Schneeregen und Kälte waren kein Hinderungsgrund. Gegen hundert Personen haben sich heute Samstag Morgen bereits zur ersten Führung durch das ehemalige Industriegelände eingefunden. Unter ihnen waren viele pensionierte Attisholz-Mitarbeiter. Einige haben Jahrzehnte in der Cellulosefabrik gearbeitet. Sie nutzten den Tag der offenen Türe auch, um ehemalige Kollegen zu treffen

Atisholz, Axantis oder Borregaard: In den turbulenten Jahren vor der Schliessung 2008 hatte die Cellulosefabrik Attisholz viele Namen. «Es hat Leute hier, die alle Phasen erlebt haben», sagte Lothar Kind. Im früheren «Herzen» des Betrie-bes, dem Kochereihof, begrüsste der Geschäftsführer der Attisholz Infra die Interessierten. «Wir wollen heute plastisch vor Augen führen, worum es bei dem Areal geht und was man mit so einem riesigen Areal machen kann.» Zu sehen sind denn nicht nur die ehemaligen Fabrikhallen, sondern auch die Resultate der Testplanung und Fotografien des Solothurners Urs Amiet, der seine Einblicke in das Areal zeigt.

Die erste Führung leitet Hansjakob Pfister. 1977 ist er ins Attisholz eingetreten. Zusammen mit Lothar Kind und vier weiteren Personen gehört er heute zu den sechs verbliebenen Mitarbeitern, die sich um den Unterhalt und die Abwicklung der grössten Schweizer Industriebrache kümmern. Nicht zugänglich ist für die Besucher das Innere der Gebäude. «Nach drei Wintern beginnen die Gebäude zu leiden», erklärt Kind. An den Fenstern bleiben einige stehen, um doch noch einen Blick ins Innere zu erhaschen.

Viele Erinnerungen an das Attisholz hat Heinrich Hubler. 47 Jahre lang hat der Deitinger in der Cellulosefabrik gearbeitet und war für die Lehrlingsausbildung zuständig. Über 40 Lehrlinge beschäftigte die Fabrik jeweils in der eigenen Lehrlingswerkstatt. «Wir hatten schöne Zeiten, in denen man sich geschätzt und respektiert hat», erinnert er sich.

Rund um einen kleinen Stehtisch finden nach der Führung einige ehemalige Mitarbeiter zusammen. Mit je über 50 Jahren bringen allein die Riedhölzer Kurt Siegenthaler und Rudolf Scherler über 100 Arbeitsjahre im Attisholz zusammen. 1953 hat Scherler seine Lehre im Attisholz begonnen. Er absolvierte die Ausbildung zum Papiertechnologen, arbeitete dann in der firmeneigenen Garage und war Privatchauffeur von Attisholz-Direktor Sieber. 2001 wurde er frühpensioniert, doch er arbeitete gleich wieder weiter – bis er 67 war.

«Ich habe auch in einer untergegangenen Industrie gearbeitet», sagt der ehemalige Ascom-Mitarbeiter Rolf Kurt. Er ist aus Interesse an der Solothurner Industriegeschichte gekommen. Wie viele Solothurner hat auch er persönliche Erinnerungen ans Attisholz. So weiss er noch, wie in den 1950er-Jahren zum Bau neuer Fabrikhallen Erde abgetragen wurde. «In Muldenwägelchen wurde der Aushub auf Schienen zur Willihof-Brücke transportiert», erzählt Kurt.

Heute Sonntag finden um 10.30, 12, 13.30 und 15 Uhr weitere Rundgänge statt.