Wasseramt
Hunderte neue Wohnungen sollen potente Steuerzahler anlocken

In Derendingen, Gerlafingen und Zuchwil entstehen Hunderte neue Wohnungen. So sollen Steuerzahler angelockt und die soziale Durchmischung angeregt werden. So ist es bei solchen Projekten wichtig, die Langfristige Entwicklung zu planen.

Sven Altermatt
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Der «Verenapark» in Gerlafingen ist zur Hälfte fertiggestellt.
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Überbauungen im Wasseramt
Bald bezugsbereit: Die neuen Wohnhäuser an der Luzernstrasse in Derendingen.

Der «Verenapark» in Gerlafingen ist zur Hälfte fertiggestellt.

Hanspeter Bärtschi

Der Ausländeranteil ist hoch, das Steuersubstrat klein und die Zahl der leerstehenden Wohnungen - besonders in alten Häusern - liegt deutlich über dem kantonalen Mittel: Derendingen, Gerlafingen und Zuchwil sind alles andere als durchschnittlich.

Nun fahren in den drei Wasserämter Gemeinden auch noch die Baukräne und Betonmischer auf - wieder einmal. In den nächsten Jahren entstehen Überbauungen mit Hunderten Wohnungen, während alte Wohnblöcke saniert oder dem Erdboden plattgemacht werden.

Werden die Dörfer zu Städten?

Für die Bauverwaltungen bedeutet der Wohnungsboom vor allem eines: reichlich Arbeit. «Ohne langfristige Vision geht heute nichts mehr», sagt Peter Baumann. Um zu erklären, was er damit meint, zitiert der Zuchwiler Bauverwalter den Architekten Luigi Snozzi.

«Entwirfst Du einen Weg, einen Stall oder ein Quartier», schrieb Snozzi einmal, «so denke immer an die Stadt.» Wird Zuchwil also bald zur Stadt? «Nein, aber als Agglomerationsgemeinde verschmelzen wir weiter mit Solothurn», meint Baumann.

Man müsse sich gut überlegen, wie der Ort in ein paar Jahrzehnten aussehen soll. Bei Roger Spichiger, Bauverwalter in Derendingen, klingt das ähnlich. «Es gibt bei uns nur noch wenige Restgrundstücke», weiss er.

Diesen inneren Reserven geht es nun ans Fett, Verdichtung ist angesagt. Die Zaubermittel der Behörden heissen Gestaltungsplan und räumliches Leitbild. Mit diesen setzen sie die Eckwerte für die Überbauung einer Baufläche.

Oft werden Gestaltungspläne eng mit den Bauherren abgestimmt. «Bei grösseren Überbauungen haben diese stets eigene Projektentwickler zur Stelle», sagt Spichiger. Sein Kollege Ewald Kaiser, Bauverwalter in Gerlafingen, bestätigt das.

Gerade für institutionelle Bauherren wie Pensionskassen, die derzeit munter in Immobilien investieren, sei die Einhaltung von Terminen und Kosten von entscheidender Bedeutung, sagt er.

Ziel: soziale Durchmischung

Besonders Zuchwil und Gerlafingen weisen einen Überhang an alten, kaum sanierten Mehrfamilienhäusern aus - ein Relikt aus den 1960er-Jahren, als zahllose Industriearbeiter und ihre Familien untergebracht werden mussten. «Dörfer mit neueren Wohnungen haben eine bessere Ausgangslage», sagt Peter Baumann.

Mit raumplanerischen Instrumenten wie Gestaltungsplänen stellen die Gemeinden sicher, dass nach ihrem Gusto gebaut wird. Wer in welche Wohnungen einzieht, können sie allerdings nur beschränkt steuern.

«Am Schluss hat jeder Investor seine Renditeziele», räumt Roger Spichiger ein. «Oft decken sich die Wünsche der Bauherren aber mit unseren.» So wolle man in Derendingen etwa vermehrt potente Steuerzahler anlocken, sagt Spichiger. «Günstigen Wohnraum braucht es trotzdem noch, entscheidend ist eine gesunde soziale Durchmischung.»

Wie gehobener Standard und sozialer Wohnungsbau nebeneinander gehen, zeigt sich am Amselweg im Zuchwiler Unterfeld. Im multikulturell geprägten Quartier weichen alte Wohnblocks modernen Überbauungen, dabei entstehen 160 neue Wohnungen.

«Diese richten sich an das höhere Segment», sagt Bauverwalter Peter Baumann. Heisst im Klartext: Gefragt ist der gut situierte Mittelstand. Ewald Kaiser aus Gerlafingen schwört auf eine solide Altersdurchmischung.

«Ich halte nichts von Siedlungen, die beispielsweise nur für ältere Menschen gebaut werden.» Eine grosse Bedeutung messen die Bauverwalter den Faktoren Infrastruktur und Mobilität zu.

Wichtig seien nebst den Anbindungen an den öffentlichen Verkehr, guten Schulen und Naherholungsgebieten auch attraktive Kernzonen mit Einkaufsmöglichkeiten. «Investoren gewichten solche Kriterien mehr als die Höhe des Steuerfusses», sagt Roger Spichiger.

Ist das Zeitalter der freistehenden Einfamilienhäuser vorbei? Ja, sagen die Bauverwalter von Zuchwil und Derendingen. Nein, glaubt Ewald Kaiser. «Da in Gerlafingen noch entsprechende Bauplätze vorhanden sind», erklärt er, «begrüssen wir Einfamilienhäuser weiterhin.» Einfamilienhaus heisst Mittelstand, und dieser generiert frisches Steuersubstrat.

«Bestehendes in Schuss halten»

Ob die neuen Überbauungen den Gemeinden Zuchwil, Gerlafingen und Derendingen tatsächlich einen Steuersegen bescheren, lässt sich letztlich kaum voraussagen. «Da wirken unzählige andere Dinge ein», sagt Peter Baumann.

Fest steht: Die Lücken in den Bauzonen werden geschlossen, die Siedlungsstrukturen kompakter. Angestrebt wird eine hohe Nutzungsdichte. «Dann wird es vor allem darum gehen, die bestehenden Strukturen in Schuss zu halten», blickt Roger Spichiger in die nächsten Jahrzehnte. Wachstum, sind sich die Bauverwalter einig, ist zentral - jedoch eher qualitativ als bei den Einwohnerzahlen.