Seit einigen Wochen fliesst warmes Wasser durch ein 1450 Meter langes Leitungsnetz zu einem Dutzend kleinen und grossen Liegenschaften von Aarwangen und sorgt dort für Wärme. Ermöglicht wird das durch die Fernwärmeheizung der Burgergemeinde Aarwangen, welche die Anlage auch gleich selber betreibt.

«Wir haben uns bewusst dazu entschieden, den Betrieb nicht an ein Dienstleistungsunternehmen zu übertragen», begründet Hanspeter Wyss, Präsident der Burgergemeinde, den Entscheid. «Wir wissen, wie viel Holz wir zur Verfügung haben, und wir haben eigenes Personal.»      

Die Idee war schon lange da

Aus den 300 Hektaren Wald der Burgergemeinde Aarwangen fallen durchschnittlich pro Jahr rund 1300 m3 Stammholz, 350 m3 Industrieholz und 1600 m3 Energieholz an. Mit Blick auf den schwankenden Absatz im Holzmarkt habe man schon vor Jahrzehnten mit der Idee gespielt, eine Fernwärmeheizung zu realisieren.

«Aber nur dann, wenn der Ölpreis hoch war, kam die Idee gut an», sagt Wyss. Vor gut zwei Jahren nun aber machte man ernst, denn die Menge des ungenutzten Holzes war nach wie vor da und ebenso die Überzeugung, das Potenzial des eigenen Waldes müsse genutzt werden. 

Mit den Argumenten, dass mit einer Fernwärmeanlage die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze in Aarwangen bleiben, die Holzernte rationeller möglich sei und die Burgergemeinde über genügend Eigenkapital verfüge, stimmte die Burgerversammlung im Frühling 2015 einem Verpflichtungskredit von 1,3 Mio. Franken zu.

Für ein Dutzend Liegenschaftsbesitzer wurde dadurch definitiv, dass sie sich ab Oktober 2016 nicht mehr selber um den Energieeinkauf kümmern müssen. Demgegenüber standen eine einmalige Anschlusspauschale – für ein Einfamilienhaus ab 9000 Franken – sowie Kosten für allfällige Anpassungsarbeiten und Entfernen der alten Heizung. Letztlich liegt der Wärmepreis derzeit bei 12 Rappen pro Kilowatt bezogene Leistung. «Ein Preis, der im Vergleich mit anderen Verbünden im unteren Mittel liegt», versichert Hanspeter Wyss.

Einwohnergemeinde als Kundin

Entscheidend sei gewesen, berichtet Wyss weiter, dass die Einwohnergemeinde Aarwangen zu den Kunden zählt. «Und sie ermöglichte uns im Baurecht, im Untergeschoss ihres Werkhofes die Wärmezentrale einzubauen.»

Dorthin wurde gestern zur Besichtigung eingeladen. Im Zentrum des Interesses stand der 550-Kilowatt-Heizkessel (Schmid, Eschlikon TG). Für die Realisation der ganzen Anlage war die Firma Allotherm in Gwatt BE zuständig. Ausgelegt ist die Fernwärmeanlage für eine Leistung von etwa 1400 Kilowatt. «Aktuell verkaufen wir rund 230 Kilowatt, wünschenswert wären 350 bis 400», sagt Wyss.

Die Aussichten, dieses Ziel bald einmal zu erreichen, seien aber gut. Eine positive Wirkung verspreche man sich davon, wenn die Einwohnergemeinde dazu übergeht, bei Baueingaben auf das Angebot des Wärmeverbunds hinzuweisen.