Horriwil

Horriwiler Gemeinderat geht - Zurück bleibt ein Scherbenhaufen

Die Stühle im Gemeinderatszimmer bleiben unbesetzt. hp. Bärtschi

Die Stühle im Gemeinderatszimmer bleiben unbesetzt. hp. Bärtschi

Der Gemeinderat warf an der Versammlung vom Donnerstag den Bettel in globo hin. Ab 1. Juli ist das Dorf führungslos. Doch wie konnte es so weit kommen? Und wie soll es nun weitergehen?

«Wenn ich mit meiner Meinung wirklich derart neben der Bevölkerung liege, kann ich so nicht weitermachen und trete per sofort als Gemeindepräsidentin zurück.» Barbara Hofer hatte genug und setzte einer gehässig und teilweise konfus geführten Gemeindeversammlung die Krone auf. Vize-Gemeindepräsident Christian Hess doppelte sogleich nach und verkündete, dass neben der Gemeindepräsidentin auch der restliche Gemeinderat geschlossen zurücktritt. Ab dem 1. Juli ist Horriwil führungslos.

Rausschmiss angedroht

Barbara Hofer hatte gewusst, was den Rat und sie im Speziellen erwarten würde. Schon einleitend zur Gemeindeversammlung erklärte sie, dass sie um die Brisanz einiger Geschäfte wisse. Dabei ging es um Arbeitsplatzbewertungen und eine Grobanalyse von Werkhof/Schulhauswart und Gemeindeverwaltung. «Ich lege Wert auf gesitteten und respektvollen Umgang miteinander. Ich werde nicht zögern, die Versammlung zu unterbrechen und Einwohner, die sich nicht daran halten, des Saals zu verweisen.»

Dass sich Barbara Hofer am Ende nun quasi selbst, und zwar endgültig des Saals verwies, zeichnete sich im Verlauf des Abends ab. Spätestens als sie eine Unterbrechung der Gemeindeversammlung anordnete, um sich mit den eigentlich als Referenten geladenen Fredy Schmitter (Gemeindeverwalter Oberdorf) und Ernst Walter (alt Gemeindepräsident Bellach) über das weitere formale Vorgehen zu besprechen, war klar, dass im Mehrzweckgebäude keine gemeinsame Basis vorhanden ist. Antrag folgte auf Antrag. Jeder wusste besser als der andere, wie formal und inhaltlich vorzugehen sei. Die Votanten fielen einander ins Wort, und der Ton wurde immer rüder.

«Wofür noch eine Analyse?»

Ursache des Chaos, zumindest an diesem Abend, waren unterschiedliche Ansichten des Gemeinderates und der Spezialkommission «Überprüfung Gemeindefinanzen». Während der Rat den Werkhof und die Stelle des Schulhauswarts ohne Einschränkungen überprüfen lassen wollte, beantragte die Kommission eine vorgängige Limitierung der Stellenprozente für diese beiden Bereiche auf 130 Prozent.

«Warum soll denn noch Geld für eine Überprüfung ausgegeben werden, wenn das Pensum sowieso schon limitiert ist?», fragten sich einige Horriwiler zu Recht. Auch Hansruedi Blaser von der Cleangreen Consulting GmbH, der die Vorgehensweise seiner Firma bei solchen Analysen demonstrierte, stellte sich und den Anwesenden diese Frage. Eine Antwort blieb die Mehrheit, welche den Antrag der Spezialkommission mit 29 zu 25 Stimmen annahm, schuldig.

Wenige «chrampfen» für viele

Auch das Pensum auf der Gemeindeverwaltung hätte nach dem Willen der Spezialkommission gekürzt werden sollen. Sie beantragte, statt der heutigen 90 Stellenprozent nur noch ein 70-Prozent-Pensum zu bewilligen. Auch gegen diesen Antrag ging der Rat auf die Barrikaden. «Wir haben mit der Verwaltung sehr gute Erfahrungen gemacht, seit wir sie vor sechs Jahren eingeführt haben», betonte Barbara Hofer.

«In Horriwil ist es sehr schwierig, Einwohner zu finden, die sich für die Gemeinde engagieren. Die Verwaltung entlastet uns massiv», erklärte die Gemeindepräsidentin. Mit der geplanten Kürzung müssten jene, die sowieso schon viel für die Gemeinde leisteten, noch mehr Arbeit auf sich nehmen. «Und es kann doch nicht sein, dass immer weniger hier im Dorf für den Rest ‹chrampfen› sollen.» Dies zumindest sah eine Mehrheit der Anwesenden ein und folgte dem Antrag des Gemeinderates, das Pensum für das Verwaltungspersonal bei 90 Prozent zu belassen.

Über den Mund gefahren

Unmittelbar nach dieser Abstimmung verliessen Ernst Walter, Fredy Schmitter und Hansruedi Blaser fluchtartig den Saal. Erstere zwei hätten eigentlich als Referenten zu einem Bericht über das Pensum auf der Verwaltung Auskunft geben sollen. Ernst Walter kam nicht einmal dazu, sich vorzustellen. Aus der Versammlung heraus wurde ihm nämlich auf unverschämte Art und Weise das Wort verboten.

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