Fusionsgemeinde
Gemeinde Messen ist trotz hoher Steuern auf Kurs

Die Fusion mit Brunnenthal, Balm und Oberramsern ist in Messen, der südlichsten Gemeinde des Kantons, längst Alltag. «Wir sind zusammengewachsen, wir gehören zusammen, wir arbeiten zusammen», so Gemeindepräsidentin Marianne Meister.

Simon Binz
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Blick auf ein Erfolgsprojekt: Die Fusionsgemeinde Messen. Archiv

Blick auf ein Erfolgsprojekt: Die Fusionsgemeinde Messen. Archiv

Peter Brotschi

Sackgasse! Zufahrt über den Schulhausweg nicht gestattet! Dann halt zu Fuss. Langsam kommt der weit über die Gemeinde hinaus sichtbare Baukran näher. Die Lautstärke der Sicherheitssirene lässt zusammenzucken. Hier wird «krampfet» – auf Hochtouren. Die geplante Mehrzweckhalle nimmt Formen an. Sollte sie auch, denn bereits nach den Sommerferien möchte man den 5,25 Mio. Franken teuren Bau einweihen.

Im Vorfeld gab die erste grosse Investition der vier, auf den 1. Januar 2010 fusionierten Gemeinden (Messen, Brunnenthal, Balm und Oberramsern) viel zu reden. Um das Projekt zu realisieren, mussten die Stimmbürger im Dezember 2011, neben dem Antragskredit, auch noch eine Erhöhung der Steuern von 120 auf 140 Prozent schlucken.

Das sorgte damals bei Einigen für Stirnrunzeln. Stets argumentierten die Befürworter aber, dass Anpassungen am Steuerfuss so oder so nötig seien. Der Frust über die hohe Investitionssumme hat sich inzwischen mehrheitlich gelegt. Aber wie geht es nun Messen heute – vier Jahre nach der Fusion?

Meister schwärmt von Messen

Eine Stunde vor der Gemeinderatssitzung nehmen sich drei Fusions-Begleiter Zeit, über Messen zu reden: Marianne Meister, frühere und jetzige Gemeindepräsidentin, Bernhard Jöhr Ex-Vizegemeindepräsident von Oberramsern und aktueller Vize von Messen sowie Adrian Schär. Er ist Messener Gemeinderat und war Brunnenthals Gemeindepräsident. Meister und Jöhr erklären, sie hätten kurz zuvor noch darüber diskutiert, dass die Fusion zu weit weg erscheine, um sie wieder zu thematisieren. «Wir sind einfach schon so gut eingespielt», sagt Marianne Meister.

Serie: Nach der Fusion

In einer fünfteiligen Serie beleuchten wir die Gemeinden, die in den letzten Jahren in den Bezirken Lebern, Bucheggberg und Wasseramt fusioniert haben. Wie beurteilen die Einwohner die Auswirkungen, was sagen die Behörden? Was hat sich gut entwickelt, wo gibts Probleme? Den Auftakt machten am 31. Dezember Aeschi und Steinhof, die auf den 1. Januar 2012 fusioniert haben. (crs)

Die Gemeindepräsidentin lobt die Fusion in den höchsten Tönen. «Wir sind zusammengewachsen, wir gehören zusammen, wir arbeiten zusammen. Für mich war es der richtige Schritt.» Sie blickt in die Runde, sucht nach Bestätigung. Die anderen nicken. Bernhard Jöhr, Vater (fast) aller Fusionen im Bucheggberg, lässt das Geschehen Revue passieren. «Ich durfte ja damals die Leitung übernehmen», sagt er, hält eine relativ dünne Mappe in die Luft und fährt dann fort, «und ich durfte ja auch das Fusionsprojekt Buchegg leiten.»

Er hält nun eine weitere, wesentlich dickere Mappe, in die Luft. «Dieser ‹Schunken›», er wedelt mit der dicken Mappe, «war für die Gemeinde Buchegg», sagt er und zeigt damit, dass im Fall Messen die Fusion sehr pragmatisch angegangen wurde. «Die wesentlichen Fragen sind aufgeworfen worden, ansonsten liessen wir uns auf ein Abenteuer ein. Das darf man ruhig so sagen», sagt Jöhr.

Die Idee zur Fusion sei übrigens aus Oberramsern gekommen. «Wir konnten unsere Behörden nicht mehr stellen», so Jöhr. Diese Situation habe sich im ganzen Fusionsprozess als Vorteil erwiesen. «Wenn nämlich die Fusionsanfrage von Messen gekommen wäre, hätten alle das Gefühl gehabt, Messen will sich die anderen Gemeinden einverleiben.»

Wie geht es den Ortsteilen?

In Bezug auf die Befindlichkeit in seinem Ortsteil meint der ehemalige Vize-Gemeindepräsident von Oberramsern: «Unsere Verwaltung wurde schon vor längerer Zeit nach Messen ausgelagert.» Darum sei für sie der politische Schulterschluss der logische nächste Schritt gewesen. Heute würde in seinem Ortsteil kein Mensch mehr über die Fusion reden. «Als es um den Kredit für die Mehrzweckhalle ging, ja da gab es einen kleinen Aufmarsch. Verständlich, so ein Riesenprojekt kannte man bisher bei uns nicht», sagt Bernhard Jöhr und schmunzelt.

André Grolimund: «Nichts Negatives»

Angesprochen auf die vier Jahre zurückliegende Fusion von Messen, zeigt sich André Grolimund, Chef Amt für Gemeinden des Kantons, etwas überrumpelt und erklärt, er müsse sich erst bei seinen Kollegen erkunden. Er verspricht einen Rückruf. Eine halbe Stunde später: «Ich habe mich bei meinen Leuten umgehört, niemand hatte was Negatives zu erzählen», so Grolimund. Es sei ein äusserst positives Zeichen, wenn seine Alltagsbegleitung stark abgenommen habe. Weiter bezeichnet er die Leaderfunktion, die Messen in Sachen Fusion übernommen habe, als sehr positiv. «Auch im Hinblick auf Buchegg, dort hatte man registriert, ‹hey es geht›.» Als «bedauerlich» bezeichnet er lediglich, dass Unterramsern und die jeweiligen Bürgergemeinden nicht auch mitmachen wollten.(SBI)

Was er als «etwas negativ» beurteilt, ist die Beteiligung der Oberramser am Gemeindegeschehen. «Seit der Fusion tendiert diese gegen null.» Jöhr glaubt aber, dass Themen wie die anstehende Ortsplanungsrevision, also Angelegenheiten, die alle Ortsteile betreffen, das Interesse wieder ansteigen lassen.

«Ich hatte eine sehr starke Verwaltung, an dem wäre es also eigentlich nicht gelegen», erklärt Adrian Schär, ehemaliger Gemeindepräsident von Brunnenthal. Als dann die Anfrage gekommen sei, habe es «nützts nüt, so schadts nüt» gegolten, sagt er und lacht. «Und schon waren wir voll im Fusionsprozess integriert.» Er sehe für seine Gemeinde keinen Nachteil. Auch Jürg Witschi, ehemals Gemeindepräsident von Balm und jetziger Gemeinderat findet nur lobende Worte für die Fusion. «Wir haben in Balm bemerkt, dass es mit damals 108 Einwohner nicht mehr möglich gewesen wäre, Ämter neu zu besetzen.»

Steuersenkung – falls möglich

Trotz aller Euphorie, der hohe Steuersatz, der Messen im Jahr 2011 praktisch an den Schwanz der kantonalen Liste katapultierte, bleibt. Bernhard Jöhr, ebenfalls Finanzverwalter von Messen: «Wir haben noch immer ein sehr respektables Eigenkapital. Klar, wir könnten jetzt die Steuern senken, aber dann hätten wir das Eigenkapital innerhalb von fünf, sechs Jahren aufgebraucht.» Das sei nicht das Ziel.

Man möchte haushälterisch vorgehen. Andererseits hätten sie auch bereits darüber diskutiert: «Wenn sich die Gelegenheit für eine Steuersatzsenkung bietet, wollen wir diese auch wahrnehmen.