Silvia Spycher ist zwar nur gerade 1,55 Meter gross, aber ihr Auftreten ist energisch und zackig. «Das wird mir auch ab und zu zum Vorwurf gemacht», lacht sie. Ursprünglich im Wasseramt aufgewachsen, kam sie 1998 nach Selzach.

Über der ehemaligen Schmitte an der Schänzlistrasse fand sie im umgebauten Haus ein neues Zuhause. Die Schmitte wird in vierter Generation von ihrem Ehemann betrieben. Ihr «Gottebueb» und ihr Sohn haben ebenfalls den Beruf des Hufschmiedes erlernt, sie selbst führt die Administration des Familienbetriebes.

Jeden Morgen im Dorf

«Ich kaufe praktisch jeden Morgen im Dorf ein.» Da sie selbst in einem Gewerbebetrieb arbeitet, ist die Unterstützung des Gewerbes im Dorf eine Selbstverständlichkeit für sie. «In Selzach gibt es alles. Wir haben drei Bäckereien, einen Metzger. Dazu ein Coop, einen Blumenladen und eine Drogerie. Auch die Getränke kann ich mir nach Hause liefern lassen.» Damit sei praktisch alles für den täglichen Bedarf abgedeckt.

Beim Einkaufen sei sie meistens relativ konzentriert und schnell unterwegs. Zwar verweile sie unterwegs ab und zu auf einen Schwatz, aber nach dem Einkauf rufe die Büroarbeit. «Ich versuche, jeden Tag und konsequent von 9 bis 11 Uhr im Büro zu sein und die anstehende Arbeit zu erledigen.» Ab 11 Uhr ist dann Kochen angesagt. «Dafür nehme ich mir gerne die Zeit.» Je mehr Leute am Mittagstisch sitzen, desto schöner, findet sie.

«Seit den Sommerferien ist es allerdings etwas anders. Meine Tochter ist in der Kantonsschule und kommt nicht mehr nach Hause und mein Sohn ist in der Rekrutenschule.»

Mit Reiten begonnen

Im Haushalt von Spychers leben auch noch ein fast zehnjähriger Collie und zwei Katzen. Jeden Morgen geht Silvia Spycher mit dem Hund spazieren. «Er kann leider nicht mehr so gut Treppen steigen. Aber wenn ich zu Hause bin, ist der Hund immer in meiner Nähe.» Eine der Katzen begleitet sie dafür meist ins Büro.

Vor zwei Jahren hat Silvia Spycher wieder mit Reiten begonnen. Sie kann ein Pferd reiten, das einem Ehepaar in Selzach gehört. «Ich helfe auch im Stall, und wenn die Besitzer in den Ferien sind, dann versorge ich ihre Pferde.» Stolz ist sie, dass sie im Juni ihr Reitbrevet bestanden hat.

In die Politik gerutscht

«Ich lebe gerne in Selzach», erklärt Silvia Spycher. Der Wald sei nahe, der Jura und die Aare ebenfalls. Sie gibt aber zu, dass sie auch heute noch nicht jede Gasse in Selzach kennt. «Aber ich wurde von Anfang an gut aufgenommen.» Das Erste, das ihr nach ihrem Umzug auffiel, war übrigens, dass jeder im Dorf jeden grüsst. «In Halten, wo ich herkomme, ist das nicht üblich.»

Dass sie als Zugezogene Gemeindepräsidentin werden könnte, hat sich eher zufällig ergeben, wie sie selbst meint. «Mein Mann ist aktiv im Turnverein. Ich selbst war in keinem Verein, bin dann aber über die Vormundschaftskommission in den Gemeinderat und damit verbunden in Kommissionen und andere Gremien gerutscht.»

«Ich nehme das sportlich»

«Da die Kinder in der Zwischenzeit älter geworden sind, habe ich die Möglichkeit, das Präsidium zu übernehmen», so Spycher. «Aber ich nehme das sportlich. Ich muss das Amt nicht auf Biegen und Brechen haben. Wenn mich die Selzacher nicht wählen, bleibe ich Gemeinderätin und arbeite weiter wie bisher.» Sie sei eine Person, die gerne etwas Neues anfange und das Politisieren gefalle ihr. So gesehen würde sie das Gemeindepräsidium reizen. «Aber eine Karriereplanung in dieser Hinsicht hat es nie gegeben.»