Gerlafingen
Gemeindepräsi zum Asylzentrum: «Wir halten den Entscheid für falsch»

Geduldig liessen sich die Gerlafinger am Mittwochabend über die rotgefärbte Rechnung 2011 orientieren. Doch viel wichtiger waren die Informationen zum geplanten Asylzentrum im Gerlafingerhof.

Gundi Klemm
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Asylzentrum Nein - Gerlafinger wehren sich und wollen Plakate aufhängen und Unterschriften sammeln.

Asylzentrum Nein - Gerlafinger wehren sich und wollen Plakate aufhängen und Unterschriften sammeln.

Urs Byland

«Wir sind wild entschlossen, mit allen legalen Mitteln Widerstand zu leisten», fasste Gemeindepräsident Peter Jordi die Stimmung in Behörden und Verwaltung zusammen. Nach dem Bekanntwerden der Absicht des Kantons Solothurn, im Gerlafingerhof ein Zentrum für 50 Asylbewerbende zu errichten, hatte Jordi viele Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten.

In grosser Uebereinstimmung hätten sie ihn und den Gemeinderat darin unterstützt, sich gegen dieses Vorhaben zu wehren. «Wir alle halten den Entscheid des Kantons für falsch», wies er auf die parteiübergreifend einhellige Meinung im Gemeinderat hin.

Nächste Woche gibts ein Treffen

Zu Wochenbeginn habe die Gemeinderatskommission im Rahmen einer Sondersitzung das weitere Vorgehen festgelegt. Ab sofort werde an den Dorfeingängen mit Plakaten darauf aufmerksam gemacht, dass in Gerlafingen kein Asylzentrum erwünscht sei.

Zu Anfang nächster Woche wird die im Departement des Inneren Verantwortliche für die Platzierung von Asylsuchenden nach Gerlafingen kommen, um die Sichtweise des Kantons zu erläutern. Schon jetzt wird sie erfahren, dass die örtliche Baukommission beschlossen hat, für den Betrieb Gerlafingerhof ein baurechtliches Umnutzungsverfahren zu eröffnen, was Betroffenen Mit- und Einsprachmöglichkeit bietet.

Zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen ist Jordi zufolge ein Treffen mit dem Departementschef und dem Regierungsrat, um die Möglichkeiten der Gemeinde auf politischem Parkett zu diskutieren. «Es darf doch nicht sein, dass unser Kanton uns das Zentrum zusätzlich zu unseren übrigen Belastungen noch aufbürdet.» Damit verwies Jordi auf den hohen Ausländeranteil und die gegenwärtig sehr schwierige finanzielle Lage wegen fehlendem Steuersubstrat.

Flagge zeigen

An der Versammlung nahmen zum Befremden aller Anwesenden, die mit grossem Zustrom gerechnet hatten, nur 46 Stimmberechtigte teil. Waren die abwesenden Einwohner und Einwohnerinnen davon überzeugt, dass die Gemeindebehörde schon die richtigen Schritte gegen das Asylzentrum einleiten werde, oder glaubten sie, dass man gegen den Kanton sowieso nichts ausrichten könne, oder war einfach nur der warme Sommerabend der Grund ihres Wegbleibens?

 Der Besitzer des Gerlafingerhofs will die Liegenschaft zur Unterbringung von Asylsuchenden an den Kanton vermieten.

Der Besitzer des Gerlafingerhofs will die Liegenschaft zur Unterbringung von Asylsuchenden an den Kanton vermieten.

Hanspeter Bärtschi

Gemeinsam verabredet wurden in der Versammlung Unterschriftenlisten, die ab sofort in Gerlafingen zirkulieren und die als Petition dem Regierungsrat übergeben werden sollen. «Wir wollen hier nicht zur Müllhalde des Kantons werden», betonte Werner Ruschmann, der als Folge von «Weltwoche»-Ranking den Image-Verlust der Gemeinde und den abnehmenden Wert von privaten Liegenschaften beklagte. Die Aussprache sowie eine von Ruedi Bürki beantragte, positiv verlaufene Konsultativabstimmung bestärkten die Gemeindeführung darin, nichts unversucht zu lassen und deutlich Flagge zu zeigen, um einen Verzicht auf die Ansiedlung des Asylzentrums zu erzielen.

Nicht rassistisch denkend

Angeregt wurde, Gleichgesinnte etwa aus Biberist und Obergerlafingen mit ins Boot zu holen. Mit Blick auf die Eigentümerschaft des Gerlafingerhof hiess es an die Adresse des Kantons, dass er die neue Vertragspartnerschaft lieber genauer prüfen solle. Man höre so einiges aus dem Bahnhofsquartier. Nochmals legte die Versammlung Wert auf die Feststellung, dass man im Dorf mit seiner über 50-jährigen Integrationserfahrung nicht rassistisch sondern sehr differenziert denke: «Wir haben überhaupt nichts gegen einzelne Individuen».