Es sind happige Vorwürfe, welche die Gewerkschaft Unia an die Adresse von ABB-Schweiz richtet. In Zusammenhang mit der angekündigten Schliessung des Werkes in Deitingen der ABB Turbo Systems AG (wir berichteten) sei es zu einer Verletzung des Gesamtarbeitsvertrages (GAV) der MEM-Industrie gekommen. Nicht regelkonform sei insbesondere das Konsultationsverfahren abgelaufen. «Die Konsultationsdauer von mindestens 12 Werktagen wurde nicht respektiert», schreibt die Gewerkschaft in einer Mitteilung. Die ABB-Leitung weigere sich zudem weiterhin, dieses Verfahren neu durchzuführen. Gefordert hatte dies die Unia im Rahmen eines Gesprächs mit Mitgliedern der ABB-Geschäftsleitung, das am Mittwoch stattgefunden hat.

ABB Schweiz kontert

«Wir haben den GAV nicht verletzt», betonte gestern ABB-Schweiz-Sprecher Lukas Inderfurth auf Anfrage dieser Zeitung. So sei mit dem Angestelltenrat der ABB ein ordentliches Konsultationsverfahren durchgeführt worden. «Unser Verhandlungspartner ist der Angestelltenrat und nicht die Unia», unterstreicht der ABB-Sprecher. Dies entspreche auch den Bestimmungen des GAV. Dieser sieht vor, so Inderfurth weiter, dass die Gewerkschaften sowie weitere Sozialpartner «rechtzeitig» über einen Schliessungsentscheid informiert werden. Inderfurth: «Das haben wir eingehalten.» Am 14. Januar hat ABB die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände über die Schliessungsabsicht informiert. Offiziell kommuniziert wurde der Geschäftsleitungsentscheid dann am 22. Januar.

Ein Teilerfolg der Unia?

Als Teilerfolg verbucht es die Gewerkschaft Unia, dass sich die ABB-Leitung unter dem gewerkschaftlichen Druck immerhin bereit erklärt habe, im Rahmen einer Zusatzvereinbarung bis Mitte Februar «Nachbesserungen» zum Sozialplan zu unterbreiten. Unter anderem geht es dabei um Wegentschädigungen für Mitarbeitende, die infolge der Betriebsschliessung in Deitingen neu in einem der beiden Werke im Kanton Aargau arbeiten. Gemäss ABB-Sprecher Inderfurth ist dies aber kein Teilerfolg der Unia - er betont vielmehr: «Bis jetzt wurden noch keine Kündigungen ausgesprochen. Und es ist nicht die Unia, sondern die ABB zusammen mit dem Angestelltenrat, die nach Lösungen für die betroffenen Mitarbeitenden suchen.»

Betroffen von der Schliessung des Werkes in Deitingen sind 105 Angestellte. 59 Mitarbeitenden werden neue Arbeitsplätze in Baden und Klingnau angeboten. Ein innerbetriebliches Arbeitsmarktzentrum unterstützt sämtliche Betroffenen. (esf)