Zuchwil
Gleis wird mit viel Muskelkraft in einer Regennacht ersetzt

Von Montagabend auf Dienstagmorgen wurde der alte RBS-Bahnübergang in Zuchwil auf einer Länge von 30 Metern saniert. 16 Männer der RBS und der Marti AG haben bei Regen auf der Baustelle gearbeitet.

Beatrice Kaufmann
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Ein Schild wies schon Tage vor den Bauarbeiten auf die Sperrung hin
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Das letzte RBS fährt durch, danach müssen die Passagiere mit Bussen befördert werden.
Das Gleisstück, das erneuert werden muss, wird abgetrennt
Am Ende des Gleises wird geschweisst
Die Abdeckungen beim Übergang werden abgehoben
Für Gleisbaumeister Erich Rothenbühler handelte es sich um eine «0815-Arbeit»
Vorbereitungen fürs Herausheben des Gleisstücks
Dann kommt der Kran zum Einsatz
Das Kies wird neu verlegt
Vorsichtig geht dieser Mann mit seinem Hund über die Baustelle
Die Bauarbeiter sind auch gerne einmal mit dem Velo behilflich
Die neuen Schwellen werden abgeladen und verlegt
Da werden schwere Geschütze aufgefahren
Die einzelnen Elemente müssen genau im richtigen Abstand liegen
Bauarbeiten am RBS-Bahnübergang in Zuchwil
Die neuen Schienen werden an die neuen Schwellen geschraubt
Das Gleis ist verlegt

Ein Schild wies schon Tage vor den Bauarbeiten auf die Sperrung hin

Hansjörg Sahli

Dem Laien präsentierten sich am Montagabend spektakuläre Szenen. Für Erich Rothenbühler aber handelte es sich um eine «0815-Arbeit». Der erfahrene Gleisbaumeister hatte die Leitung, als beim RBS-Bahnübergang (Regionalverkehr Bern-Solothurn) an der Zuchwilerstrasse neue Gleise verlegt wurden. «Der Strassenbelag am Übergang ist kaputt und muss ersetzt werden.» Da der Bahnübergang seine letzte Sanierung vor knapp 20 Jahren erlebt habe, erneuere man diesen nun auch gleich.

Ab 19 Uhr ist der Bahnübergang für den motorisierten Verkehr gesperrt und die Gleisarbeiter beginnen damit, den beschädigten Strassenbelag mit dem Bagger aufzureissen. Gleichzeitig entfernen andere von Hand die schweren Mittelteile aus Hartgummi zwischen den Gleisen. Kurz vor 19.30 Uhr ertönt zum letzten Mal das durchdringende Rufhorn, das die Arbeiter vor durchfahrenden Zügen warnt.

Ab jetzt bringt ein Bus die Fahrgäste von Solothurn nach Biberist; auf dem Gleis kommen die Arbeiten richtig in Gang. Derweil der Bagger noch die letzten Belagteile entfernt, sprühen an den Gleisen bereits die Funken. Mittels Schneidbrenner wird die zu erneuernde Strecke von rund 30 Metern in drei Teile geschnitten.

Bereits hat der Regen wieder eingesetzt, er scheint die Arbeiter jedoch nicht zu stören. Ausserdem kühle der frische Belag bei Regen schneller ab, so Rothenbühler. Dieser wird aber erst später verlegt. Derzeit fährt eine Lokomotive mit zwei Wägen und einem Kran auf die Baustelle. Die Gleise werden zerschnitten, das Material, das nicht mehr benötigt wird, auf den Kranwagen gehievt.

4.5 Tonnen Stahl und Holz

16 Männer der RBS und der Marti AG arbeiten hier heute Abend. Jeder weiss offenbar genau, was er zu tun hat. Das Wichtigste sei stets die Planung, so Rothenbühler. Busse und Chauffeure müssten aufgeboten werden, Maschinen und Material zur rechten Zeit vor Ort sein. Denn am Dienstag um 6 Uhr muss die Strasse wieder für den Autoverkehr frei sein. Rothenbühler ist wachsam aber entspannt und rechnet sichtlich damit, dass alles glatt läuft und das 140 000 Franken-Projekt rechtzeitig abgeschlossen werden kann.

Mittlerweile befestigen die Männer in Orange das erste Gleisstück am Kran. Wenig später schwebt das rund 1.5 Tonnen schwere Schienenstück in der Luft und wird sorgfältig auf dem Kranwagen platziert. Immer wieder passieren Fussgänger und Fahrradfahrer die Baustelle. Einige beobachten das Geschehen, andere versuchen, ihre Velos über den entstandenen Graben zu heben. Die Gleisarbeiter erweisen sich in diesen Momenten als Gentlemen und helfen den Passanten bei der Querung der Baustelle.

Am Donnerstag folgt das Finale

Im emsigen Treiben fallen auch Arbeiter ins Auge, die scheinbar nichts tun. Wie lautete das Klischee schon wieder? «Auf dem Bau arbeitet einer; die anderen schauen zu.» Dieses Zuschauen sei aber wichtig, erklärt einer der Arbeiter. So werde nämlich das Tun des Einzelnen kontrolliert. Was durchaus einleuchtet, denn heute Nacht ist Genauigkeit entscheidend.

Die Schwellen und Gleise müssen passgenau verlegt werden. Sichergestellt wird dies mittels Laser. Kurz nach 21 Uhr kommen die neuen Schwellen auf den Schotter zu liegen. Bis zum Morgen werden die Arbeiter noch Gleise verlegen, Schotter auffüllen und die Strasse wieder reparieren.

Als die ersten Autofahrer am Dienstagmorgen bereits um 5 Uhr den Übergang passieren können, ist der grösste Teil der Arbeit erledigt. Nur der Feinbelag könne nicht bei Regen verlegt werden. «Sofern der Wetterbericht stimmt, holen wir das am Donnerstag nach.»