine unerschöpfliche Geldquelle

Im Rahmen der Taxregelung erlässt der Regierungsrat jährlich die Höchsttaxen für Hotellerietaxe sowie Pflege- und Betreuungstaxe. Die Hotellerietaxe beträgt 2013 maximal 150 Franken pro Tag. Das sind 120 Franken für Unterkunft und Verpflegung, 28 Franken Investitionskostenpauschale und 2 Franken Ausbildungsbeitrag. Die Investitionskostenpauschale basiert auf der Annahme von Investitionskosten von 250 000 Franken pro Bett, die bei einem Zinssatz von 3,5 Prozent auf 35 Jahre abzuschreiben sind. Daraus ergibt sich ein Ansatz von 28 Franken pro Tag. «In erster Linie sind damit Hypothekarschulden zurückzuzahlen, Schulden abzubauen, Abschreibungen vorzunehmen und/oder Rückstellungen zu tätigen. Die Alters- und Pflegeheime können selber entscheiden, wie werterhaltende Massnahmen und Rückstellungen zu beurteilen sind», so der Regierungsratsbeschluss. Das Betagtenheim Blumenfeld hat kein Fremdkapital aufgenommen und kann fortlaufend Rückstellungen tätigen, die für Sanierungen und Unterhalt verwendet werden. Das 1981 eröffnete Heim wurde nach zwei Jahrzehnten saniert und hat 75 Einzelzimmer. (uby)

«Für uns ist eine umweltschonende Betriebsführung Pflicht», erklärt Geschäftsleiter Max Oser die Philosophie im Heim. Und dies nicht erst seit diesem Sommer, als auf den beiden Flachdächern der Blumenfeld-Gebäude eine Solaranlage in Betrieb genommen werden konnte. Im Eingangsbereich erhalten Besucher und Bewohner Informationen zur Leistung der Anlage. «Der ins Netz eingespeiste Strom entspricht 20 bis 30 Prozent unseres Bedarfs.» Die Anlage soll in 13 bis 15 Jahren abgeschrieben sein, solange die Politik nichts an den Rückvergütungen ändert.

Abschied von fossiler Energie

Bereits vor sechs Jahren verabschiedete sich das Betagtenheim von fossiler Energie in Form von Heizöl. «Das war ein längerer Weg. Wir haben uns nach Partnern umgeschaut, damit die Erschliessung des Quartiers auch möglich wird.» Gemeinsam mit dem nahen Gartenbetrieb Wyss und dem Schulhaus im Quartier wurde das Heim an die Fernwärme der Kehrrichtverbrennungsanlage angeschlossen.

Die Heizung ist im Betrieb günstiger als die bisherige Lösung. Der durchschnittliche Heizölverbrauch lag bei rund 80 000 Litern, was heute jährliche Verbrauchskosten von rund 80 000 Franken verursachen würden. Seit Inbetriebnahme der Fernwärme im Jahre 2007 belaufen sich die Heizkosten auf rund 58 000 Franken jährlich. «Die Einsparung gegenüber der fossilen Energie beträgt somit rund 25 Prozent», so Oser.

Nach der Heizung wurde 2008/09 die Küche saniert. «Die Räume wurden bis auf die Betonträger ausgehöhlt. Während eines halben Jahres betrieben wir die Küche im Park in sieben Containern.» Die Küche produziert täglich 200 bis 250 Mittagessen für die Bewohner des Heimes, für das öffentliche Restaurant und für den Mahlzeitendienst von Zuchwil. Eingebaut wurden die neusten energetischen Geräte inklusive einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und den Tanks für die Essensreste. Sämtliche Kühlräume wurden vom Untergeschoss in den Küchenbereich im Erdgeschoss verlegt. Die Gesamtsanierung der Produktionsküche, inklusive Anbau Küchenbereich und zwei Bewohnerzimmer und einem Aufenthaltsraum kostete rund 2,5 Mio. Franken.

Beispiele gibt es viele weitere. Die Pissoirs funktionieren wasserlos, an den Wasserhähnen sind wassersparende Neoperls aufgeschraubt, das ganze Haus wurde auf Bewegungsmelder umgestellt, Licht und Storenbewegungen werden zentral gesteuert, ebenso die Beheizung der Gesamtanlage.

Wiese nur zwei Mal mähen

Auch in der Parkanlage achtet der Geschäftsleiter auf ökologisches Handeln. Einzelne Flächen werden extensiv bewirtschaftet und maximal zweimal im Jahr gemäht. «Der Stiftungsrat unterstützt unsere Bemühungen und wir stehen als halböffentliche Institution unter spezieller Beobachtung. Mir ist es ein persönliches Anliegen, zukunftsgerichtete Wege zu beschreiten.» Das Betagtenheim ist zudem einem Effizienzprogramm angeschlossen.

Ein Fachingenieur begleitet das Heim während dreier Jahren und berät, wo im Haus Energie effizienter genutzt werden könnte. «Da sind wir jetzt dauernd daran zu verbessern.»