Wie fühlen Sie sich am Tag eins nach dem für Sie negativen Entscheid des Heimatschutzes?

Rolf Studer: Es hat sich nichts geändert. Ich bin nach wie vor wütend und über den völlig unerklärlichen Entscheid masslos enttäuscht.

Sie haben nicht mit einer Beschwerde gerechnet?

Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz hat uns attestiert, alles unternommen zu haben, um eine gute, verträgliche Lösung auszuarbeiten. Sie verzichtete auf eine Beschwerde. Deshalb habe ich denn auch ein Einlenken seitens des Heimatschutzes erwartet.

Können Sie aus Sicht des Heimatschutzes den Entscheid verstehen?

Überhaupt nicht. Die Berichte der Experten und des Bundesamtes für Verkehrs sagen alle dasselbe: Die Sesselbahn kann nicht mehr weiter betrieben werden. Die einzige Variante wäre die Überführung der Bahn in einen Hobbybetrieb. Aber die Seilbahn Weissenstein AG hat als Betreiberin die Aufgabe, die Gäste während 365 Tagen auf den Berg zu bringen. Wir sind kein Hobbyverein.

Empfinden Sie den Entscheid als persönliche Niederlage?

Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Wir werden jetzt erst recht alles daran setzen, dass der Solothurner Hausberg mit der Gondelbahn erschlossen werden kann.

Sie geben also nicht auf?

Auf keinen Fall. Wir sind zuversichtlich, dass die Beschwerde abgewiesen wird. Es gibt den wegweisenden Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes zur Sesselbahn in Kandersteg.

Sie glauben daran, dass der Weissenstein irgendwann durch eine Gondelbahn erschlossen wird?

Ja. Es tut mir aber leid für alle – seien es normale Berggänger, Familien, ältere und behinderte Menschen – die nun wieder ein Jahr länger warten müssen, um auf den Weissenstein zu gelangen. Es ist mir deshalb unverständlich, warum der Heimatschutz mit seiner Beschwerde nun gezielt und bewusst eine ganze Region abstraft. Wir wollen den Berg erschliessen und kein Hollywood auf dem Weissenstein.

Stehen auch die Investoren der neuen Bahn weiterhin zum Projekt Weissenstein?

Das Geld liegt bereit. Es werden sicherlich noch Diskussionen stattfinden. Aber erste Reaktionen zeigen, dass der Wille aller da ist, jetzt erst recht weiterzumachen.

Wie hoch sind, Stand heute, die Investitionen?

Die Bahn allein wird etwa 12 Millionen und die Gebäude rund 3 Millionen Franken kosten.

Wer sind denn nun die Investoren?

Es handelt sich bei den Anteilen der Seilbahn Weissenstein AG um Inhaberaktien. Wenn sich ein Aktionär outen will, kann er das machen. Es liegt aber nicht an uns als Unternehmen, Namen bekannt zu geben.

Wie lange dauert es noch, bis Sie den Bettel hinschmeissen und die Bahn an die Stiftung Historische Seilbahn Weissenstein verkaufen?

Es gibt nichts zu verkaufen. Die alte Bahn hat keine Betriebsbewilligung mehr. Und wir haben noch nie eine Kaufofferte erhalten. Andere Aussagen sind nur Schall und Rauch.

Hat die Seilbahn Weissenstein AG, rückblickend betrachtet, Fehler gemacht?

Nein. Von Beginn an haben wir sämtliche Umweltorganisationen wie WWF, Pro Natura oder VCS zur Mitwirkung eingeladen und wir haben einen Konsens gefunden. Der Heimatschutz stand gar nie zur Diskussion, weil die Bahn eben rechtlich gesehen nicht unter Schutz steht.

Hätte man die Gegner nicht früher mit ins Projekt einbeziehen sollen?

Das haben wir getan. Der Heimatschutz will aber einfach die alte Bahn erhalten, was allein aus Sicherheitsüberlegungen unmöglich ist. Wir haben jede Möglichkeit in Betracht gezogen, um einen Weiterzug ans Bundesverwaltungsgericht zu verhindern. Wir haben Gespräche geführt mit der Politik, den Behörden, den Sympathisanten und auch den Gegnern. Mehr konnten wir nicht machen.

Nehmen Sie nochmals Kontakt auf mit dem Heimatschutz auf oder sind alle Brücken abgebrochen?

Die Zeit dazu ist abgelaufen. Die Positionen sind klar. Es liegt jetzt sicher nicht mehr an uns, sondern am Heimatschutz, die eingenommene Position nochmals zu überdenken.

Wann rechnen Sie damit, dass die erste Gondel auf den Berg fährt?

Bis zum Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes dürfte es rund vier bis sechs Monate dauern. 2012 wird am Berg jedenfalls nichts mehr passieren.