Gerlafingen
GV genehmigt 3-Millionen-Defizit und Steuererhöhung

Der Gemeinderat hatte im Vorfeld der Budgetgemeindeversammlung gespart und verzichtet. Trotzdem sieht das Defizit von knapp 3 Millionen Franken nicht gerade rosig aus. Die Gerlafinger genehmigten eine Erhöhung des Steuerfusses auf 130 Prozent.

Gundi Klemm
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Gerlafingen streicht die zusätzlichen Investitionen für den integrierten Schulunterricht.

Gerlafingen streicht die zusätzlichen Investitionen für den integrierten Schulunterricht.

AZ

Längst vergangen sind die Jahre, als Gerlafingen mit Überschüssen in Millionenhöhe ein 4-Millionen-Eigenkapital anhäufte, 8 Millionen Schulden zurückzahlte und unbeschwert in die Zukunft blickte. Das war 2007/2008. Diverse Krisen schütteln Gerlafingen seither durch. Die Gemeinde unternimmt Anstrengungen, um Einnahmen und Ausgaben einigermassen im Lot zu halten.

Nach intensiven Abstrichen durch Gemeinderat und Fachkommissionen nahmen die 70 Anwesenden am Mittwochabend an der Gemeindeversammlung von einem Voranschlag über rund 33 Millionen und einem Aufwandüberschuss von 2,97 Millionen Franken Kenntnis.

«Nicht über Verhältnisse gelebt»

Deprimierend sei, so Gemeindepräsident Peter Jordi (SP), dass sich die Verlustserie auch in den nächsten Jahren fortsetze. Der Sparbatzen sei durch Defizite vergangener Jahresrechnungen aufgezehrt, und nun gebe es nur noch die Devise sparen und verzichten. «Wir wollen gesunden und nicht zum Sanierungsfall werden. Deshalb sind unpopuläre Massnahmen unumgänglich», so Jordi. Gemeindeverwalterin Katalin Kulcsar verdeutlichte die Lage der Gemeindefinanzen, indem sie eine Analyse der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen vornahm, die zumindest zeigten, dass Gerlafingen nicht schuldhaft über seine Verhältnisse gelebt hatte.

Verglichen mit dem Durchschnitt der solothurnischen Gemeinden liegt die Steuerkraft unter 80 Prozent. Was die Lage gemäss Kulcsar zusätzlich erschwert, sind Kostenverlagerungen und -steigerungen wie etwa die Pflegeversicherung zulasten der Gemeinden. Die beschlossene Anhebung des Steuerfusses von 125 auf 130 Prozent bezeichnete sie als massvoll, um die gewonnenen 400 000 Franken zur Verringerung des nächsten Defizites einzusetzen.

Kein zusätzliches Team-Teaching

Die Versammlung nahm den Budget-Vorschlag sehr gefasst auf. In der Detailberatung meldeten sich allerdings junge Eltern zu Wort. Sie bedauerten, dass diejenigen Teamteaching-Lektionen gestrichen werden, die die Gemeinde zur Förderung des integrierten Unterrichtes zusätzlich zu den vom Kanton subventionierten anbot. Als ihr Sprecher machte Beat Reimann in einem breiten Stimmungsbild auf vielfältige Sorgen aufmerksam. Der Migrationshintergrund vieler Kinder brauche mehr Unterstützung, und auch die Klassengrössen seien kontraproduktiv. Manches Elternpaar überlege sich, seinen Nachwuchs auf eine Privatschule überwechseln zu lassen.

Der Gemeindepräsident betonte, wie wichtig das Bildungswesen allen Verantwortlichen in Gerlafingen sei. Durch die Reduzierung der Teamteaching-Lektionen werde indes kein Standard verletzt. Schulverwalterin Jeannette Hansen verdeutlichte die Faktenlage, die wesentlich von der teils restriktiven Bewilligungspraxis des zuständigen kantonalen Amts für Volksschule und Kindergarten abhänge. Gemeinderat Beat Blaser (SVP), selber Vater von betroffenen Kindern, dämpfte die hochgehenden Emotionen: «Unsere Schule ist keinesfalls marode». Den Antrag Reimann, die bisherige Gesamtzahl an Teamteaching-Lektionen wieder einzuführen, lehnte die Versammlung mit 37 zu 25 ab.