Lebern/Bucheggberg/Wasseramt
Gemeinden unterstützen den Atom-Ausstieg mit Sonnenenergie-Anlagen

«100 Solardächer jetzt» hiess die Förderaktion, mit der die AEK Energie AG 2008 mehrere Solothurner Gemeinden und Private mit dem «Sonnenfieber» ansteckte. Spätestens der Super-GAU in Fukushima rüttelte auch die letzten Gemeinden wach.

Bruno Utz
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Zuchwil vermietet das Dach der Eishalle für den Bau einer Solaranlage.

Zuchwil vermietet das Dach der Eishalle für den Bau einer Solaranlage.

Hanspeter Bärtschi

Der Super-GAU in Fukushima und die danach auf eidgenössischer Ebene beschlossene Energiewende lösten im vergangenen Jahr einen neuen Fieberschub aus: Kaum eine Gemeinde steht seither mehr abseits, wenn es um den Bau von Photovoltaikanlagen geht. Einige Beispiele aus den Bezirken Lebern, Bucheggberg und Wasseramt dokumentieren die Vielfalt der Umsetzungslösungen.

Neue Anlage soll Strombedarf von 100 Haushalten decken

Die Einsprachfrist für die Photovoltaikanlage auf dem Eishallendach Zuchwil endete am 8. Juni. «Meines Wissens ist keine Einsprache eingegangen», sagt Peter Baumann. Widerstand gegen die «breit abgeklärte und gut ins Dach integrierte Anlage» würde ihn auch verwundern, sagt der Leiter der Abteilung Bau und Planung Zuchwil.

Bereits im kommenden Herbst sollen die Solarzellen Strom produzieren. Die Jahresproduktion von 400000 Kilowattstunden soll den Strombedarf von rund 100 Haushalten decken. Als Partner bevorzugte der Gemeinderat das Modell der AEK gegenüber jenem, das die Genossenschaft OptimaSolar offerierte.

Letztere machte dafür in Luterbach das Rennen. Am 12. März beschloss der Gemeinderat einen Strategiewechsel: Mit den im Voranschlag 2012 für den Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Turnhallendach enthaltenen 60000 Franken zeichnete die Gemeinde 60 Anteilscheine der OptimaSolar.

Diese wird nun die Anlage erstellen und betreiben. Allerdings war die Genossenschaft Ende Mai mit gezeichneten Anteilscheinen im Umfang von 104000 Franken noch weit vom Zielwert 300000 Franken entfernt. Es ist geplant, dass die Anlage ab kommendem Herbst Solarstrom produziert. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir den Fahrplan einhalten können», sagt Max Bobst, Präsident der OptimaSolar.

Bellach baut Anlage selber

Eine gegenteilige Spitzkehre vollzog die Gemeinde Bellach: Statt dass ein Contracting-Partner – im Gespräch sind noch AEK und Regio Energie – die Anlage auf der im Bau befindlichen Dreifachturnhalle beim Kaselfeldschulhaus erstellt, schlüpft die Gemeinde selber in die Rolle der Bauherrschaft. Der entsprechende Kreditantrag von 540000 Franken nahm am 5. Juni die Gemeindeversammlungs-Hürde klar.

Solardorf: Mehrere Gemeinden eifern Hessigkofen nach

Sollen neben Bund und Kanton auch die Gemeinden Solaranlagen fördern? «Ja», sagte dazu die Gemeinde Hessigkofen bereits 2008 und lancierte das Projekt Solardorf. Die 100000 Franken Fördergelder beschloss die Gemeindeversammlung aus dem Elektra-Vermögen. Seither unterstützt die Gemeinde jede private Solaranlage mit maximal 2000 Franken und übernimmt die Kosten für die Baubewilligung. 44000 Franken kostete die gemeindeeigene Photovoltaikanlage. Diesen Frühling schloss das Solardorf das erfolgreiche Initialprojekt ab. Seit 2010 unterstützt auch Selzach private Solaranlagen. «Wir fördern alles, was auch der Kanton fördert», erklärt Gemeindepräsident Viktor Stüdeli. Die Fördergelder stammten aus den Erträgen der Konzessionsgebühr, welche die AEK Energie AG Selzach bezahlt. Seither wurden 32 Projekte subventioniert. Hängig sind derzeit drei Vorhaben. «Selzach gehört mittlerweile zu den Gemeinden mit den meisten Solaranlagen im Kanton Solothurn», sagt Stüdeli. Ebenfalls aus den AEK-Konzessionserträgen - das sind 40000 Franken jährlich - will Obergerlafingen die vom Gemeinderat im Grundsatz beschlossene Förderung von Solaranlagen finanzieren. Heute Abend entscheiden die Etziker an der Gemeindeversammlung über eine Änderung des Grundeigentümerbeitragreglements. So sollen künftig die Anschlussgebühren für Photovoltaik- anlagen entfallen. Zwei Wochen später ist die Reihe an Subingen. Zum Entscheid an steht die Umsetzung der von einer früheren Gemeindeversammlung erheblich erklärten «Motion Zimmermann». Ein darauf von der Umweltschutzkommission erarbeitetes Reglement sieht die Förderung der Solarenergie vor. Der Förderbetrag soll auf 15000 Franken jährlich plafoniert werden. Der Gemeinderat empfiehlt jedoch die Ablehnung des Vorhabens. Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, erneuerbaren Energien zu fördern, findet die Ratsmehrheit. (uz)

Das Geschäft ist quasi haushaltneutral, denn laut Gemeindepräsident Anton Probst erhält Bellach vom Regierungsrat aus dem kantonalen Sportfonds 565150 Franken an den Bau der Sporthalle zugesprochen. «Im Gesamtkredit von 8,5 Millionen Franken ist dieser Betrag jedoch nicht enthalten», erklärt Probst den Handlungsspielraum.

Dass Bellach die Anlage selber bauen will, habe auch mit dem für Schuldner günstigen Zinsklima zu tun. Probst: «Die Banken werfen uns das Geld fast nach.» Durch die Eigenfinanzierung der Anlage verbillige sich die Stromproduktion um rund 17 Rappen pro Kilowattstunde. Die Gemeinde verzichte zudem auf die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes.

«Wir wollen den Sonnenstrom selber verbrauchen und nicht von einem Lieferanten teuer zurückkaufen.» Der noch zu bestimmenden Contracting-Partner sei hauptsächlich noch zuständig für Unterhalt, Betriebssicherheit und Garantieleistungen.

Anlagepreise sinken massiv

Auch Biberist baut derzeit eine Dreifachturnhalle. Vorgesehen ist, dass die Gemeindewerke Energieversorgung Biberist (EVB) auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage baut. «Der Verwaltungsrat hat noch nicht darüber entschieden», sagt dessen Präsident, Alfred Götschi.

«Aber mit grösster Wahrscheinlichkeit werden wir die Anlage bauen.» Auch wegen des Preiszerfalls habe der Verwaltungsrat jedoch keine Eile. Das jüngste Angebot sei etwa ein Drittel günstiger als die erste Offerte von rund 400000 Franken. «Die Solarbranche ist extrem im Umbruch», kommentiert Götschi die massive Preisdifferenz. Ziel sei selbstverständlich die gleichzeitige Fertigstellung von Halle und Photovoltaikanlage.

Selzach will Energiestadt-Label

Die Gemeindeversammlung Selzach hiess im vergangenen März insgesamt 12 Millionen Franken für die Sanierung der Schulhäuser und für eine neue Turnhalle gut. Als Kompensation für die Erdgasheizung – «Selzach befindet sich auf dem Weg zum Label Energiestadt», so Gemeindepräsident Viktor Stüdeli – wird auf dem Dach des Schulhauses III eine Solaranlage installiert. Laut Botschaft des Gemeinderates haben Bund und Kanton Fördergelder in der Höhe von rund 118000 zugesichert.

Recherswil steht nicht abseits: Im Rahmen der zweiten Etappe Sanierung Schulhaus/alte Turnhalle genehmigte die Gemeindeversammlung im vergangenen Dezember auch die Installation einer Photovoltaikanlage. Die Investition von 169000 Franken soll laut Gemeinderat innerhalb von rund 13 Jahren amortisiert sein.

«Die Investition ist für Messen so oder so schon gross»

Nächstes Jahr will auch Messen eine neue Turnhalle bauen. Die Gemeindeversammlung bewilligte ebenfalls im vergangen Dezember den dafür notwendigen Kredit von 5,25 Millionen Franken und erhöhte deswegen den Steuerfuss von 130 auf 140 Prozent.

«Eine Photovoltaikanlage ist bisher nicht vorgesehen», sagt Gemeindepräsidentin Marianne Meister. Solarstrom sei zwar ein Thema, geniesse aber bei der Planung bisher nicht erste Priorität. «Die Investition ist für Messen so oder so schon gross», erklärt Meister. Immerhin habe Messen die Dachfläche des Schulhauses an ein Photovoltaik-Unternehmen vermietet. Die Anlage produziere seit etwa zwei Jahren
Solarstrom.