Region Solothurn
Gemüse, Most und Senf vom Hofladen: Gepunktet wird mit persönlichem Kontakt

Bauern verkaufen ihre Produkte direkt auf dem eigenen Hof: Ein Konzept, das auch in der Region bestens funktioniert. Dabei sind Hofläden und Grossverteiler keine Konkurrenz. Der persönliche Kontakt ist ein klares Plus für Hofläden.

Beatrice Kaufmann
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Im Herbst haben Zuckerrüben, Kartoffeln und Kürbis Hochsaison. Sehen lässt sich das nicht nur in den gut gefüllten Regalen im Grossverteiler, die mit «regional» angeschrieben sind. Am Strassenrand mehren sich Schilder, die Spaziergänger und Autofahrer auch zum Direktvermarkter auf Bauernhöfen führen. In der Regel stösst der Kunde dabei auf liebevoll unterhaltene Geschäfte, in denen nicht selten die Bauern selbst bedienen.

Peter Brügger, Geschäftsführer Solothurnischer Bauernverband bestätigt diesen Eindruck: «Es gibt in der Region sehr professionelle Hofläden, die meines Wissens auch eine gute Frequenz haben.» Doch wie funktioniert ein Hofladen? Und kann er überhaupt rentieren?

Ein breites Sortiment

Beispiele für sehr professionell geführte Hofläden finden sich in Biberist und Niederwil (Riedholz). «Wir produzieren über 50 Produkte selbst», gibt Susy Birrer (Niederwil) Auskunft. Neben Äpfeln und Most finden sich Eingemachtes, diverse Essigsorten und sogar Senf. Milchprodukte und Gemüse würden hingegen von anderen Höfen bezogen. «Ein breites Angebot macht es für die Kunden interessanter.»

Susy Birrer bereitet ihren Hofladen in Niederwil vor. Ab 16 Uhr kommen die Kunden.

Susy Birrer bereitet ihren Hofladen in Niederwil vor. Ab 16 Uhr kommen die Kunden.

Urs Byland

Ausserdem könne man so auch Höfe unterstützen, die einen weniger guten Standort haben. So finden sich die Niederwiler Produkte auch im Hofladen der Familie Stuber in Biberist wieder. Das Sortiment ähnelt jenem in Niederwil, zudem ist der Hofladen Standort der «Solothurner Truckli», also Geschenken zusammengestellt aus Solothurner Produkten.

Grosser Arbeitsaufwand

Beide Läden funktionieren dank Arbeitsteilung und Angestellten. «Wir haben eine klare Rollenverteilung», sagt etwa Barbara Stuber (Biberist). Sie unterhalte zusammen mit einer Praktikantin Laden und Geschenke, ihr Mann kümmere sich um Feld und Stall. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand, den die Landwirte auf sich nehmen. «Der Laden ist etwa gleich intensiv wie der restliche Betrieb», so Susy Birrer. Ginge es denn auch ohne Hofladen? «Wenn wir die Produkte nur an den Handel verkaufen, nehmen wir zu wenig ein», erklärt Barbara Stuber.

Konkurrenz - oder doch nicht?

Die Medien thematisierten in jüngster Zeit die Konkurrenz zwischen Hofläden und Grossverteilern wie Coop und Migros. Was ist dran? Gehen die Grossverteiler gar politisch gegen die Direktvermarkter vor?

«Wenn ich eine Konkurrenz für die Grossverteiler sein soll, dann fühle ich mich geschmeichelt», sagt Susy Birrer. Sie müsse immer etwas schmunzeln, wenn sie solche Dinge höre. «Wir wollen nur unsere Existenz sichern.» Bauernsekretär Peter Brügger findet noch deutlichere Worte: «Das ist Blödsinn!» Es brauche Direktvermarkter als auch Grossverteiler. «Der Kunde soll die Wahlfreiheit haben», so Brügger.

Häufig funktionieren die Hofläden nicht losgelöst von Grossverteilern. Nur ein Teil der Produktion wird im Hofladen direkt verkauft. Der andere Teil wird von Coop, Migros und Co abgenommen. Einen Konflikt stelle dies aber nicht dar. «Wir begrüssen das unternehmerische Handeln der Produzenten und das Konzept der Hofläden», schreibt etwa Coop. Und Migros lässt verlauten, man respektiere die zusätzliche Einkommensquelle der eigenen Produzenten. «Es stimmt nicht, dass wir dagegen in irgendeiner Weise vorgehen.» Brügger sieht das Ganze gar umgekehrt: «Die Grossverteiler können froh sein, gibts die Bauern.» Man sei mit den regionalen Produkten gar auf einen Zug aufgesprungen, der inzwischen eine wichtige Einkommensquelle darstelle. (bk)

Im Direktvertrieb können die Preise selbst bestimmt werden. Und Birrer: «Wir müssten im Obstbau statt vier Hektaren zehn haben, damit wir davon leben könnten.» Der Hofladen stelle somit ein wichtiges Standbein dar, wie beide bestätigen.

Unterschiedliche Öffnungszeiten

Das Gemüse, das der Kunde bei Stubers vermisst, findet er einige Strassen weiter im Hofladen der Familie Schwaller. Das Angebot reicht hier von Salat über Äpfel und Birnen bis hin zu den derzeit aktuellen Marroni. Bedient wird vom Bauernpaar selbst. Im Gegensatz zu den anderen Läden ist dieser täglich geöffnet.

So wie auch die Selbstbedienungsbetriebe von Jakob Nussbaumer in Lohn-Ammannsegg oder der Familie Gasche in Bolken. «Wir haben je nach Saison ein bis zwei Kühlschränke mit den aktuellen Produkten», erklärt Bernhard Gasche. Die Abrechnung erfolge per Kässeli. «Das Risiko, dass etwas nicht bezahlt wird, muss man in Kauf nehmen. Zu 99,9 Prozent funktioniert es aber.»

Der direkte Kontakt punktet

Neben den frischen, saisonalen Produkten punktet der Direktvermarkter durch den persönlichen Kontakt zum Kunden. «Die Leute, die auf dem Hof einkaufen, wollen wissen, woher ihre Produkte kommen», fällt Gasche auf. «Wollen» ist nicht nur diesbezüglich ein wichtiges Stichwort. «Man muss zu uns kommen wollen», sagt etwa Susy Birrer, gefragt nach dem Standort ihres Hofes. Mit den meisten Hofläden teilt dieser die durchschnittliche Lage: an keiner Durchgangsstrasse gelegen, jedoch auch nicht abgeschottet.

Ein Nachteil stelle dies in der Regel nicht dar. «Wir wohnen abseits des Dorfes, empfinden dies aber nicht als grossen Nachteil», bestätigt etwa Theres Ambühl vom Weierhof in Subingen. Besitzer etwas versteckter Höfe helfen in der Regel mit Schildern an stark befahrenen Strassen nach. So kommt auch der abgelegene Hof von Bernhard Gasche auf seine Kosten. «Gerade in der Spargelsaison haben wir starken Zulauf.» Und lachend fügt er hinzu: «Wir haben sogar einen Kunden aus dem Kanton Nidwalden.»

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