An einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung wurde ein entsprechender Nachkredit für Planungskosten in der Höhe von 10000 Franken genehmigt. Für die «Giraffentränke» hat man hingegen keine Verwendung mehr. Primarschule und Kindergarten sind seit einem Jahr in Lüterkofen untergebracht. An erwähnter Gemeindeversammlung hat der Gemeinderat daher zwei Kaufangebote vorgestellt: eine Variante 1, «Wohnen mit Gewerbe» und eine Variante 2, «Gewerbe mit Wohnen». Wobei in beiden Fällen Wohnfläche und Raum für Gewerbe entstanden wären, einfach mit unterschiedlicher Gewichtung. In Variante 1 waren zwei Wohnungen vorgesehen, in Variante 2 nur eine.

Volk gegen Gemeinderat

Für den Gemeinderat war der Fall an sich klar: «Beide Projekte waren okay, aber aus finanziellen Gründen haben wir die Variante 1 unterstützt», sagt Steiner. Denn die Interessenten hatten für die Liegenschaft 750000 Franken geboten. Vonseiten der Kaufwilligen mit der Variante 2 waren hingegen nur 650000 Franken offeriert worden, 100000 weniger.

Entgegen der gemeinderätlichen Empfehlung entschieden sich aber die anwesenden Stimmberechtigten Hessigkofens an der Gemeindeversammlung für die weniger lukrative Variante 2. Wieso? «Damit das neue Schulhaus dorfintern verkauft wird», sagt der Gemeindepräsident nur und gibt sich alle Mühe, seinen Ärger zu verbergen. «Wir haben den Volkswillen zu akzeptieren.»

«Leben in die Bude bringen»

Der Käufer ist Solarplaner Daniel Lehmann, Inhaber der Genos Energie AG in Lohn-Ammannsegg, und eben Einwohner von Hessigkofen. Sein Wohnort sei sicher ein Faktor, aber wohl kaum ausschlaggebend für die Entscheidung seiner Mitbürger gewesen, erklärt er. «Wir wollen den Umschwung der Schule nicht überbauen, sondern stellen den Naturgarten im Südteil für einen symbolischen Betrag von einem Franken pro Jahr der Gemeinde zur Verfügung, um dort einen Ort für Begegnung zu schaffen. Das ist auch etwas wert.»

Zudem habe er sich bereits vor anderthalb Jahren um den Kauf des Gebäudes bemüht, als er nach neuen Räumlichkeiten für seinen Betrieb suchte. Diese Vorgeschichte sei wohl auch noch vielen Einwohnern in Erinnerung gewesen.

«Inzwischen sind wir in Lohn gut eingerichtet.» Dass die Genos Energie AG nach Hessigkofen zieht, wäre höchstens mittel- bis langfristig ein Thema. «Wir sind aber bemüht, andere Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe ins neue Schulhaus zu holen. Wir wollen wieder Leben in die Bude bringen.» Denn dass das Gebäude wieder genutzt werde, habe nach anderthalb Jahren oberste Priorität. «Ich denke, auch davon kann die Gemeinde profitieren.»