Roggwil

Geschichte eines Dorfes im Spycher zu erleben

Im Roggwiler Spycher aus dem 18. Jahrhundert gibt es eine «Kunststafette».

Im Roggwiler Spycher aus dem 18. Jahrhundert gibt es eine «Kunststafette».

Wie haben die Menschen in Roggwil früher gearbeitet? Das ist das Thema der Dauerausstellung im Ortsmuseum im 200-jährigen Spycher.

Die Ausstellung im ersten Stock des Ortsmuseums in Roggwil zeigt, wie wichtig früher die Landwirtschaft und später die Industrie und vor allem das Gewerbe im Dorf waren und sind. «Als das Museum 1970 eröffnet wurde, wollte die Gemeinde auf diese wichtigen Themen hinweisen», erklärt Rudolf Baumberger. Der Kinder- und Jugendpsychiater ist Vorstandsmitglieds des Kultur- und Museumsverein Roggwil und Leiter des Ortsmuseums Spycher. Anhand einer Power Point-Präsentation wird die Entwicklung Roggwils vom Bauerndorf zum Industriestandort – in der Blütezeit mit Betrieben wie der Textilfirma Gugelmann oder der Zementwarenfabrik Mange – bis zu den modernsten Firmen wie etwa der heute weltweit tätigen Schneeberger Lineartechnik aufgezeigt.

Besucher erfahren unter anderem, dass die Helvetia-Nähmaschine mit Tretantrieb vom Roggwiler Viktor Bösiger erfunden wurde, können via Foto einen Websaal und die Mitarbeiter der Firma Gugelmann sehen. Oder erfahren, welche Gebäude heute an den Standorten fast vergessener Handwerksbetriebe oder Restaurants stehen. Aber auch Werkzeug und Geräte aus dem 19. Jahrhundert sind zu sehen. Museal ist aber nicht nur die Ausstellung, sondern der Ort der Ausstellung, der Spycher selbst. «Beim Ständerbau bilden Schwelle, Ständer und Rähm ein tragendes Gerüst, welches durch Kopfhölzer stabilisiert wird», erklärt Baumberger über den Bau.

Einwohnung des Ortsmuseums 1970

Dieser Spycher stand ursprünglich hinter dem ehemaligen Bütikoferhaus, das dem Altersheimneubau weichen musste. 1968 kauften der Sekundarschulverein und die Gemeinde Roggwil den Spycher, zerlegten und restaurierten ihn, um das Kleinod schliesslich an der Sekundarschulstrasse (vis-à-vis Gemeindehaus) wieder aufzubauen. Mit rund 200 zusammengesammelten Exponaten konnte schliesslich im September 1970 das Ortsmuseum eingeweiht werden. Seither gestalten die verantwortlichen Mitglieder des Kultur- und Museumsvereins die Ausstellung von Zeit zu Zeit neu.

«Vor allem bei Klassenzusammenkünften ist die Ausstellung sehr beliebt», freut sich Gemeinderat Baumberger. Für Privatpersonen ist das Museum jeweils am ersten Samstagnachmittag im Monat von 13 bis 17 Uhr oder auf Anfrage geöffnet. Neben der Dauerausstellung werden dem interessierten Publikum im jährlichen Turnus selber erarbeitete oder von Dritten übernommene Wechselausstellungen zugänglich gemacht. Dieses Jahr in Form einer sogenannten Kunststafette (siehe Kasten).

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