Weissenstein erhält Gondelbahn
Heimatschutz findet Entscheid «fragwürdig»

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) erteilt die Konzession für den Bau der neuen Gondelbahn auf den Weissenstein. Die historische Sesselbahn wird abgebrochen. Der Solothurner Regierungsrat begrüsst den Entscheid, nicht so der Schweizerische Heimatschutz.

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Bald fahren Gondeln auf den Berg.

Bald fahren Gondeln auf den Berg.

Solothurner Zeitung

Die az Solothurner Zeitung hat es bereits heute verkündet, von offizieller Seite gab es aber noch keine Bestätigung (wir berichteten). Nun teilt das Bundesamt für Verkehr am Mittwochnachmittag, und damit früher als erwartet mit: Die Pläne für den Neubau der Weissenstein-Bahn als 6er-Kabinenbahn sind genehmigt. Die Konzession ist erteilt.

Gleichzeitig bewilligt das BAV den Rückbau der historischen Sesselbahn, da diese nicht auf den heutigen Sicherheitsstand gebracht werden könne. Zwar teile das BAV die Meinung der Denkmalschutzexperten, dass es sich bei der 1950 erbauten Sesselbahn um ein kulturhistorisch wertvolles Denkmal und ein «Zeitzeuge für Pionierleistungen in der Seilbahntechnik» handle.

Umfangreichstes Verfahren

Das Bundesamt kommt jedoch zum Schluss, dass es nicht möglich ist, die Anlage an die heutigen Sicherheitsanforderungen anzupassen und dabei die schützenswerte Originalsubstanz so zu erhalten. «Damit gewichtet das BAV die Interessen der Sicherheit sowie an einer leistungsfähigen, behindertengerechten und komfortablen Anlage höher als das Interesse des Denkmalschutzes», heisst es in der Mitteilung weiter.

Das Verfahren sei das umfangreichste, welches im Seilbahnbereich in den letzten Jahren behandeln musste, lässt das Bundesamt verlauten.

Seilbahn Weissenstein AG hocherfreut

Der Regierungsrat begrüsst den Entscheid des BAV. «Die Erschliessung des Weissenstein-Gebietes mit einer Seilbahn entspricht einem grossen Bedürfnis der Bevölkerung der Region», teilt er mit. Das Projekt der neuen Bahn stehe im Einklang mit der kantonalen Nutzungsplanung Weissenstein. Das Gesamtkonzept Weissenstein sieht unter anderem eine Sperrung der Weissensteinstrasse an Sonn- und Feiertagen vor.

Auch die Seilbahn Weissenstein AG und das projektleitende Ingenieurbüro Sutter sind «hocherfreut». «Das ist ein echter Meilenstein für unser Projekt», sagt Rolf Studer, Verwaltungsrats-Vizepräsident der Seilbahn Weissenstein AG. «Wir mussten viel Geduld beweisen und uns stets kompromissbereit zeigen. Doch nun liegt ein tolles, ausgewogenes und vor allem bewilligtes Projekt vor. Wir freuen uns sehr auf die Bauzeit und die Inbetriebnahme der neuen Bahn»

Kritik vom Heimatschutz

Der Schweizerische Heimatschutzes spricht in einer Stellungnahme von einem fragwürdigen» Konzessionsentscheid. «Nach Ansicht des Schweizer Heimatschutzes widerspricht die Konzession den Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz.»

Seit Jahren setze sich der Heimatschutz für den historischen Sessellift ein. «Die Anlage ist die letzte ihrer Art im Seilbahnland Schweiz und ein Denkmal von nationaler Bedeutung», wird im Schreiben betont.

Der Schweizer Heimatschutz werde den Entscheid innerhalb der Rekursfrist von 30 Tagen sehr sorgfältig prüfen. Dann werde entscheiden, ob er eine gerichtliche Überprüfung beim Bundesverwaltungsgericht verlangt.

Beschwerde noch 30 Tage möglich

Wird der Entscheid des BAV nicht angefochten, soll die Ausführung schnell vorangetrieben werden. Dazu Johannes Sutter, Projektleiter vom gleichnamigen Ingenieurbüro im Baselbiet: «Nun steht die Ampel auf hellorange, sobald sie in 30 Tagen auf grün springt, gehen wir mit Vollgas an die Ausführungsplanung und die Ausschreibungen und bestellen die neue Bahn.»

Die Bahn könnte bereits vor dem Jahresende eröffnet werden - wenn alles optimal läuft. (ldu)