So lässt sich Stefan Hug gerne überraschen: Dank einer Nachtaxation von DePuy Synthes klingelt es kräftig in der Zuchwiler Gemeindekasse. Statt des erwarteten Minus schliesst die Rechnung 2013 mit einem 5-Millionen-Gewinn.

Dies sei nicht einfach ein Geldsegen, sagt der SP-Gemeindepräsident, sondern auch zurückzuführen auf den regen Austausch zwischen den Zuchwiler Behörden und den ansässigen Unternehmen.

«Bei DePuy Synthes haben wir uns angestrengt und durch schlanke Verfahren sichergestellt, dass diese Firma nach Zuchwil kommt.» Das Medizinaltechnik-Unternehmen hat 2012 seinen Schweizer Hauptsitz vom Baselbiet nach Zuchwil verlegt.

«Und natürlich wäre es ideal, wenn die Firma nun auch in Zuchwil bleibt», schiebt Hug nach. «Wir sind darauf angewiesen, weil andere Firmen als Steuerzahler weggebrochen sind.»

Auch mit den weiteren beiden Zuchwiler Steuergrössen Scintilla und Schaerer Kaffeemaschinen suche man den regelmässigen Kontakt. Die Gemeinde hängt am Tropf der drei grossen Unternehmen, die allein 78 Prozent zu den Firmensteuern beitragen. «Das ist klar ein Klumpenrisiko», sagt Finanzverwalter Mike Marti. Doch Zuchwil lebt seit Jahren mit dieser Abhängigkeit.

Firmen aus dem Ausland gelenkt

Auf der anderen Seite lebt die Gemeinde von den Arbeitsplätzen in der Industrie. Gemäss Hug habe man die vielen Stellenverluste bisher verdaut, indem in anderen Bereichen neue Jobs entstanden sind. Verändert habe sich in letzter Zeit einzig, dass die grossen Firmen inzwischen vom Ausland gesteuert werden, so Hug. «Das ist tatsächlich ein Problem.»

Um die finanzielle Abhängigkeit von den Grossfirmen zu reduzieren, baut Zuchwil auf Wohnraum für gehobene Ansprüche. Bisher musste man die Gutverdiener suchen in der Solothurner Vorortsgemeinde.

Das monatliche steuerbare Einkommen der Einwohner beträgt im Durchschnitt 2200 Franken. Zum Vergleich: Im Kanton Solothurn liegt der Schnitt bei 2800 Franken. «Wir streben eine bessere Durchmischung der Bevölkerung an», sagt Hug. «Da sind wir auf einem guten Weg, denn Zuchwil und die Region haben Entwicklungspotenzial.» Hug erwähnt niedrige Lebenshaltungskosten, die Anbindung an Zug und Bus und die kurzen Wege in die Kulturzentren im Land und zu den Schweizer Flughäfen. So bleibe einem Zuchwiler am Ende mehr im Portemonnaie als einem Grossstädter.

Sparen, dass es schmerzt

Wie nachhaltig ist der Lichtblick am Zuchwiler Finanzhimmel? «Das wird sich noch zeigen müssen», sagt Finanzverwalter Mike Marti. Man verfüge zwar über ein Eigenkapital von 1,6 Millionen, doch im Idealfall müsste dies gegen 20 Millionen tendieren. Und noch immer sitzt Zuchwil auf 51 Millionen Schulden. Marti plädiert dafür, den Steuerfuss von 127 Prozent nicht anzutasten.

Auf der anderen Seite hat der Gemeinderat die jährlichen Investitionen auf das «absolute Minimum» von 4 Millionen Franken plafoniert (allein rund ein Viertel davon fliesst ins Sportzentrum), und die Räte sind über die Parteigrenzen hinaus ausdrücklich bestrebt, Ertragsüberschüsse zu generieren.

«Wir müssen die Finanzen noch besser in den Griff kriegen», sagt Hug. Er ist überzeugt, dass sich die Pro-Kopf-Verschuldung von 3000 Franken verringern wird. Sowohl für Hug als auch für Marti ist mit Blick auf die Fusionsabstimmungen klar: Zuchwil ist eine attraktive Braut.

Stefan Hugs Ausführungen klingen wie ein Werbespot: «Unsere Infrastruktur ist intakt, wir haben hervorragende Schulen, ein gutes Angebot im Bereich Jugend und Alter, wir haben keine Leichen im Keller.» Kommt hinzu: In Zuchwil werden in den kommenden Jahren Arbeitsplätze und Wohnungen geschaffen.

Fusion: Junge dafür, Alte dagegen

Mittlerweile äussert sich Stefan Hug als Befürworter einer Gemeindefusion mit Solothurn. «Ich war immer ein Befürworter des Prozesses, und im vergangenen Jahr habe ich keine negative Haltung entwickelt.»

Vorteile eines Zusammenschlusses sieht er vor allem in wirtschaftlichen und raumplanerischen Bereichen. Nun müsse es gelingen, der Bevölkerung die Ängste vor einem Demokratieabbau zu nehmen. Grundsätzlich stelle er in Zuchwil fest, dass jüngere Einwohner einer Fusion positiver gegenüberstehen und die Unterstützung mit dem Alter abnehme.

Skeptischer äussert sich Finanzchef Marti, der in der Fusions-Fachgruppe Finanzen sitzt. Er sieht vor allem den angepeilten Steuerfuss (der möglichst dem von Solothurn vor der Fusion – derzeit 115 Prozent – entsprechen soll) als eher unrealistisch an.

«Dieses Ziel ist, wenn überhaupt, nur durch Sparmassnahmen zu erreichen.» Auch punkto Effizienz im Personalapparat äussert Marti Bedenken. Zwei Personen, zwei Meinungen: Der Gemeindepräsident weist darauf hin, dass man in Zuchwil sowohl auf ein Ja und ein Nein bei der Abstimmung Ende 2015 hinarbeitet.

Doch zuvor steht Stefan Hug eine weitere steinige Budgetdebatte im kommenden Herbst bevor. Und am 25. August startet er zum Weissenstein-Lauf; der ehemalige Präsident des Anlasses hat die 14,1 Kilometer Berglauf noch nie als Wettkämpfer bestritten.

Die Energie für diese Herausforderungen tankt der 60-Jährige in den Sommerferien, die er mit seiner Frau Monika Rubeli und den Kindern Mirjam und Gabriel in Schottland verbringen wird.