Halten
Gespalten und verfault: Die mächtige Winterlinde beim Turm in Halten muss fallen

Die bald 49-jährige Winterlinde auf dem Museumsgelände im Turm von Halten weist Spaltungen am Stamm und Kronenansatz sowie Fäulnis auf und muss gefällt werden.

Agnes Portmann-Leupi
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Gut erkennbar die Spaltung am Stamm der Linde.

Gut erkennbar die Spaltung am Stamm der Linde.

Agnes Portmann-Leupi

Hochzeitspaare auf der Sitzbank unter der weit ausladenden Linde, Zvieri geniessende ehrenamtlich Tätige, im Schatten sitzende Besucher: Dieses vertraute Bild unter der wunderschönen Linde auf dem Museumsgelände im Turm von Halten wird es schon bald nicht mehr geben. Vorbei ist es mit dem «Leis rauscht ihr grüner Blätterschatz im kühlen Winde».

Dem Baum, welcher im Jahr 1965 vor der Museumseröffnung im Rahmen der Umgebungsarbeiten gepflanzt wurde, droht das Aus. Er weist Spaltungen am Stamm und Kronenansatz sowie Fäulnis auf und droht auseinanderzubrechen. Personen und Gebäude im Baumbereich sind gefährdet.

Der hinzugezogene Baumspezialist Bruno Dreier aus Schalunen zeigt in seiner Expertise auf, dass die Winterlinde als Jungbaum im Schnitt vernachlässigt wurde. Daher hat sich die ganze Krone aus einem Ansatz in mehrere Hauptäste verzweigt, die sich gegenseitig auseinanderdrängen.

Nur mit sehr hohem technischem Aufwand – starkes Zurückschneiden und Seilverbindungen – könnte der Baum gesichert werden, und dies nur für eine begrenzte Dauer. Nicht zuletzt, weil das Voranschreiten der Fäulnis nicht aufzuhalten ist.

Fällung und Neupflanzung

An einer ausserordentlichen Stiftungsratssitzung unter Präsident Urs Umbricht befürworteten die Stiftungsratsmitglieder – mit blutendem Herzen – die Fällung einstimmig. Über einen Erhalt des Baumes wurde vorgängig eingehend diskutiert. Die Sicherung müsste alle zwei bis drei Jahre überprüft und die Krone regelmässig durch seitlichen Rückschnitt entlastet werden. Für den Erhalt entstünden vorläufige Kosten für Kronensicherung und -entlastungsschnitt von rund 4300 Franken.

Die Stiftungsratsmitglieder befürchten zudem, dass das «Flickwerk» keine Augenweide wäre. Entlastend für den Beschluss zur Fällung ist, dass der Baum zwar in einem historischen Ensemble mit Turm und Speichern steht, selber aber kein historisches Alter aufweist. Die Winterlinde soll im Januar oder Anfang Februar gefällt werden.

An gleicher Stelle wird im Frühling eine neue Linde gepflanzt. Die Kosten für das Fällen, Häckseln und Abführen sowie für die neue Linde belaufen sich auf gut 8000 Franken. «Bei fachmännischem Erziehungsschnitt nach fünf und zehn Jahren durch Baumpflegespezialisten kann ein Baum herangezogen werden, der tatsächlich ein historisches Alter erreichen könnte», stellt Bruno Dreier in Aussicht.