«Ich bin hin und weg von diesem Stück», schwärmt Restauratorin Brigitta Berndt. Sie ist mehr als nur begeistert vom Objekt ihrer momentanen Arbeit. Nicht verwunderlich: Vor ihr steht ein Ostergrab aus dem 15. Jahrhundert. Dass dieses seltene Objekt überhaupt zum Vorschein kam, ist dem Biberister Archivar der katholischen Kirchgemeinde, Viktor Marty, zu verdanken. Er entdeckte die auf den ersten Blick nichtssagende, ergraute Holztruhe auf dem Estrich des Pfarrhauses. Und plötzlich hatte er eine Erleuchtung: Hatte er da nicht in einem Freiburger Museum etwas Ähnliches gesehen? Seinen Fund meldete Marty unverzüglich dem Museum Blumenstein.

«In der Schweiz existieren in den Museen in Zug und Freiburg nur gerade noch zwei weitere Ostergräber», weiss Brigitta Berndt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums Blumenstein in Solothurn. Ostergräber spielten früher eine wichtige Rolle bei den liturgischen Feiern in der Karwoche. Im Zentrum standen dabei das Leiden, der Tod und die Auferstehung Christi.

Nur die Christusfigur fehlt

Was das Ostergrab an spannenden Details versteckt hielt, war anfänglich nicht zu sehen. Brigitta Berndt hat das hölzerne Grab gereinigt, gefestigt und retuschiert. «Erstaunlich ist die Herstellung aus gewöhnlichem Tannenholz, voller Holzknorze, aber versehen mit einer super Malerei», sagt sie. Es sei selten, dass eine solche Holztruhe, die vielfach übermalt wurde, so lange überlebe.

Die Scharniere sind original, was fehlt, ist die Christusfigur, die jeweils am Karfreitag ins Grab gelegt wurde. Auf der Front sind Maria aus Magdala; Maria, die Mutter des Jakobus, sowie Salome erkennbar. In ihren Händen tragen sie Salböl für den Leichnam. Die Kopfseite zeigt einen schlafenden Wächter, den der Künstler ganz in die Ecke gedrängt hat. Auf der Gegenseite erhebt ein Wächter seinen Arm als Lichtschutz, in der einen Hand schwingt er eine Waffe. Der Deckel ist verziert mit einem Engel mit Flügeln, ein anderer hält eine Lanze mit dem Essigschwamm in den Händen. Die gemalten Szenen stimmen vom Licht und Schatten her überein. Die Rückseite des Grabs erlitt einen Wasserschaden, die Malerei ist nicht mehr auszumachen.

«Die spezielle rot-braune Farbe des Grabes nennt man ‹Corput Mortuum› oder ‹Kopf der Toten›», verrät Brigitta Berndt. Diese entstehe aus Eisenoxid-Rückständen. Die Verfärbung habe angeblich dem geronnenen Blut entsprochen. Speziell ist, dass die Restauration reversibel sein muss. «Wenn diese in 50 Jahren jemandem nicht passt, kann sie rückgängig gemacht werden», berichtet sie.

Im Museum Blumenstein zu sehen

Am kommenden Hohen Donnerstag wird das renovierte Ostergrab der Öffentlichkeit präsentiert. Restauratorin Brigitta Berndt und Erich Weber, «Blumenstein»-Konservator, zeigen in einer Bildpräsentation den Werdegang der Restauration. Aufbewahrt wird der Zeitzeuge anschliessend im Solothurner Museum Blumenstein.

Vernissage des Ostergrabes: Hoher Donnerstag, 5. April, 18.15 Uhr, in der katholischen Kirche Biberist