«Wenn nun wieder nichts geht, dann schicken wir unsere Kinder nicht mehr in die Schule», sagt Mutter Timna Räuftlin und bestätigt einen entsprechenden Bericht vom Regionaljournal Aargau-Solothurn SRF. Der Fall von Familie Räuftlin kam letztes Jahr im November ins Rollen. Der 15-jährige Bauernsohn Simon wurde angeklagt, weil er seine Geschwister mit einem Landwirtschafts-Jeep in die Schule fuhr (wir berichteten).

Simon's Strafe fiel aber nicht so schlimm aus wie vorerst vermutet. «Unser Sohn hat eine Busse von 60 Franken erhalten», erzählt die Mutter. Er müsse mit keinen weiteren Konsequenzen rechnen. Den Mini-Jeep hat die Familie inzwischen verkauft.

Doch das Problem der Familie bleibt immer noch ungelöst. Die Räuftlin-Kinder wohnen im «Althüsli» auf der Hasenmatt und müssen 13 Kilometer hinab nach Selzach in die Schule. Da Simon die Geschwister nicht mehr in die Schule fahren darf, muss Vater Christoph die Kinder bringen. «Mein Mann fährt im Moment etwa acht Mal hin und her, so kann es nicht weiter gehen», beklagt sich Timna Räuftlin.

Stress schlägt auf Gesundheit

Für Landwirt und Familienvater Christoph Räuftlin ist der Stress auch gesundheitlich nicht optimal. In diesen Wintertagen muss er zusätzlich noch jeden Morgen die lange Bergstrecke vom Schnee befreien. «Diese Arbeit nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Sie wird aber von der Gemeinde nicht bezahlt, obwohl es eine öffentliche Strasse ist», sagt seine Frau.

Nun sei fertig. Die Gemeinde würde immer sagen, sie mache etwas, aber bis heute sei nichts passiert. «Wir kämpfen mit der Gemeinde. Es muss sich nun endlich etwas tun», meint die fünffache Mutter.

Gemeinde zeigt sich überrascht

Die Gemeinde zeigt sich von den Vorwürfen der Familie Räuftlin überrascht. «Sie bekommt jährlich etwa 18‘000 Franken für den Transport der Kinder, dies ist ein angemessener Betrag», sagt Gemeindeschreiber Christoph Brotschi auf Anfrage.

Zusätzlich bekämen die Räuftlins für die Schneeräumung rund 2‘000 Franken im Jahr. Auch dies sei richtig so, betont Brotschi.

Vertrag von 1992

Die Gemeinde Selzach hat im Jahr 1992 gemeinsam mit dem Eigentümer des Althüsli einen Vertrag abgeschlossen. In diesem wurde ganz klar geregelt, wie viel die Gemeinde für die Schneeräumung zahlen soll, eben diese 2‘000 Franken. Die Eigentümer hätten nie mehr Geld verlangt, erst Pächter Räuftlin wolle nun mehr Geld, erzählt Brotschi.

«Christoph Räuftlin hat einen Brief an den Gemeinderat geschrieben, in dem er mehr Geld will. Der Gemeinderat hat den Brief an der letzten Sitzung zu Kenntnis genommen», sagt der Gemeindeschreiber. Auch der Gemeinderat sei aber der Meinung gewesen, der bezahlte Betrag würde ausreichen.

Familie auf dem Althüsli schickt Kinder nicht mehr zur Schule

Familie auf dem Althüsli schickt Kinder nicht mehr zur Schule

Schlussendlich stellt sich eine Frage: Geht es jetzt um die Kinder oder um das liebe Geld? Christoph Brotschi kann es nicht beurteilen. «Ich hoffe nur, dass Vater Räuftlin seine Drohungen nicht allzu ernst meint und die Kinder weiter in die Schule schickt.»