Zuckerrüben
Hier rollt der Zucker für unseren Kaffee über die Schienen

SBB und Bauern verladen den Rohstoff für unsere 230 000 Tonnen Zuckerbedarf. Seit September ernten die Bauern der Region ihre Rüben. Sie haben bis um 17 Uhr Zeit, die Waggons zu beladen. Punkt 18.51 Uhr fährt der Zug ab.

Michael Hugentobler
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Zuckerrübenverlad in Oensingen
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Zuckerrübenverlad in Oensingen
Zuckerrübenverlad in Oensingen
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Zuckerrübenverlad in Oensingen

Zuckerrübenverlad in Oensingen

Felix Gerber

Im Büro von Peter Fischer klingelt pausenlos das Telefon. Der Leiter des Team Gäu bei SBB Cargo AG koordiniert die Güterzüge von Oberbipp bis Däniken. Wagen voller Papier, Holz oder Stahl rattern hier täglich vorbei, von Firmen wie Migros, Coop oder Kimberly Clark. Heute kommt noch eine Ware dazu: Zuckerrüben. Seit September ernten die Bauern der Region ihre Rüben. Fischer stellt die Waggons bereit, damit die Rüben nach Frauenfeld in die Zuckerfabrik kommen.

Zuckerrübenzeit bis Dezember

Um zu erklären wie viel von Oensingen aus abtransportiert wird, druckt Fischer eine Liste aus. Darauf ist die Ladung vom letzten Samstag zu sehen. 23 Wagen waren es, jeder mit 50 Tonnen Rüben beladen. 322 Meter lang war der Zug, und er wog 1610 Tonnen. Heute werden es rund 20 Wagen sein, die in die Ostschweiz rollen. Mitte Dezember wird die letzte Ladung unterwegs sein. Damit die Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld AG (ZAF) den Bedarf von 230 000 Tonnen Zucker decken können, die von den Schweizern jährlich benötigt werden.

Fahrplan gilt auch für Güterzüge

Die Bauern haben bis um 17 Uhr Zeit, die Waggons zu beladen. Dann kommen Fischer und sein Team zum Zug. Sie haben bis um 18.51 Uhr Zeit, die Wagen zu kontrollieren. «Wir wollen nicht, dass uns Rüben aus dem fahrenden Zug fallen», sagt Fischer. Deshalb dürfen die Wagen nur bis einige Zentimeter unter den Containerrand gefüllt werden. Sind die Rüben kontrolliert, kommen die Bremsen der Wagen daran. «Vor jeder Abfahrt werden sie kontrolliert.»

Sind die Bauern mit dem Verladen bis 18.51 Uhr nicht fertig, fährt der Zug trotzdem ab. «Wir müssen uns ebenso an die Abfahrtszeiten halten wie die Personenzüge», sagt Fischer. Wird also bei schlechtem Wetter das Verladen verzögert, kommen weniger Rüben in Frauenfeld an.

Die Rübe ist gut für den Boden

Rund 240 Bauern im Kanton Solothurn bauen Zuckerrüben an. Damit befindet sich Solothurn im schweizweiten Durchschnitt. Überdurchschnittlich vertreten sind die Regionen Seeland und Thurgau, wo die Zuckerfabriken stehen.
Gegenüber von Fischers Büro fahren jetzt die Bauern mit ihren Traktoren und Anhängern auf eine bewegliche Rampe. Die Rampe kippt den Anhänger hoch und ziegelsteingrosse Rüben kullern auf ein Förderband. Das Förderband holpert und rattert und es riecht nach frischer Erde. Die Rüben werden hochtransportiert und dann in den Güterwagen gekippt.

Für die Bauern ist die Zuckerrübe ein wichtiger Bestandteil der Fruchtfolge: «Die Rübe ist gut für den Boden und sorgt für einen Ausgleich», sagt Samuel Keiser vom Schweizerischen Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ).

Aber sie verlange auch volle Aufmerksamkeit vom Bauern. «Die Zuckerrübe ist eine heikle Kultur.» Es sei eine arbeitsintensive Pflanze von der Saat bis zur Unkrautbekämpfung und zudem würden spezielle Maschinen für die Ernte benötigt. «Aber die Rübe ist bei den Bauern auch gefragt, da sie innerhalb der Schweiz weiterverarbeitet wird.»