Feldbrunnen
Hingerichtet und unehrenhaft vergraben

Mindestens drei Skelette sind auf einer Baustelle in Feldbrunnen entdeckt worden. Fest steht, dass die Leichen zwar nicht in jüngerer Zeit, aber doch nach dem Mittelalter dort vergraben wurden – oder besser: verscharrt. Dafür gibts starke Anzeichen.

Andreas Kaufmann
Merken
Drucken
Teilen
 Mindestens drei Skelette konnten an der Fundstelle bereits ausgemacht werden.
10 Bilder
 Die Knochen der einzelnen Verstorbenen liegen übereinander.
Historische Skelette in Feldbrunnen entdeckt
 Die Knochen ragten aus der Profilwand des Aushubs heraus.
 Zeichner und Ausgräuber Joseph Schelbert zeigt Ylva Backmann, wissenschaftliche Assistentin der Kantonsarchäologie, die angefertigte Zeichnung der Fundstätte
 Joseph Schelberts angefertigte Zeichnung der Fundstätte
 Mindestens an der Schädeln hängen noch einige Halswirbel – dann folgt ein sauberer Schnitt.
 Die Schlussfolgerungen der Kantonsarchäologie sind naheliegend...
 Hier liegen zum Tod durch Köpfen Verurteilte.
 Nach den archäologischen Arbeiten vor Ort (im Bild) werden die sterbliche Überreste dem Kantonsarzt und Rechtsmediziner Christian Lanz sowie einem Anthropologen zur weiteren Untersuchung ausgehändigt.

Mindestens drei Skelette konnten an der Fundstelle bereits ausgemacht werden.

Andreas Kaufmann

Ihr Tod dürfte ziemlich unehrenhaft gewesen sein, wofür es gleich mehrere Anzeichen gibt. «Sie wurden nicht in einem Grab bestattet, sondern eher in einer kleinen Grube verscharrt», so die Feststellung Ylva Backmanns, wissenschaftliche Assistentin der Kantonsarchäologie. Die Rede ist von mindestens drei Skeletten, die am Mittwoch am Rande einer Baustelle in Feldbrunnen freigelegt wurden.

Doch es gibt ein noch viel stärkeres Indiz, dass es sich um unerwünschte Zeitgenossen gehandelt haben dürfte. Die ersten beiden Skelette hatten den Kopf nicht mehr auf den Schultern. Beim ersten wurde der Schädel zwischen den Knien gefunden. «Ein glatter Schnitt nach wenigen Zentimetern Halswirbeln deutet auf eine Enthauptung hin», erklärt Backmann. Ein Blick auf die Fundstelle zeigt: die Hingerichteten wurden geradezu übereinandergestapelt.

Kleiderknöpfe und Kupfermünze

Dennoch geht Ylva Backmann nicht davon aus, dass alle zur gleichen Zeit hingerichtet und vergraben wurden. «Es hat noch Erdschichten zwischen den einzelnen Skeletten.» Interessant ist auch, dass ungelöschter Kalk beigegeben wurde. Dieser schwächte den Verwesungsgeruch ab und beschleunigte die Zersetzung. Ebenfalls zum Vorschein kamen Keramikscherben, die aber eher als damaliger Abfall einzustufen sind. Ebenso stiess die Ausgrabungsequipe auf mehrere Kleidungsknöpfe sowie eine Kupfermünze.

Nicht zuletzt diese Objekte dürften auch bei der Datierung der Skelette hilfreich sein. Zum aktuellen Zeitpunkt schätzt Ylva Backmann, dass die Hinrichtung resp. Bestattung im 18. oder 19. Jahrhundert stattgefunden haben könnte: «Sicher aber hat sich die Hinrichtung bereits in der Neuzeit ereignet, und nicht im Mittelalter.» In unmittelbarer Umgebung der Fundstelle wurde ebenfalls Mauerwerk freigelegt, das aus einer nachmittelalterlichen Zeit stammt. Ein direkter Zusammenhang der Mauerstrukturen mit der «Hingerichteten-Grube» lässt sich zurzeit nicht erhärten. Ebenso wenig deutet auf einen Zusammenhang mit dem historischen Galgen beim «Siechenbach» hin, der viel früher stand.

Aus der Profilwand herausgeragt

Entdeckt worden waren die menschlichen Überreste vergangene Woche. So dürften die Bauarbeiter nicht schlecht gestaunt haben, als aus der Profilwand der Baugrube Knochen herausragten. Die Baufirma zögerte nicht und informierte die Kantonsarchäologie, um die Fundstelle in Augenschein zu nehmen. Mithilfe des Kantonsarztes und Rechtsmediziners Christian Lanz bestätigte sich bald, dass es sich um menschliche Knochen handelt. Lanz wird nach Abschluss der Grabungsarbeiten zusammen mit einem Anthropologen die Knochen genauer in Augenschein nehmen.