Horriwil
Horriwil hat wieder eine komplette Exekutive und probiert den Neuanfang

Der Politbetrieb startet in der Wasserämter Gemeinde Horriwil mit unerfahrenen Einsteigern und altgedienten Amtsträgern neu. Beat Noll ist, eine Dekade später, wieder Oberhaupt in der Gemeinde, und auch der Gemeinderat ist wieder komplett.

Christof Ramser
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«Den Jungen zur Seite stehen.» Beat Noll kehrt als Gemeindepräsident zurück. Hanspeter Bärtschi

«Den Jungen zur Seite stehen.» Beat Noll kehrt als Gemeindepräsident zurück. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Nichts deutet an diesem sonnigen Herbsttag auf die Blockade hin, die den politischen Betrieb in Horriwil lahmgelegt hat. Die Gäste auf der Terrasse des Gasthofs Sonne grüssen freundlich, ein Traktor knattert durchs Dorf, die Gemeindeverwaltung wirkt verwaist. Der Rauch hat sich verzogen, nachdem vor gut drei Monaten der gesamte Gemeinderat Knall auf Fall zurückgetreten war, weil er sich nicht mehr imstande sah, die Bevölkerung zu repräsentieren.

Seit vorgestern hat die Gemeinde nun wieder einen Präsidenten. Beat Noll, in Horriwil aufgewachsen, 40 Jahre Engagement in öffentlichen Ämtern, Finanzverwalter, Kirchgemeinderat, Gemeinderat, Kassier der Flurgenossenschaft Aeschi-Bolken, Präsident des FC Subingen, und bis 2000 für fast zwei Legislaturen Gemeindepräsident von Horriwil. Ende letztes Jahr wurde der Steuerpräsident der Veranlagungsbehörde Olten-Gösgen pensioniert, nun freute er sich aufs Velofahren, Zugfahren und aufs Wandern. Von der Gemeindepolitik wollte er eigentlich nichts mehr wissen.

«Wir müssen die Steuern senken»

Jetzt sitzt der 64-Jährige in seinem Bürostuhl und blättert in einem Ordner mit den Finanzkennzahlen der Gemeinde. «Wir müssen schauen, dass der Steuerfuss sinkt», sagt der Mann, der SP-Mitglied war, als es im Dorf noch Parteien gab. Aufgedrängt habe er sich nicht für den Posten des Gemeindepräsidenten, der Entscheid, noch einmal zu kandidieren, fiel spontan. «Der Wunsch wurde an mich herangetragen. Der Druck war sehr gross.» Nicht zuletzt, weil sich an der Orientierungsversammlung drei Interessenten für ein Mandat gemeldet hatten, die keine Erfahrung in der Gemeindepolitik haben. Denen müsse man zur Seite stehen.

Nun müsse man schauen, dass die verhärteten Fronten im Dorf wieder aufgeweicht werden, und man müsse die Finanzen sanieren. «Wir werden beides schaffen, da bin ich überzeugt», sagt Beat Noll, der als Mitglied der Spezialkommission Finanzen eine restriktive Finanzpolitik propagiert hatte und damit ein Gegenspieler der zurückgetretenen Exekutive um Barbara Hofer war. Er ist ausserdem davon überzeugt, dass auch die Bevölkerung sparen will. Vielleicht, sagt Noll, sei es ja sogar gut, dass es mit einem Knall geendet habe. «Jetzt sind wir halt wieder an der Reihe».

Ehemalige Konkurrenten

Mit «wir» meint Noll auch Franz Schreier. Die beiden sassen von 1993 bis 1997 bereits zusammen im Gemeinderat. In einer Kampfwahl waren sie sogar gegeneinander um das Gemeindepräsidium angetreten. Noll schwang damals obenaus. Warum will es der 66-jährige Produktmanager in der Landmaschinenbranche nun nochmals wissen? «Ganz einfach», sagt CVP-Man Schreier: «Wir können die Jungen nicht einfach im Stich lassen.» Das Engagement der beiden Ehemaligen sei auch ein Signal für kommende Interessenten um einen Behördenposten.

«Ich bin sicher, dass wir genügend Leute für den Gemeinderat finden würden.» Dafür brauche es aber Überzeugungsarbeit – eine Aufgabe, den früher die Ortsparteien übernommen haben. Auch Schreier habe seit Längerem «gespürt, dass es mit der Exekutive nicht rund lief.» Er glaubt aber, dass man im Dorf nun schnell wieder zu einem normalen Umgang miteinander finden wird. Auch er will nun schauen, «dass die Finanzen nicht aus dem Ruder laufen.» Denn die Horriwiler wollen sparen, davon sei er überzeugt.

Barbara Hofer will sich heute nicht mehr zu den Vorkommnissen äussern. Das sei alles dermassen breitgetreten worden, sie müsse sich für nichts mehr rechtfertigen. Negative Gefühle hege sie jedenfalls nicht. Doch mit ihrer Meinung werde sie auch künftig nicht hinter dem Berg halten. «Denn Horriwil liegt mir immer noch am Herzen.»

Fusionieren? Und falls ja, mit wem?

Mit positiven Gefühlen geht Alain da Silva an die Arbeit als Gemeinderat. Der 24-jährige Mechaniker und Student der Produktionstechnik war schockiert, als er auf dem Arbeitsweg von der Demission des Gemeinderates erfahren hatte. Die Stimmung im Dorf sei gespannt, auch in der Feuerwehr sei das ein Thema gewesen. Darum habe er sich am Informationsanlass von Max Wittwer spontan gemeldet. «Ich habe nicht das schlechteste Verständnis von Politik», glaubt er. Über «gar keine Erfahrung» verfügt Peter Rindlisbacher. Der 42-jährige Meisterlandwirt will mit seinem Engagement dazu beitragen, dass die Gemeinde nicht zwangsverwaltet werde und dass sich die «verknorzte» Situation entspannt.

Der Zusammenschluss mit einer anderen Gemeinde könne mittelfristig eine Lösung sein, sagt Sachwalter Max Wittwer. «Der neue Gemeinderat muss eine Fusion seriös prüfen, auch wenn dieses Anliegen jetzt nicht vordringlich ist.» Viel wichtiger sei es, die Gesprächskultur im Dorf wieder so herzustellen, dass man nach Beschlüssen normal miteinander reden könne. «Dazu ist es wichtig, dass man nicht auf Personen losgeht, sondern die Sache in den Vordergrund stellt.»

Klar scheint: Die neuen Gemeinderäte sind nicht nur im Amt, um Horriwil so schnell wie möglich zu fusionieren. Doch sollte es dazu kommen, «dann nur mit Subingen», hält Beat Noll fest. Für Franz Schreier wiederum ist klar: Wenn zusammenschliessen, dann nur im grossen Rahmen und mit mehreren Gemeinden. Keine Präferenzen dagegen haben da Silva und Rindlisbacher. Beide können sich vorstellen, auch in der nächsten Legislatur dem Gemeinderat treu zu bleiben.