Sie ist selten geworden: Die Schwanenmuschel oder grosse Teichmuschel. Doch im Ufergürtel des Inkwilersees führen die Tiere noch immer eine verborgene Lebensweise. Mit der Spitze im Schlamm steckend, filtern sie bis zu 40 Liter Seewasser pro Stunde und tragen so ihren Teil zur Qualität des trüben Gewässers bei. Doch jetzt ist die grosse Teichmuschel bedroht: Weil der See verlandet und unter akutem Sauerstoffmangel leidet, fährt im Herbst ein Schwimmbagger auf. Die Kantone Solothurn und Bern wollen so die Wasserqualität verbessern und die Lebensdauer des Sees verlängern. Im Uferbereich saugt eine Schlammpumpe dann rund einen Meter der Sedimentoberfläche ab. 15000 Kubikmeter kommen so zusammen, die als Dünger auf den Feldern ausgebracht werden.

Das würden die Tiere mit der zerbrechlichen Kalkschale kaum überleben. «Es war keine Frage, dass wir die Muscheln davor bewahren müssen», sagt Daniel Schrag von der Fachstelle Gewässerschutz im solothurnischen Amt für Umwelt.
Wie die gefährdeten Tiere geschützt werden, zeigte gestern Morgen ein Augenschein am See: Im Ufergürtel blubberte die Oberfläche, hie und da tauchte ein Kopf aus dem sieben Grad kalten Wasser auf. Es sind vier geübte Taucher, die auch morgen Samstag den Grund sorgfältig nach den Schwanenmuscheln abtasten und diese in Netzen sammeln.

Schutz vor dem Saugbagger

Per Ruderboot werden die gelblich bis dunkelbraun gefärbten Schalentiere dann auf die Insel im See verfrachtet, wo sie der Biologe Arno Schwarzer in Empfang nimmt. In Kesseln warten sie auf ihre Aussiedlung. Geschützt vor dem tödlichen Saugbagger werden sie rund um die Insel in zwei Metern Tiefe ausgesetzt. Eine kleine Population wird zudem im Chriziweier in Biberist angesiedelt.

Arno Schwarzer ist erstaunt über die grosse Anzahl der Muscheln. Innerhalb einer Stunde wurden ihm 300 Stück gebracht. «Insgesamt dürften es mehr als 3000 sein», schätzt Schwarzer. Er hofft, dass dank der Massnahme mehr als die Hälfte der Muscheln im See aufgespürt und gerettet werden können. Doch nehmen die Tiere dabei keinen Schaden? Eine Stunde könnten diese an der Luft überleben, sagt Schwarzer. Solange man sie dabei nicht direkt der Sonne aussetzt, gebe es keine Probleme. «Sie klappen derweil einfach ihre Schale zu und halten die Luft an», sagt der Biologe und lacht.

Einmal im Seegrund gelandet, verbringen die Tiere übrigens keineswegs den Rest ihres Lebens am gleichen Ort. Mit einem Muskelfuss bewegen sie sich vorwärts und erreichen so bis in einigen Jahren auch wieder die Uferzone.

Die Muscheln werden wieder ausgesetzt

Die Muscheln werden wieder ausgesetzt

Lebensdauer des Sees verlängern

Seit Jahren setzen sich Vertreter von Kantonen und Gemeinden intensiv mit der Rettung des Inkwilersees auseinander. Mehrfach kippte der See in den vergangenen, Sauerstoffmangel führte zu mehreren grossen Fischsterben. Mit dem Absaugen von Sedimenten soll die Lebensdauer des nährstoffreichen Gewässers verlängert und die Verlandung gebremst werden. Eine weitere Massnahme ist eine Tiefenwasserleitung, um den Anteil des sauerstoffarmen Wassers zu vermindern. Und schliesslich sollen die Sedimente an den Zuflüssen zurückgehalten werden.

Übrigens: Bei starken Regenfällen fliesst regelmässig Schmutzwasser aus der Kanalisation von Etziken, Bolken und Inkwil in den See. Auch Düngemitel, das von den umliegenden Feldern in den See gelangt, führen zur hohen Konzentration von Nährstoffen und bedrohen das Idyll nördlich von Bolken. Dass der See nach der Massnahme mit Absaugpumpen im Herbst nicht mehr kippt, lasse sich aber nicht garantieren, sagt Daniel Schrag. Eine notwendige Massnahme, um den Schutz der seltenen Tier- und Pflanzenarten vorläufig zu gewährleisten, sei es aber allemal.