Der Eingang zum Lokal liegt etwas versteckt hinter dem Haus. In einem verqualmten Raum hocken sechs Männer um zwei Tische, im Hintergrund flimmert ein Fernseher. In einer Ecke sitzen zwei Männer vor Spielautomaten und zocken. Es ist ein gewöhnlicher Nachmittag in einem Restaurant in Derendingen, in dem laut Anwohnern illegal gespielt wird.

«Hier wurde noch nie eine Polizeikontrolle durchgeführt», sagt einer und zieht an seiner Zigarette. «Aber nun kommen sie wohl bald.» Ob die Spielautomaten in der Ecke illegal seien? Einer steht auf und raucht draussen weiter. «Schon möglich.» Mehr ist von der schweigsamen Gesellschaft nicht zu erfahren.

Gleich ganz verschlossen bleibt die Tür in einem zweiten Lokal in Derendingen, in dem illegalen Glücksspielen gefrönt werden soll. Das Restaurant war nur kurz geöffnet und sei nach der letzten Durchsuchung am 22. Februar wieder geschlossen worden, ist im Dorf zu erfahren. Damals ertappte die Polizei einige Gäste, die an Online-Terminals illegalen Glücks- und Wettspielen nachgingen.

Mehrere dieser Stationen sowie einige tausend Franken Bargeld wurden beschlagnahmt, der türkische Pächter verzeigt. Es gebe noch ein drittes Restaurant in Derendingen, das regelmässig kontrolliert werde, weiss eine Frau. «Die sitzen dann dort im Stübchen und zocken. Mal ist die Beiz zu, dann wieder offen.»

40 Strafanzeigen in drei Jahren

Thalia Schweizer, Sprecherin der Kantonspolizei Solothurn, bestätigt die Kontrollen. Zwischen Januar 2010 und Ende Dezember 2012 wurden 40 Strafanzeigen wegen illegalen Glücksspiels ausgesprochen. «Es fanden aber mehr Kontrollen statt, bei denen es keine Anzeigen gab», sagt Schweizer. Teils reagiert die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung, oft interveniert aber auch die eidgenössische Spielbankenkommission ESBK, die das illegale Glücksspiel in der Schweiz verfolgt (siehe Kasten). Experten sind bei den Kontrollen zwingend mit dabei.

Multiwetten und ein Spielautomat

Auch ein Restaurant in Gerlafingen wurde bereits mehrfach kontrolliert. Im Mai 2010 wurden dort unter anderem Prepaid-Karten für Multiwetten und ein Spielautomat beschlagnahmt. Stösst die Polizei in einem Lokal auf illegales Glücksspiel, wird der Betreiber verzeigt und die Automaten oder Computer sichergestellt.

Hohe Bussen

Die Übertretungen sind laut Jean-Marie Jordan, Direktor der ESBK, mit Busse bis zu einer halben Million Franken geahndet. Das Vergehen ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen bedroht. Die Spieler machen sich nicht strafbar. Die Gewinnmarge, die der Betreiber bereits eingestreicht hat sowie die Spielgelder werden eingezogen.

Alle Automaten abtransportiert

In Zuchwil gibt es zwei Lokale, in denen um Geld gespielt wurde oder noch immer wird, weiss Bauverwalter Peter Baumann. Von beiden Häusern hat er der Polizei für ihre Kontrollen Planunterlagen abgegeben. In einem der beiden Etablissements ist bei einem Augenschein nichts Verdächtiges erkennbar. Abwesend ist indes auch der Chef.

Auch im Lokal eines serbischen Schachklubs, das die Polizei am 22. März kontrollierte, ist an diesem Nachmittag noch nicht viel los. Richtig voll wird es jeweils ab Samstagmittag, wenn sich Schachbegeisterte zu Partien treffen. Der Geschäftsführer, der den Klub seit fünf Monaten betreibt, spricht offen über die «Razzia», wie er sie nennt. «Die Polizei hat alle Automaten abtransportiert.»

Wetten auf Fussballspiele

Die Gäste hätten vor allem auf Fussballspiele gewettet, «zum Beispiel wenn Bayern spielt», sagt der 19-jährige Betreiber.Er habe nicht gewusst, dass dies illegal sei. Jetzt sei das Lokal sauber. «Die Spiele sind illegal, sie werden hier nicht mehr angeboten.» Weil eine junge Serbin schwarz im Lokal gearbeitet hatte, wurde er zusätzlich zur Widerhandlung gegen das kantonale Lotteriegesetz auch wegen Widerhandlung gegen das Ausländergesetz verzeigt. Nun wartet er auf die Busse.