Günsberg
Hofbegli-Wirte: «Wir wurden nie als Städter behandelt»

Gabi Fischer (47) und ihr Ehemann Andreas Deola (48) leben seit drei Jahren in der Bergwirtschaft. Das «Hofbergli»-Leben ist für die Wirte kein Ausstieg, sondern eine Weiterentwicklung.

Christoph Neuenschwander
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Andreas Deola und Gabi Fischer im Stall des Hofbergli.

Andreas Deola und Gabi Fischer im Stall des Hofbergli.

cnd

Der Nebel ist so dicht, dass man kaum fünf Meter weit sieht. Aus dem Nichts taucht eine Gruppe von Wanderern auf, die so plötzlich wieder verschwindet, wie sie gekommen ist. Eigentlich müsste zu dieser Jahreszeit auf dem «Hofbergli» ob Günsberg Hochbetrieb herrschen. «Unsere Hauptsaison fällt auf September und Oktober», sagt Wirtin Gabi Fischer. «Im Sommer, wenn es richtig heiss ist, gehen die Leute eher in die Badi. Aber im Herbst, wenn es unten neblig und oben schön ist, kommen alle hoch.» Normalerweise. Doch der diesjährige Herbst passt gut zum Rest der Saison: «Heuer ist ein schwieriges Jahr für die Beiz», erzählt Fischer. «Es gab nicht viele schöne Sonntage, es hat oft geregnet oder war windig und kühl. Das merkt man natürlich hier oben.» Nur vergangenen Sonntag sei es «brätschvoll» gewesen.

Vom Trendlokal zum Bauernhof

Der Hof fühlt sich abgeschieden an, besonders jetzt im Nebel. Dabei ist er nur 45 Gehminuten vom Balmberg entfernt und von Farnern aus per Auto erreichbar. Das Paar kam im Dezember 2009 hoch und hat im Winter renoviert. Aus der dunklen Gaststube wurde ein freundlicher Raum. Und aus dem alten Bauernhaus ein Zuhause, das die beiden bis zu ihrer Pensionierung nicht mehr verlassen möchten.

«Die Lage gefällt uns», sagt Fischer begeistert. «Ausserdem ist die Kombination, im Restaurant und draussen auf dem Hof arbeiten zu können, einfach super.» Neuland war für das Paar – im Gegensatz zu den wohl meisten Bauernhofbeizern – nicht etwa die Gastronomie, sondern die Landwirtschaft. Zumindest das selbstständige Bauern. Denn die beiden Schaffhauser hatten zuvor acht Jahre lang im Café Kairo in Bern gearbeitet. Der gelernte Chemielaborant Deola war zudem Zeichnungslehrer. Den Sommer verbrachten die zwei Städter jeweils auf einer Alp. Aussergewöhnlich erscheint auch Gabi Fischers Lebenslauf: Sie hat die Schauspielschule absolviert und schrieb lange Zeit für die «Schaffhauser Arbeiterzeitung», bevor sie im Berner Stadtrat als Protokollführerin tätig war.

Weder barfuss, noch ungewaschen

Als «Aussteiger» werden Andreas Deola und Gabi Fischer aber nicht gerne bezeichnet. «Wir sind ja hier nicht weit ab von der Zivilisation», sagt Deola. «Aussteiger gehen in irgendeinen ‹Chrachen› im Tessin.» Und es sei ja auch nicht so, dass sie hier den ganzen Tag lang barfuss rumlaufen, sich nicht duschen und im Schneidersitz Querflöte spielen würden. Seine Frau lacht und ergänzt: «Es war für uns ein konsequenter Schritt in die Selbstständigkeit. Eine Weiterentwicklung. Und wenn man diesen Schritt einmal gemacht hat, ist es schwierig, wieder zurückzugehen.» Sie gibt aber zu, dass sie am Anfang wohl etwas seltsam gewirkt hatten, weil sie als Stadtberner kein Auto besassen. «Da dachten die Leute schon: Was sind denn das für welche?»

«Wir kamen zwischendurch schon etwas an den Anschlag, weil viel Arbeit und viel Neues auf uns zu kamen», erzählt Gabi Fischer. Zwar kannten sie die Landwirtschaft von früher ein wenig, eine grosse Umstellung sei es trotzdem gewesen. Denn ganzjährig einen Bauern- und Gastronomiebetrieb zu führen, verlange einiges an Organisationsgeschick und bringe viel Verantwortung mit sich.

Nachbarn und andere Helfer

Die beiden haben ganzjährig Vieh zur Aufzucht auf ihrem Hof. Im Sommer kommen zusätzlich Sömmerungstiere hoch. Im Winter müsse man sich dafür um den Stall kümmern: misten und füttern. Vieles wird auf dem «Hofbergli» noch von Hand gemacht.

Sowohl um die Landwirtschaft als auch ums Restaurant kümmern sich die Schaffhauser gemeinsam. Er kocht, sie macht den Service und das Büro. Auf dem Hof schaut Gabi Fischer vor allem zu den Tieren, während Andreas Deola zum Mähen auf der Weide ist oder im Winter den Schnee räumt. Die Bauern von der Hinteren Schmiedenmatt – reicher an Erfahrung und schweren Maschinen – greifen ihnen aber gerne einmal unter die Arme. «Wir hatten von Anfang an ein gutes Verhältnis zu ihnen», sagt Deola. «Sie haben uns nie als Städter behandelt.»

Hilfe haben sie auch von einem Zivildienstler gekriegt, der drei Monate lang bei der Weidepflege geholfen hat. Zudem hat heuer eine Praktikantin – eine Abiturientin aus Deutschland – im «Hofbergli» gearbeitet.

Vorbereiten auf den Winter

Im November bleibt die Beiz geschlossen. Letztes Jahr waren Fischer und Deola während dieser Zeit mit ihrer Akustikband Alfiresli auf Tour. Heuer steht ihnen der Sinn nach Ferien – und einigen Vorbereitungsarbeiten für den Winter. Die Ställe, im Sommer kaum benutzt, müssen auf Vordermann gebracht werden, die Zäune für den Auslauf aufgestellt und der Traktor fürs Schneeräumen präpariert. Letztes Jahr war es zudem so kalt, dass das Wirtepaar Teppiche im Stall aufhängen musste, damit kein Durchzug entstand. Die Teppiche haben sie auch für heuer wieder vorbereitet.

Und wenn alles getan ist und der Winter schneereich wird, kann es durchaus etwas einsam werden auf dem «Hofbergli». Aber auch dann kämen ab und zu Schneeschuhwanderer oder andere Unentwegte vorbei, so Fischer, um eine hausgemachte Suppe oder die Spezialität «Heisse Chäsbergli» zu essen.

Infos unter www.hofbergli.ch

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