Äusseres Wasseramt
Gemeinden geben ihre Schulen nicht freiwillig auf

Der Kanton will Schulen im Äusseren Wasseramt schliessen, die Standortgemeinden wehren sich. Ein runder Tisch soll Klärung bringen. Nun spielen die Gemeinden einen Trumpf aus: Die Schülerzahlen steigen wieder an.

Christof Ramser
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Start ins Schuljahr in Bolken.

Start ins Schuljahr in Bolken.

Urs Byland

Der Aufschrei war gross im äusseren Wasseramt, nachdem die Pläne des Regierungsrates publik wurden: Die Schulstandorte der regionalen Schule äusseres Wasseramt RSAW sollen konzentriert werden. Die Rede war von zwei Schulhäusern, die aufgrund der rückläufigen Schülerzahlen oder zu kleiner Klassen geschlossen werden könnten. In Bolken und den Drei Höfen regte sich Widerstand. Beide Gemeinden haben Umfragebogen in ihre Haushalte geschickt.

Aus den Rückmeldungen ergibt sich ein klarer Auftrag an die Politik: Sowohl in Bolken als auch in den Drei Höfen stellen sich die Einwohner deutlich hinter ihre Schulen. «Die Standorte sollen mit allen finanziellen Mitteln aufrechterhalten werden», sagt Thomas Fischer, parteiloser Gemeindepräsident der Drei Höfe. In Bolken wurde rund ein Drittel der Fragebogen zurückgesendet, in den Drei Höfen kamen 69 von 310 ausgefüllt zurück. In Bolken wollten davon 95 Prozent den Standort erhalten, in den Drei Höfen 87 Prozent.

Am Dienstag fand nun ein runder Tisch statt. Mit dabei waren neben den Gemeindepräsidien aus Aeschi, Bolken, Etziken, den Drei Höfen und Hüniken der Schulausschuss der RSAW sowie Schulleiter Christian Wyss. Den Kanton vertraten Mario Petiti und Kempe Karsten vom Volksschulamt VSA. Ziel des runden Tisches war eine Auslegeordnung. Was lässt sich optimieren, wo können Kosten gespart werden – und wie soll die kleine Schule mittel- und langfristig ausgerichtet werden?

Negativtrend gestoppt

«Es war ein konstruktives Gespräch», sagt Jeannette Baumgartner, SP-Gemeindepräsidentin von Bolken. Um eine Strategie im Kampf um die Standorte im äusseren Wasseramt zu entwickeln, wollen die Gemeinden von einem externen Büro eine Nutzwertanalyse erarbeiten lassen. «Was bedeutet es für ein Dorf, wenn eine Schule geschlossen wird?», nennt Baumgartner mögliche Fragen. «Lohnt es sich dann noch, dort zu wohnen?» Dabei sollen nicht nur finanzielle, sondern auch pädagogische Aspekte berücksichtigt werden. Die Gemeindepräsidien wollen sich im September noch einmal treffen und das Thema in den Gemeinderäten diskutieren. Später soll der Schulausschuss Varianten abklären.

Einen Trumpf kann Thomas Fischer schon einmal ausspielen: Gemäss neusten Zahlen ist der Negativtrend bei den Schülerzahlen gestoppt. Seit 2010 war die Anzahl von 270 auf 240 gefallen. Jetzt sei die Anzahl stabil und soll bis 2018 wieder auf 252 ansteigen. «Das ist erfreulich», sagt Fischer.

Die Schülerzahlen sind das wichtigste Argument im Ringen um die Schulhäuser. Gemäss kantonalen Vorgaben werden Klassen mit einer Durchschnittsgrösse von 20 Schülern angestrebt. «Wir bewegen uns zwischen 16 und 26 Schülern», sagt Thomas Fischer – also innerhalb jenes Rahmens, der vom Kanton vorgegeben sei.

Bedingungen sollen gleich sein

Die Bandbreite zwischen 16 und 24 Schülern pro Klasse zeige, dass der Kanton keine starren Vorgaben mache. Mario Petiti vom Volksschulamt hält fest, dass es wichtig sei, im ganzen Kanton vergleichbare Angebots-Bedingungen zu gewährleisten. «Gerade kleinere Schulkreise haben trotzdem Mühe, diese Vorgaben einzuhalten, weil die Schülerzahlen schwanken», sagt Petiti.

Welche Varianten die Analyse zeigen wird, ist offen. Klar ist: Alle Gemeindepräsidien der vier Standortgemeinden stehen hinter ihren Schulen. Bis 2018 soll der RSAW seine Planung vorlegen, die Varianten zur Umsetzung beinhaltet. In der Zwischenzeit will das VSA die Planung im äusseren Wasseramt begleiten.