Derendingen
Hier entsteht kein Spielplatz für übermütige Hobby-Rennfahrer

Im Juni werden auf dem Gelände des TCS-Verkehrssicherheitszentrums in Derendingen die ersten Runden gedreht. Derzeit machen sich noch die Bagger an der Erde zu schaffen.

Christof Ramser
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Zentrumsleiter Clemens Stalder auf der Baustelle in Derendingen
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Baustellenbesichtigung TCS-Center Derendingen
Baustellenbesichtigung TCS-Center Derendingen
Baustellenbesichtigung TCS-Center Derendingen
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Baustellenbesichtigung TCS-Center Derendingen
Baustellenbesichtigung TCS-Center Derendingen
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Baustellenbesichtigung TCS-Center Derendingen
Baustellenbesichtigung TCS-Center Derendingen
Baustellenbesichtigung TCS-Center Derendingen
Baustellenbesichtigung TCS-Center Derendingen
 Kreisbahn, Gleitstreifen, Kuppe mit Steigung und Gefälle: So sieht die Anlage aus der Vogelperspektive aus.

Zentrumsleiter Clemens Stalder auf der Baustelle in Derendingen

Christof Ramser

Das Gelände entlang der Autobahn bei Derendingen wird umgepflügt. Bagger schütten das Fundament für einen Kontrollturm auf, gleich daneben wird das Terrain für eine Schleuderpiste geebnet. Die Bauarbeiten für das neue Verkehrssicherheitszentrum des Touring Clubs Schweiz (TCS) laufen auf Hochtouren. Bereits im April öffnet das Büro im Verwaltungsgebäude, das vollständig aus Holz gebaut wird, am 25. und 26. Mail soll dann die gesamte Anlage in Betrieb gehen.

Es ist das sechste Zentrum, das «Test & Training», eine Tochtergesellschaft des TCS, in der Schweiz betreibt. «Mit dem Zentrum in Derendingen wollen wir die Nachfrage im Mittelland abdecken», sagt Zentrumsleiter Clemens Stalder. Auf dem rund 25000 Quadratmeter grossen Areal sollen Neulenker, aber auch künftige Bus- und Lastwagenchauffeure erfahren können, wie man sich im Individualverkehr sicher verhält. Auch Feuerwehrleute, Polizisten und Militärs, die ihre Fahrzeuge in brenzligen Situationen beherrschen müssen, finden in Derendingen Trainingsmöglichkeiten. Genauso wie Töff- und Autofahrer, die ihre Kenntnisse hinter dem Steuer auffrischen wollen.

Auf einer kreisförmigen Bahn mit Gleitbelag und Geschwindigkeitsmessanlage wird das Kurvenverhalten geprüft, auf einer Schleuderpiste mit Wasserhindernissen die Bremsfähigkeit getestet. «Wir wollen aufzeigen, dass es in schleudernden Fahrzeugen durchaus sinnvoll sein kann, zu bremsen», sagt Stalder. Die Devise, in solchen Situationen bloss nicht auf die Bremse zu stehen, sei unter den Autofahrern noch immer weit verbreitet.

Zwei verschiedene Geschäftsfelder

Stalder betont, dass die Anlage kein Spielplatz sei. «Hier kann man kein Ticket am Automaten lösen und dann auf den Pisten herumfahren.» Vielmehr wolle man mit der Anlage, die rund 11 Millionen Franken kostet, zur Sicherheit auf den Strassen beitragen. Rund 800 Kurse für 8000 Lenker sollen jährlich durchgeführt werden. Die Fahrkurse machen rund 50 Prozent des Geschäftes aus.

Der zweite Bereich sind Anlässe für externe Firmen – zum Beispiel, wenn Autohersteller ein neues Modell präsentieren möchte. «Wir wurden bereits von diversen grossen Automarken gebucht», sagt Stalder. Auch für andere Zwecke, etwa für Seminare, könne das Areal vermietet werden. Neben dem Zentrumsleiter sind in Derendingen 2 Instruktoren, 5 Administratoren und 2 technische Mitarbeiter angestellt. Dazu kommen 20 bis 25 Freelancer. Der Betrieb läuft während sieben Tage in der Woche.

Autobahn ist lauter

Quietschende Pneus, brummende Lastwagen: Das weckt bei Anwohnern die Furcht vor Lärm und Abgasen. Clemens Stalder relativiert. Man habe Lärmmessungen durchgeführt, die aber aufgrund der nahen Autobahnemissionen wieder abgebrochen werden mussten. «Die Autobahn ist also sicher lauter als der Betrieb bei uns», sagt er. Das sagt auch Gemeindepräsident Kuno Tschumi (FDP). Er begrüsst das Angebot und den «Beitrag zur Verkehrssicherheit, der künftig in Derendingen geleistet wird.»

Ob sich auch die Brummi-Fahrer des Logistikzentrums von Kühne + Nagel, das ganz in der Nähe geplant wird, im Verkehrssicherheitszentrum weiterbilden, bleibt derweil offen. Das Baugesuch ist noch immer hängig.