Gerlafingen
Gemeinde ringt wegen Schulden um Schulhausprojekt

Noch immer ist die Platznot in der Schule gross. Das Loch in der Gemeindekasse aber ebenfalls.

Gundi Klemm
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Werner Rutsch (FDP) und die von ihm präsidierte Finanzkommission warnten davor, dass das Vorhaben für die Gemeinde angesichts ihrer Schulden nicht vertretbar sei. (Symbolbild)

Werner Rutsch (FDP) und die von ihm präsidierte Finanzkommission warnten davor, dass das Vorhaben für die Gemeinde angesichts ihrer Schulden nicht vertretbar sei. (Symbolbild)

Keystone

«Planung top – Finanzen flop», so lässt sich salopp der Stand der Dinge um das Gerlafinger Schulbauprojekt «Rochade» zusammenfassen. Zur Erinnerung: Bei diesem geplanten Bauvorhaben handelt es sich wegen akuter Schulraumnot um den Tausch der Schulhäuser zwischen Oberstufe und Primarschule mit vorgesehener Aufstockung des Schulhauses Kirchacker. Die schon vor der Sommerpause vorgestellte Idee war in der Schulleitung entstanden und mit grossem Arbeitsaufwand in nur wenigen Wochen zwischen Bauverwaltung und Baufachleuten zu einer fast baureifen Vorlage entwickelt worden.

Dem Gemeinderat war vorbehalten, die Finanzierung des auf brutto 8 Millionen Franken geschätzten Entwurfs und seine Tragbarkeit für die Gemeinde zu diskutieren. «Wir würden es so gerne ermöglichen», gab Gemeindepräsident Peter Jordi (SP) die Stimmung der Gemeinderatskommission wieder. Eine Chance zur Finanzierung – ohne Steuererhöhung – sieht er in radikaler Investitions-Verzichtsplanung für die nächsten Jahre.

«Das ist nicht vertretbar»

Werner Rutsch (FDP) und die von ihm präsidierte Finanzkommission warnten davor, dass das Vorhaben für die Gemeinde angesichts ihrer Schulden nicht vertretbar sei. Unterstützung fand er in SVP-Mann Roger Käsermann. «Wir brauchen jetzt Wagemut, denn unsere Schulen sind auch in der Zukunft wichtig», appellierte Jordi. Immerhin seien in Gerlafingen beachtliche Wohnbauvorhaben realisiert und in Vorbereitung, die ergänzt mit dem S-Bahn-Anschluss Gerlafingen für Zuzüger attraktiver machen. Die Bedenken sind zahlreich, dass dieses Bauprojekt «kostenmässig aus dem Ruder gelaufen» sei und den Finanzrahmen komplett sprengen werde. Dem hielten Bruno Rätz namens der Baukommission sowie die Schulleiter Martin Müller und Pascale Hunziker entgegen, dass man der «Rochade» eine Chance geben solle, weil es in der Schulraumproblematik keine kostenlose Lösung gebe. Rätz: «Notmassnahmen wären zusammengerechnet viel teurer.» Schliesslich verständigte sich der Rat, dass Gemeindeverwalterin Katalin Kulcsar alle Sparmöglichkeiten auflistet und dass man mit zusätzlichen Abstrichen am 6. November entscheidet. Der Zeitdruck entsteht durch die bis Ende 2014 gültige kantonale Subventionspraxis, die «Rochade» mit 700 000 Franken unterstützen würde.

Daniel Aebli: «Ich bin grundsätzlich optimistisch»

In seinem Referat vor dem Gemeinderat Gerlafingen vermittelte Daniel Aebli, Chef der Stahl Gerlafingen AG, einen Überblick über das Stahlwerk. Jährlich werden aus 800 000 Tonnen Stahlschrott Bewehrungs- und Profilstahl produziert. «Ich bin hier am Standort Gerlafingen mit seiner 200-jährigen Geschichte sozusagen der ‹Hüttenwart›», beschrieb Aebli humorvoll seinen Aufgabenbereich als Unternehmensleiter innerhalb der aus sechs eigenständigen Firmen bestehenden Beltrame-Gruppe. Nach einem Absatz-Dämpfer 2013 habe man Produktion und Verkäufe wieder steigern können. Bis August 2014 wurden im Stahlwerk 460 000 Tonnen, in den beiden Walzwerken 388 000 bzw. 54 000 Tonnen, im Ringcenter 293 000 Tonnen und in der Mattenfabrik 27 000 Tonnen Stahl hergestellt. Damit konnte ein um zwei Millionen verbesserter Nettoerlös von 268 Millionen Franken als ursprünglich geplant erzielt werden.

«Bezüglich Betonstahl sind wir Marktführerin in der Schweiz». In 45 Minuten stelle das Werk 80 Tonnen Stahl her. Der Stromverbrauch im Stahlwerk liege pro Stunde bei 40 000 Kilowatt. Aber der internationale Preiskampf sei hoch und erfordere ständige Optimierungen auf allen Gebieten wie im technischen Ausbau, aber auch bei Effizienz- und Kostensenkungsprogrammen. Seit 1997 arbeiten um die 500 Angestellte mit einem augenblicklichen Durchschnittslohn von brutto 5400 Franken im Werk.
Deutliche Sorgen bereitet gemäss Aebli der Energiepreis. «Neue Abgaben könnten unsere Wertschöpfung wesentlich beeinträchtigen», benannte der Unternehmensleiter Rahmenbedingungen des Wettbewerbs. Zur Standortsicherheit betonte er auf Nachfrage aus dem Gemeinderat, dass er trotz des hierzulande herrschenden liberalen Arbeitsmarkts und Branchenproblemen in Europa ein Schliessungsrisiko nicht erkennen könne.

Allerdings sei das Stahlwerk weiterhin auf gut ausgebildete Fachleute aus dem Ausland angewiesen, weil diesbezügliche Studiengänge hier nicht angeboten würden. Neben den dargestellten Massnahmen nach der kürzlichen Schlacken-Verpuffung durch Dampfdruck ging Aebli auf zahlreiche Verbesserungen im Lärmschutz durch Dämmung, Schulung der Mitarbeitenden und Verminderung an der Quelle ein.

Als Wunsch an die Gemeinde formulierte er die politische Unterstützung in der Energiefrage und die Verkehrsführung zum Werk mittels Autobahnzubringer. Die Gemeinderäte warben dafür, dass mehr Kadermitglieder in Gerlafingen wohnen sollten. Abschliessend meinte Daniel Aebli, dass er grundsätzlich optimistisch in die Zukunft sehe, bei einer für 2015 realistischen Steigerung des Betriebsergebnisses um 10 Millionen Franken und einer Erhöhung der Stahlproduktion um 30 000 Tonnen. (gku)

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