Je stärker der geschützte Biber sich verbreitet, umso grösser ist das Konfliktpotenzial. Dies hat Mark Struch, Wildbiologe beim Amt für Wald, Jagd und Fischerei oft genug erfahren. «Der Biber ist keine konfliktfreie Tierart.» Das ist der Mensch auch nicht, wie ein Vandalenakt in Horriwil beweist. Dort wurde ein Biberbau, der den Brunnbach staute, einfach weggeräumt. Das Kantonale Amt für Wald, Jagd und Fischerei wird Strafanzeige einreichen. Unklar ist in welcher Form. «Wir überlegen uns, ob wir gegen unbekannt oder gegen eine Person Anzeige machen wollen», so Struch. Demnach verdächtigt das Amt jemanden. Struch kann dazu aber wegen des laufenden Verfahrens keine Auskunft geben.

Vom Biberdammbau im Brunnbach hat Struch bereits im September erfahren. Der Biber baute zu hoch, worauf das gestaute Wasser andernorts zu Überflutungen hätte führen können.

«Als erste Massnahme haben wir den Damm abgesenkt und einen Elektrozaun installiert», berichtet Struch. Ein gängiges Verfahren, das beim geschützten Biber vom Amt bewilligt werden müsse. Der Elektrozaun muss unterhalten werden. Mit dem Zaun wird der Biber daran gehindert, zu hoch zu bauen. «Diese Massnahme funktionierte hier nicht wie gewünscht. Der Biber baute über den Elektrozaun hinweg.»

Weshalb diese Massnahme nicht funktionierte, weiss Struch nicht. Möglich sei, dass der Unterhalt des Zaunes vernachlässigt wurde. «Treibgut kann im Draht hängen bleiben und muss regelmässig entfernt werden», so Struch. Also wollte das Amt zusammen mit den Verantwortlichen für den Bachunterhalt in Horriwil als weitere Massnahme nochmals den Damm absenken und eine Drainage legen, sodass Wasser hätte abfliessen können. Dazu kam es aber nicht. Jemand hat den Damm eigenmächtig entfernt und den Elektrozaun so tief gelegt, dass ein Biber an dieser Stelle keinen Damm mehr bauen kann. «Ich war selber erstaunt, dass man gleich so dreingefahren ist.»

Immer wieder Konflikte

Dass die Beziehung zwischen Biber und Mensch je nach Betroffenheit brechen kann, zeigt ein Beispiel vom letzten Jahr. Damals wurden gezielt Glasscherben und geköpfte Flaschen an drei «Biberpässen» platziert. Also dort, wo der Biber aus dem oder ins Wasser steigt (wir berichteten). Das Delikt geschah in Subingen an der Oesch Richtung Deitingen. Auch damals erstattete das Amt Strafanzeige. «Ohne Erfolg», so Struch. Gemeindearbeiter aus Deitingen, die für den Bachunterhalt zuständig sind, haben den Damm in der Oesch mit Bewilligung des Amtes abgesenkt und einen Elektrozaun errichtet. Die Massnahme funktioniere noch heute. Und der Biber sei dort nicht mehr angegriffen worden.

Die Oesch und ihre Nebenbäche bleiben aber im Fokus von Mark Struch. So bereite ihm auch ein Biberdamm nahe dem Schulhaus oz13 in Subingen Sorgen. «Sehr wahrscheinlich ist es derselbe Biber, dessen Damm beim Brunnbach widerrechtlich entfernt wurde, oder ein Biber aus seiner Familie.» Dieser Damm ist auch Subingens Gemeindepräsident Hans Ruedi Ingold aufgefallen: «Der Biberdamm liegt an einem problematischen Ort. Wir haben deswegen Probleme mit der Meteorwasserleitung im Schulhaus oz13 und die Bauern haben Probleme mit ihren Drainagen.»

Hat nun der Glasscherben-Täter, der im Norden von Subingen wütete, etwas mit dem neuesten Vandalenakt im nahen Horriwil zu tun? Diesen Zusammenhang konstruierte das Schweizer Fernsehen in einem Beitrag von «DRS Aktuell». Zu vermuten ist aber eher eine andere (unbedarfte) Täterschaft (siehe Kasten). (Mitarbeit: rm)