Designer's Saturday
Hier entsteht Design – ohne Cüpli und Marketing-Glamour

Worauf andere Ausstellungsmacher erst in den letzen Jahren gekommen sind, ist seit mehr als dreissig Jahren Programm beim Designers’ Saturday in Langenthal.

Alois Winiger
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Stühle lassen sich in ein «Ritiseili» verwandeln – das beweist hier die Firma Dietiker.
12 Bilder
Weltenbaum Yggdrasil (bei Hector Egger Holzbau), verbindet Himmel, Mittel- und Unterwelt.
Der Zugang in die Räume von Glas Trösch führt über bewegliche, farbige Punkte.
Rund dominiert bei «Corona Light» von Brunner.
Dem Baum nachempfunden: Garderoben von Klybeck.
Eva Mechler schafft – unter anderem – Badewannen aus Holz.
So präsentiert die Ecole cantonale d’art Lausanne eine Textilpalette.
Ein Rollator, der gefällt; zu sehen in der Ausstellung der Ageing Society 2.0.
Die Stuhlfabrik Horgenglarus lässt aus Stuhlbestandteilen Viechereien entstehen.
Teppiche sind zwar vorab für den Boden gedacht – aber nicht nur, findet die Ruckstuhl AG. Wie hier zu sehen ist, eignen sich die verschiedenen Teppiche ganz gut dazu, sie in Kostüme zu verwandeln.
Designer's Saturday
«Feuerring»-Grill: Das Grillgut wird auf der heissen Fläche neben dem Feuer gebraten.

Stühle lassen sich in ein «Ritiseili» verwandeln – das beweist hier die Firma Dietiker.

Alois Winiger

Er findet nun schon zum 16. Mal statt, der Designers’ Saturday in Langenthal, und man hatte sich bei den vorangehenden Auflagen immer wieder gefragt: Woher nehmen die Designer so viele Ideen für neue Produkte? Wovon lassen sie sich leiten, um die Produkte dann so aufwendig in Szene zu setzen? Und wie gross muss das Engagement der Firmen und deren Mitarbeiter sein, damit sie die Fabrikhallen samt Keller frei räumen und reinigen, damit sich die Aussteller darin ausbreiten können? Und trotzdem soll sich das Publikum zurechtfinden und noch etwas von der Arbeitsatmosphäre spüren können.

Bei jeder Auflage gab man sich auf alle Fragen dieselbe Antwort: Die geben halt ganz einfach alles. Diese Art von «Ausstellung am Werkplatz» – ohne Cüpli und Marketing-Glamour – hat von Anfang an vor über 30 Jahren guten Anklang gefunden. Es verwundert nicht, dass andere Ausstellungsmacher dem Beispiel gefolgt sind.

Noch heute Sonntag

Natürlich präsentieren sich diejenigen tragenden Firmen, in denen der Designers’ Saturday stattfindet, auch selber. Es sind wiederum Création Baumann, Girsberger Sitzmöbel, Glas Trösch, Hector Egger Holzbau und Ruckstuhl. Mit dabei ist ferner der City Center im Mühlehof, die Heimat von Design Preis Schweiz. Insgesamt 80 Aussteller sind im Programmheft aufgeführt. Darunter sind nicht nur Firmen, sondern auch Schulen, mit dabei die Fachhochschule Nordwestschweiz (Gestaltung und Kunst, Institut Industrial Design) sowie die Berner Fachhochschule – Architektur, Holz und Bau. Im weitesten Sinne dreht sich alles rund um das Wohnen.

Noch heute Sonntag von 10 bis 18 Uhr dauert der Anlass (Eintritt 30 Franken). Die Parkiermöglichkeiten bei den Firmen ist beschränkt, die Benützung des Gratis-Shuttlebusses ab mehreren Stationen ist sehr zu empfehlen.

Der Kopf kann brummen

Zugegeben, wer alle Stationen besucht und sich nur einigermassen über das Gebotene informiert hat, dem kann der Kopf brummen. Lohnen tut es sich aber trotzdem. Denn wo sonst bekommt man dermassen geballte Ladung von Designprodukten in Spitzenqualität zu sehen? Darin liegt denn auch die Grundidee des Designers’ Saturday: «Seit bald 30 Jahren zeigen wir Ihnen die Schmieden, wo Design wirklich entsteht», schreiben die Organisatoren im Programmheft. «In Langenthal, fernab von Glamour und Marketingkampagnen, werden auf engstem geografischem Raum in unseren Werkhallen einmalige und weltweit bekannte Produkte hergestellt.»

Und weiter: «In einer Zeit, die von Überfluss und Vergänglichkeit geprägt ist, wollen wir bewusst einen Kontrapunkt setzen mit einer gut austarierten und hervorragend inszenierten Selektion von einzigartigen Firmen. Sie alle beweisen tagtäglich, dass Inspiration, Präzision und Hartnäckigkeit der sicherste Weg zum Erfolg ist.»

Stuhl am «Ritiseili»

Faszinierend ist, wie die Aussteller Wege und Möglichkeiten finden, den vorhandenen Raum für ihre Produkte zu nutzen. Da ist zum Beispiel die Stuhlfabrik Dietiker (Stein am Rhein): Statt einfach die Stühle auf den Boden hinzustellen, sind diese an Seilen aufgehängt an den vorhandenen Stahlträgern der Decke. Und schon ist das «Ritiseili» fertig. Sehr zum Plausch von Gross und Klein.

Oder die Firma Sattler-Lighting (Göppingen D): Sie hat sich in einem düsteren Untergeschoss installiert und schafft mit ihren Pendelleuchten, auf die man sich erst noch setzen darf, eine freundliche Atmosphäre.

Andere Aussteller verblüffen dadurch, dass sie ihre Produkte nicht zum vorgesehenen Zweck einsetzen. Die Teppichfabrik Ruckstuhl (Langenthal) etwa findet, dass ihre Teppiche durchaus für die Bekleidung dienen könnten und präsentiert auf einer Bühne Figuren, kostümiert mit verschiedenen Teppichen.

«So ein Rollator ...»

Sehenswert ist die Ausstellung im City Center «Ageing Society 2.0», konzipiert von Design Preis Schweiz. Da finden sich Produkte für Menschen, denen nicht mehr alles so leicht von der Hand geht. Eine Pfeffermühle etwa, die tatsächlich gut zu bedienen ist und erst noch hübsch aussieht. Oder ein Rollator, bei dessen Anblick eine Dame meinte: «Also mit so einem würde auch mich auf der Strasse sehen lassen.»