Der Prototyp des Golfspielers ist angeblich ein reicher alter Mann, der seine Geschäftsbeziehungen auf dem Platz pflegt. Nicht gerade ein vorteilhaftes Image, das dem Sport anhaftet. Im Golfclub Limpachtal aber hat man sich das Ziel gesetzt, mit Vorurteilen aufzuräumen und vermehrt junge Leute für den Ballsport zu begeistern.

Ein wichtiger Schritt geschah am Freitagabend, als eine neue Sektion gegründet wurde. In der U35 sollen Golfer und Golferinnen zwischen 19 und 35 Jahren einen Rahmen finden, in dem sie mit Gleichaltrigen trainieren, Wettkämpfe austragen, aber auch in geselliger Runde ein Bier trinken können.

Erste Golf-U35 der Schweiz

In seiner Begrüssung betonte Clubcaptain Marco Fumasoli die Wichtigkeit, die er der Sektionsgründung beimisst: «Dies ist ein historischer Moment!» Schweizweit gebe es keine entsprechende Sektion. Und Martin Burkhalter, frischgebackener Präsident der U35, gab sich überzeugt: «Die anderen Golfclubs werden nachziehen».

Auch eine neue Spielklasse in Wettkämpfen werde nun möglich. Doch wenn die Idee so bestechend ist, wieso wurde sie nicht längst in anderen Clubs umgesetzt? «Bis vor kurzem musste sich kein Golfclub Gedanken um Mitglieder machen», erläutert Fumasoli. Im letzten Jahr seien die Zahlen erstmals rückläufig gewesen und so habe man auch im «Limpach» reagiert. Die U35 schliesse zudem die Lücke zwischen der grossen Junioren-Sektion, den Jungsenioren, der Sektion für Golfer ab 35 Jahren sowie den «Ladys», wie Burkhalter ergänzt.

«Die Leute hier sind sehr offen»

Die Rahmenbedingungen sind also geschaffen, junge Golfer haben nun eine Heimat im «Limpach». Damit fängt die Arbeit aber erst an. Was tut der Golfclub gegen das elitäre Image, das dem Sport anhaftet? «Da geben wir uns extrem Mühe», so Fumasoli. Man setze stark auf Social Media und habe 2013 am Tag der offenen Tür gut 1000 Leuten zeigen können: «Golf ist cool!» und ein Sport für alle.

Burkhalter ergänzt, dass die Vorurteile zumindest im «Limpach» nicht der Realität entsprechen: «Die Leute hier sind sehr offen und aus allen beruflichen Schichten.» Über Geschäftliches werde nicht gesprochen. «Hier geht es um den Sport, um draussen zu sein und um abzuschalten.»

Doch wieso Golf statt Fussball oder Tennis? Das Ziel, den Ball mit möglichst wenigen Schlägen ins Loch zu befördern, sei häufig ein Kampf gegen sich selbst, so Burkhalter. Fumasoli ergänzt, man könne den Sport alleine ausüben. «Ich bin nicht darauf angewiesen, dass jemand Zeit hat, mit mir zu spielen.» Weiter lerne man laufend neue Menschen und – via Golfreisen – «die schönsten Plätze der Welt» kennen.

Bleiben die Kosten, denn diese umfassen nicht nur die Mitgliedergebühr, sondern auch Platzerlaubnis, Equipment und Kleidung. Sind die Nachwuchsgolfer 18 Jahre alt, müssten sie schlagartig massiv höhere Kosten bewältigen. Dies sei erkannt und Vergünstigungen für junge Golfer eingeführt worden, so Fumasoli. Auch für Schläger müsse man kein Vermögen ausgeben: «Mein erstes Set habe ich auf Ricardo für 47 Franken gekauft.»