Der Kanton hat sich schon in der Vorprüfung der Ortsplanungsrevision gegen Neueinzonungen ausgesprochen. Schliesslich prognostizierte er der Gemeinde Lüterswil-Gächliwil einen Rückgang der Bevölkerung in den nächsten 20 Jahren auf 300 Bewohnerinnen und Bewohner. Im Bericht zur anstehenden Ortsplanungsrevision schreiben die Verfasser aber: «Eine rückläufige Entwicklung kann nicht das Ziel einer Gemeinde sein.»

Gut möglich, dass mit der aktuellen Ortsplanungsrevision wenigstens die aktuelle Einwohnerzahl von 340 beibehalten werden kann. Diese ist übrigens in den letzten zehn Jahren seit der letzten Revision konstant geblieben.

Obwohl in dieser Zeit 16 neue Einfamilienhäuser gebaut wurden. Was sich änderte, ist die Belegungsdichte der Wohnungen. Diese betrug im Jahr 2000 2,55 Einwohner pro Wohnung. Aktuell liegt die Zahl bei 2,1.

Weiter schreiben die Verfasser (Ortsplanungskommission und BSB + Partner), dass die Nachfrage nach Wohnraum vorhanden sei, aber das Angebot sehr beschränkt ist. In den letzten zwei Jahren sei in Lüterswil-Gächliwil keine leere Wohnung auf dem Markt gewesen. Was aber laut Gemeindepräsident Kurt Burkhalter verfügbar sei, ist Bauland. «Wir haben von der letzten Ortsplanungsrevision noch rund zehn Bauplätze.»

Bauland ist vorhanden

Entgegen der Prognose des Kantons denkt die Gemeinde an Wachstum. Dieses wurde im Räumlichen Leitbild, welches an der Gemeindeversammlung 2012 gutgeheissen wurde, festgeschrieben.

Die Rede ist von 370 bis 400 Einwohnerinnen und Einwohner in den nächsten 15 Jahren. Momentan habe es theoretisch Platz für weitere 51 Einwohner (in der unbebauten Bauzone).

Wie sollen nun diese theoretisch 27 Wohnungen bis ins Jahr 2030 entstehen? Innerhalb der bestehen Wohn- und Mischzone bestehen beispielsweise zwei grössere Flächen, welche bis anhin nicht verfügbar sind. Nun habe man das Gespräch mit den Grundeigentümern gesucht.

Ziel ist es, eine vertragliche Bauverpflichtung zu erzielen. Sollte diese nicht unterzeichnet beziehungsweise nicht eingehalten werden, könnte das Land der Reservezone zugewiesen werden.

Gemeindepräsident Burkhalter setzt da aber noch einige Fragezeichen. Das aktuelle Planungs- und Baugesetz gibt zwar Handhabe für Auszonungen, aber ist die Zuweisung in die Reservezone eine Auszonung? Eine Rückzonung in die Landwirtschaftszone sei wiederum nicht im Sinne der Gemeinde. «Und auch der Kanton wird kaum Parzellen in der Kernzone in Landwirtschaftsland auszonen wollen.»

Die von der Ortsplanungskommission intensiv diskutierte Einzonung von 60 Aren im Eyacker hatte beim Kanton keine Chance. «Da wurde uns eine Entscheidung abgenommen.» Eine Einzonung könnte aber von Erfolg gekrönt sein.

Obwohl der Kanton sich dagegen ausspricht, lässt er mit sich reden, wenn es um nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Gebäudegruppen im Dorfkern geht. Dazu soll in Lüterswil-Gächliwil die neue erweiterte Weilerzone geschaffen werden.

Mit dieser Umzonung von Landwirtschaftsland innerhalb der Gemeinde wird eine Umnutzung möglich, wobei Neubauten nicht erlaubt sein. Insbesondere im Dorfteil Gächliwil mit seinem regional bedeutenden Ortsbild soll die neue Zone Umbauten in den früheren Bauernhöfen ermöglichen.

Dort sind insgesamt 181 Aren bereits bebauter Flächen in die neu definierte erweiterte Weilerzone eingezont worden. «Die Grundeigentümer sollen mehr Freiheiten bekommen», sagt Burkhalter.

Deshalb wird Wohnzone 2 reduziert und die Erhaltungszone gesamthaft in die Wohnzone2 überführt. In allen Zonen wird auf eine Nutzungsziffer verzichtet. Es gilt neu die Grünflächenziffer.

Im Hinblick auf die nächste Ortsplanungsrevision wurden auch die Reservezonen neu gestaltet. Unattraktive Gebiete werden in die Landwirtschaftszone entlassen. Kompensiert wird mit einem Gebiet nahe beim Dorfzentrum.

Burkhalter hofft nun, dass die Auflage der Ortsplanungsrevision zügig über die Bühne geht. «Wir sind arg in Zeitdruck und werden deshalb mit allfälligen Einsprechern sofort Gespräche führen.»

Ab 1. Mai tritt das revidierte Raumplanungsgesetz in Kraft. Die deshalb nötigen kantonalen Anpassungen im Raumplanungsgesetz und im Richtplan werden Einzonungen in den nächsten Jahren verunmöglichen. «Wir gingen davon aus, dass der Termin der 1. Juni sein wird. Nun haben wir einen Monat Verzug.»