Biberist
Grosses Fischsterben im Mülibach: War es ein Chemieunfall?

Im Mülibach zwischen Mühledorf und Lohn-Ammansegg sind am Dienstagabend über 600 Fische verendet. Die Bachpächter vermuten eine chemische Substanz als Verursacher. Bereits vor einem Jahr sind im Fluss alle Fische verendet.

Beat Geier und Alois Winiger
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Es ist eine traurige Bilanz, die Stefan Gerster ziehen muss: Auf über Tausend könnte die Zahl der verendeten Forellen und Groppen gehen. Es war am letzten Dienstag, als das Fischsterben festgestellt worden war. Schlimm ist, dass es sich innert eines Jahres um den zweiten Fall von vergifteten Fischen im Mülibach handelt. Davon später.

Sehr starkes Gift

Gerster ist Fischbiologe und wissenschaftliche Mitarbeiter im Bereich Fische des Amtes für Wald, Jagd und Fischerei des Kantons Solothurn. In Etappen untersuchte er am Mittwochn den Mülibach zwischen Mühledorf und der Einmündung in den Biberenbach bei Lohn-Ammannsegg.

Schon bald war die Gewissheit da, dass bis auf die Höhe von Mühledorf im Bach alle Fische verendet waren. Auffällig sei für ihn, sagte Gerster bei einem Augenschein, dass auch die Groppen, die sich vorwiegend am Grund des Gewässers aufhalten, verendet sind.

Für Gerster ein Hinweis darauf, dass es sich um ein sehr starkes Gift handeln muss, das in den Mülibach gelangt ist. Ebenfalls von der Vergiftungswelle betroffen sei der Biberenbach, so Gerster weiter. Dies stellte sich am Mittwoch aufgrund von Elektrobefischungen gewisser Bachabschnitte heraus. Unterhalb des Einlaufes des Mülibaches war der Fischbestand markant geringer als im anschliessenden Abschnitt oberhalb der Einmündung.

Wie weit die Gewässerlebewesen im Biberenbach beeinträchtigt sind, müsse noch abgeklärt werden. Weil der Lauf des Mülibaches streckenweise über Berner Boden führt - wo er Chrutmülibach heisst - waren auch Leute vom bernischen Fischereiinspektorat aufgeboten.

Jauche ausgeschlossen

Auch für Stefan Gyr, Leiter des Kantonalen Schadendienstes im Amt für Umwelt, sind bis jetzt nur Mutmassungen möglich. Gyr schränkt ein, dass man verschüttete Jauche ausschliessen könne. Denkbar seien ausgelaufene Pflanzenschutz- oder Düngemittel. Aussergewöhnlich ist, dass das Gift auf einer so langen Strecke des Bachlaufes - Luftlinie etwa fünf Kilometer - seine tödliche Wirkung behalten hat. Die Wasserproben seien im Labor, Ergebnisse werden frühestens nächste Woche erwartet.

Im Raum Mühledorf suchen

Weil das Fischsterben in Mühledorf seinen Anfang nahm, werde man in diesem Raum auch die Suche nach der Ursache aufnehmen, erklärt Stefan Gerster. «Es ist eine ebenso heikle wie aufwendige Angelegenheit.» Die Aussicht auf Erfolg ist im Moment ungewiss. «Beim Vergiftungsunfall im vergangenen Jahr konnte nämlich der Verursacher nicht gefunden werden.» Gerster betont, dass der aktuelle Vorfall massiv grösser sei als jener im Vorjahr.

Persönlich stark betroffen vom Vorfall ist Herrmann Sahli, der Fischereipächter des Mülibachs. Er bilanziert den Schaden als viel gravierender als jenen vom 18. Juni 2011, wo geschätzte zehn Prozent der Fischpopulation überlebt hätten. Jetzt spricht er von einem Totalschaden. Die jetzt verendeten Forellen seien einerseits natürlich eingewandert über die Emme. Andererseits habe man in Zusammenarbeit mit dem Amt für Jagd, Wald und Fischerei 550 ein- bis dreijährige Bachforellen aussetzen können.

Das Drama der Situation beschränke sich indes nicht auf die Fische allein, führt Sahli aus. «Man muss davon ausgehen, dass auch die übrige Fauna komplett - speziell etwa der Flusskrebs - abgetötet worden ist.» Eine Neubesiedlung des Baches mit Forellen könne erst nach einer Analyse der Population der im Bach lebenden Kleinstlebewesen erwogen werden. Sahli ist pessimistisch. Er glaubt nicht, dass dies vor Oktober dieses Jahres möglich sein wird. Tröstlich für ihn sei, dass die Behörden schnell und eingegriffen haben.