Biberist
Hinter den Gleisen am Biberister Bahnhof werden die Weichen neu gestellt

Martin Blaser (FDP) und Hans Marti (SVP) kämpfen in Biberist ums Gemeindepräsidium. Das bedeutet auch ein Kampf darum, wie sich die Gemeinde entwickelt.

Christof Ramser
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Hans Marti (l.) und Martin Blaser streiten über die Zukunft des Schwerzimooses (im Hintergrund).

Hans Marti (l.) und Martin Blaser streiten über die Zukunft des Schwerzimooses (im Hintergrund).

Hanspeter Bärtschi

Es sind zwei Weltanschauungen, die da auf Gleis 2 beim RBS-Bahnhof aufeinandertreffen: Hier Martin Blaser, freisinniger Präsident «im Dienst der Gemeinde», der den Blick auch mal über die kommunalen Grenzen hinausschweifen lässt. Er sagt: «Die Region Solothurn muss ausstrahlen.» Gegenüber einer Fusion ist er aufgeschlossen.

Auf der anderen Seite Hans Marti, konservativer Herausforderer, der die Selbstständigkeit der Gemeinde bewahren will. Er sagt: «Die Grösse von Biberist rechtfertigt die Selbstständigkeit.» Biberist müsse vor allem für sich selbst schauen. Blaser und Marti wollen der Gemeinde in den nächsten vier Jahren ihren Stempel aufdrücken. Sie kämpfen am 9. Juni um das oberste politische Amt.

Die unterschiedlichen Haltungen, wie sich Biberist entwickeln soll, spiegeln sich exemplarisch in der geplanten Überbauung eines 20 Hektaren grossen Stücks Landwirtschaftsland wider. Das zeigt sich bei einem Treffen am RBS-Bahnhof. Auf dem Schwerzimoos, idyllisch gelegen am Hang zwischen RBS-Bahnhof und Oberwald, soll ein neues Quartier entstehen. Die Testplanung ist abgeschlossen, nächstes Jahr ist die Ortsplanungsrevision spruchreif. Bis zu 900 Personen könnten einst hier wohnen.

Dass die Grünfläche überbaut wird, daran hat der Kanton Solothurn grosses Interesse. In der Agglomeration wachsen, im ländlichen Raum natürlich bleiben, so lautet die raumplanerische Strategie.

Mit Schwerzimoos, Fällimoos und Schöngrün, die im Agglomerationsprogramm als Wohnschwerpunkte definiert sind, soll der Zersiedlung entgegengewirkt werden. Dies sei ganz im Sinne des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes, das am 3. März angenommen wurde, sagt Blaser. «Wenn der Wohnraum in der Agglomeration statt im oberen Bucheggberg oder im äusseren Wasseramt wächst, ist das im Sinne aller.» Damit könne Kulturland eher geschützt werden. Das setze aber voraus, dass kleine, ländliche Gemeinden für ihren Wachstumsverzicht entschädigt würden.

Dass die Zersiedelung gestoppt wird, ist auch im Interesse von Hans Marti. Für ihn beginnt das Problem aber bereits innerhalb der Dorfgrenzen. Das Schwerzimoos sei die grösste zusammenhängende Landwirtschaftsfläche in Biberist. «Die müssen wir schützen.» Eine Überbauung komme nicht infrage, bevor nicht die restlichen Flächen im Dorf überbaut sind. «Es ist schade, wenn so ein schönes Gebiet zubetoniert wird. Das kann nie wieder urbar gemacht werden.»

Nun hatte die Gemeindeversammlung 2010 das räumliche Leitbild genehmigt und die Entwicklung im Schwerzimoos eingeleitet. Massvolles Wachstum ist gewünscht. Für Martin Blaser ein richtiger Schritt. Das Gebiet würde in Etappen und über Jahrzehnte vom neu entstehenden Bahnhofplatz Richtung Osten wachsen. Dass nicht alle drei Grundbesitzer ihr Land verkaufen wollen, sei zumindest in der Anfangsphase kein Hindernis. Dank Auflagen könne ein verkehrsarmes Quartier entwickelt werden, das energietechnisch auf dem neuesten Stand sein soll. Die Nähe zu Bahnhof und Busstation sei attraktiv für Zuzüger, was einen positiven Einfluss auf den Steuerfuss haben soll.

Marti widerspricht: «Ich glaube nicht, dass gute Steuerzahler nur mit dem öV kommen.» Mehrverkehr durch die Quartiere sei die logische Konsequenz. Für Blaser wiederum steht fest, dass moderne, junge Familien durchaus auf den öV setzten. «Das müssen wir fördern.»

Dass Biberist wachsen soll und Bauland eingezont wird, darin sind sie sich einig. Auch dass Kulturland geschützt werden soll, ist unbestritten. Marti jedoch will damit innerhalb der Dorfgrenzen beginnen («das Schwerzimoos ist auch Landwirtschaftsland»). Für Blaser dagegen stellt das Wachstum in der Agglomeration eine natürliche Entwicklung dar («wir machen das auch im Interesse der Region»). Die sukzessive Überbauung des Schwerzimooses sei eine natürliche Weiterentwicklung des Siedlungsgebietes.

Wer auch immer am 9. Juni die Nase vorn hat: Die Wahl wird auch ein Ausdruck dafür sein, in welche Richtung sich Biberist entwickeln soll.