Hochwasserschutz
Hinab mit euch, ihr Neophyten!

Als grosse Wunden im Uferbereich präsentieren sich derzeit die ersten Baustellen für den Hochwasserschutz unterhalb des Stauwehrs Winznau. Heikel ist dabei der Umgang mit den üppig wuchernden Neophyten.

Christian von Arx
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An der Aare bei Winznau: Das mit Neophyten belastete Aushubmaterial wird unter Wasser versenkt und sofort zugedeckt, danach mindestens 5 Meter hoch mit sauberem Erdmaterial überdeckt.

An der Aare bei Winznau: Das mit Neophyten belastete Aushubmaterial wird unter Wasser versenkt und sofort zugedeckt, danach mindestens 5 Meter hoch mit sauberem Erdmaterial überdeckt.

Bruno Kissling

Auen an der Aare sind ein Paradies für eingeschleppte Pflanzenarten. Einmal eingenistet, machen sich die invasiven Neophyten fast explosionsartig breit und drängen die auf solche Konkurrenz unvorbereiteten «alteingesessenen» Arten zurück. Spaziergängern im Aareraum fallen immer häufiger dichte Felder von gelben Kanadischen Goldruten, rosafarbenem Drüsigem Springkraut oder dem hoch ins Kraut schiessenden Japanknöterich auf.

Nun greift der Hochwasserschutz in die Flora an der Aare zwischen Olten und Aarau ein. Abschnittweise werden bis ins Jahr 2018 die benötigten ufernahen Areale buchstäblich umgepflügt, grosse Baumaschinen erstellen Dämme oder neue Seitengerinne für den Fluss. Seit Mitte August ist die Arbeit unterhalb des Wehrs Winznau im Gang.

Beim kantonalen Amt für Umwelt (AfU) wacht Gabriel Zenklusen, Leiter der Abteilung Wasserbau, darüber, dass die Neophyten fachgerecht entsorgt werden. Besonders kritisch ist der Japanknöterich, der sich nicht über Samen vermehrt, sondern auf vegetativem Weg über Wurzelgeflechte (Rhizome) und Knospen an den Stängelknoten. Schon 1,5 cm lange Wurzelstücke treiben wieder aus, ist einem Merkblatt des AfU zu entnehmen. Beim Umschichten von Erdmassen muss das vom Knöterich bewachsene Material vollständig entsorgt werden, was äusserst aufwendig und teuer ist. «Ursprünglich war vorgesehen, dieses Material in Kiesgruben einzulagern», berichtet Zenklusen. Das hätte jedoch Lastwagentransporte zur Folge und würde Deponiegebühren kosten.

Das Entsorgungskonzept für das Hochwasserschutzprojekt Aare sieht deshalb vor, den Knöterich-Aushub unter Beachtung spezieller Vorsichtsmassnahmen vor Ort wieder einzubauen. «In allen Fällen ist der Aushub mit mindestens 5 Metern sauberem Material zu überdecken», lautet der zentrale Grundsatz, der auch bei der Ablagerung in einer Kiesgrube gilt. Die 5 Meter hohe Überdeckung aus Sand und Kies bildet dann die flache Böschung der neuen Seitengerinne. Vor der Überdeckung wird der belastete Aushub in eine 1 bis 3 Meter tiefe Rinne unter Wasser eingebaut, was die Pflanze zusätzlich am Keimen hindern soll.

Auf diese Weise können die Kosten für die Knöterich-Entsorgung im Rahmen des Hochwasserschutzprojekts nach Auskunft von Gabriel Zenklusen von 300 000 auf 100 000 Franken gesenkt werden. Die Entsorgungsmethode «Knöterich auf Bauland» entspreche dem heutigen Stand der Technik und sei im Kanton Zürich bereits erprobt worden, erklärt der Leiter des Aareprojekts.

Die Einhaltung der Vorschriften bei dieser Entsorgung wird von einer externen Umweltbaubegleitung durch das Büro ANL (Aarau) überwacht. Die Standorte, wo der Knöterich-Aushub lagert, werden vermessen und dokumentiert. Es werde eine Erfolgskontrolle geben, verspricht der Abteilungsleiter im AfU.

«Beim bereits realisierten Hochwasserschutz an der Emme haben wir die Neophyten erfolgreich zurückdrängen können», berichtet Zenklusen. Dennoch ist klar, dass eine vollständige Ausrottung des Japanknöterichs und der übrigen Neophyten auch in den Hochwasserschutzgebieten an der Aare zwischen Olten und Aarau eine Illusion wäre. Während der Unterhalt der Hochwasserdämme Sache des Kantons bleiben wird, gehören die Überwachung und Bekämpfung der Neophyten nach Abschluss des ganzen Projekts in etwa vier Jahren in die Zuständigkeit der Aare-Anliegergemeinden im Niederamt.

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