Die Solothurner Kantonsarchäologie legt zurzeit in Büsserach Teile einer Gewerbesiedlung aus dem Früh- und Hochmittelalter an der Breitenbachstrasse frei. Bereits vor rund acht Jahren wurden in diesem Gebiet Notgrabungen vorgenommen, die zeigten, dass Büsserach im Frühmittelalter ein Zentrum der Eisenverarbeitung gewesen sein muss. Schon bei diesen Grabungen fand man Reste von Rennöfen und grosse Schlackenmengen. So war man also «gewarnt», in diesem Ortsteil noch weitere Erkenntnisse über das Leben unserer Vorfahren vorzufinden. Vor allem dann, wenn es im Bereich wieder zu neuen Bauvorhaben kommen sollte.

Und so kam es. «Der Liegenschaftsbesitzer will im Sommer auf dieser Parzelle weitere Mehrfamilienhäuser realisieren und hat uns darauf hingewiesen», berichtet Kantonsarchäologe Pierre Harb. So habe man vor ein paar Monaten begonnen, die betreffende Parzelle systematisch archäologisch zu untersuchen, und sei auch fündig geworden.

Ab dem 6. Jahrhundert bewohnt

Zum Vorschein kamen Überreste der Eisenverarbeitung, Spuren sogenannter Grubenhäuser, also von hölzernen Wohnbauten sowie Feuerstellen. Dass hier Eisen hergestellt wurde, beweisen die vielen gefundenen Abfälle von Schlacken, die bei dieser Arbeit anfallen. Daneben fand man Zeichen ehemaliger Grubenhäuser, welche hauptsächlich als Werkstätten oder als Vorratskeller dienten. «Man kann hier von einer grösseren Siedlung sprechen, in der neben der Eisengewinnung weiteres unterschiedliches Gewerbe betrieben wurde», sagt Grabungsleiter Fabio Tortoli. «Was wir aber nicht wissen, ist, ob es hier auch eine Produktionsstätte von Eisenwaren gegeben hat.» Man habe bisher keine grösseren Mengen von produzierten Eisenteilen gefunden.

Sicher sei aber, dass das Gebiet zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert stets bewohnt war. Die Eisenverarbeitung in der Region sei logisch erklärbar, so Fabio Tortoli weiter, denn in der näheren Umgebung von Büsserach gibt es mehrere Bohnerz-Vorkommen, die den für das Eisengewerbe benötigten Rohstoff lieferten. Auch reichlich Wasser für das Auswaschen der Bohnerzknollen und Holz für den Betrieb der Öfen waren am Standort vorhanden.

Nach dem Abtragen der Humusschicht legte das sechsköpfige Archäologenteam im natürlichen Kies und Lehm ebenerdige und in den Boden abgetiefte Strukturen frei, die nun sorgfältig dokumentiert werden.

Schon einmal «verschwunden»

Am Sonntagnachmittag war ein stetiges Kommen und Gehen von interessiertem Publikum auf dem Gelände. Trotz des garstigen Wetters hatte das Archäologenteam viel zu tun. Es galt, die Besucher an verschiedenen Posten über die Grabung und deren Funde sowie über die geschichtlichen Zusammenhänge des frühmittelalterlichen Arbeitens und Lebens in Büsserach zu informieren und schliesslich auch viele Fragen zu beantworten. Sicher sei, dass das dörfliche Leben rund um die Kirche, die oberhalb dieser jetzigen Ausgrabung liegt, zur gleichen Zeit stattgefunden habe. Schliesslich wurden 1951 bei Ausgrabungen auf dem Kirchenareal Steinkistengräber aus dem 7./8. Jahrhundert gefunden. Man habe wahrscheinlich ein Gewerbe wie die Eisenverarbeitung ausserhalb des dichter besiedelten Raumes angelegt, erklärte Tortoli.

«Wir haben sicher noch bis Ende Mai Zeit, die Grabungen abzuschliessen und alles zu dokumentieren», berichtet Kantonsarchäologe Pierre Harb noch. Danach werde das Areal den Baufachleuten übergeben. Ob es ihn nicht auch schmerze, wenn ein solcher Grabungsort mit einem Neubau verschwinde? «Ja, irgendwie schon», bestätigt Harb etwas nachdenklich, «doch verschwunden ist diese Anlage ja schon lange.»