Feldbrunnen

Geköpfte Männer von Feldbrunnen unter der Lupe

Die Skelette, die im Juni in Feldbrunnen nahe der Baselstrasse ausgegraben wurde, werden wissenschaftlich untersucht. Zum Vorschein kommen erstaunliche Details. Hinrichtung durch das Schwert lautete demnach das Urteil für die Männer.

«Schauen Sie, der Mann muss ständig an entzündetem Zahnfleisch gelitten haben.» Susi Ulrich-Bochsler zeigt auf die freiliegenden Zahnhälse. «Und hier, das ist ganz interessant», die Anthropologin deutet auf zwei runde Löcher in den Schneidezähnen. «Der Hingerichtete hat jahrelang Tonpfeife geraucht.» Sie legt den Kiefer weg.

Kantonsarzt Christian Lanz reicht ihr weitere Schädelteile. «Die Wachstumsfuge an der Schädelbasis ist verschlossen und auch die übrigen Kriterien weisen darauf hin, dass der Mann zwischen 30 und 40 Jahre alt wurde.»

Ulrich-Bochsler legt den Schädel vorsichtig zurück auf den Untersuchungstisch. Ihr Blick wandert zu den zwei anderen Tischen, wo weitere gelbbraune Knochen und Knochenteile liegen. Es sind Hunderte. Schön sortiert nach ihrer Art und nach der Situation, wie sie im Juni in Feldbrunnen nahe der Baselstrasse von den Archäologen ausgegraben wurden.

Besonders gut erhaltene Skelette

«Wir haben zwei gut erhaltene Männerskelette, vermutlich eine Frau, deren Kopf fehlt, und einen Oberkörper», erklärt Ulrich-Bochsler. Hinzu kommen ein Oberarm und ganz viele andere Knochen, die sie jetzt den mindestens vier Menschen zuzuweisen versucht. Es ist wie bei einem Puzzle. Welches Knochenstück gehört zu wem? Die Anthropologin steht vor einer schwierigen Aufgabe. «Es ist ein Durcheinander.»

Ulrich-Bochsler verfügt aber über lange Erfahrung, wie kaum jemand in der Schweiz: Sie hat in ihrem Leben bereits mehrere tausend Skelette untersucht. Die meisten waren ebenfalls von Archäologen ausgegraben worden. Auch mancher Hingerichtete war dabei. «Man findet aber selten so gut erhaltene Skelette von Hingerichteten wie diejenigen von Feldbrunnen.»

Der Scharfrichter traf sehr gut

Die Toten lagen an der Sandmattstrasse in einer Grube - sinnigerweise in sandigem Boden, weshalb sie gut erhalten blieben. Bauarbeiter stiessen auf die Knochen und informierten die Kantonsarchäologen. Waren es menschliche oder tierische Knochen? Handelte es sich hier sogar um ein Verbrechen? Die Archäologen riefen sofort Kantonsarzt Christian Lanz. Er ist Facharzt für Rechtsmedizin und hat bereits mehrmals ausgegrabene Skelette aus dem Mittelalter und dem 18. Jahrhundert untersucht. «Ich habe bis in die Nacht hinein mit der Taschenlampe auf der Ausgrabungsstelle gearbeitet», berichtet Lanz.

Schnell war für ihn klar: Es handelt sich um Menschen, die mit einem Schwert hingerichtet und in der Grube verscharrt wurden. Nicht nur lagen die Köpfe zwischen den Beinen der Skelette. Der hieb- und stichfeste Beweis war ein anderer: ein glatt durchtrennter Halswirbel. «Der Scharfrichter hat sehr gut getroffen», sagt Christian Lanz und zeigt auf den halbierten 5. Wirbel des zweiten vollständig erhaltenen Männerskeletts.

Ulrich-Bochsler tritt hinzu. Sie nimmt den Kopf des Hingerichteten: «Die Schädelbasisfuge und andere Skelettteile zeigen, dass es sich um einen 17- bis 20-jährigen Mann handelt. Er hatte ein schmales, sehr hohes Gesicht.» Dies im Gegensatz zu seinem «Kollegen», dem Pfeifenraucher. Dessen Schädel ist gross, das Gebiss kräftig und die Oberarmknochen sind lang und dick. «Der Mann war ausserordentlich kräftig gebaut», erklärt die Anthropologin. Über die Frau und die vierte Person kann sie noch keine Aussagen machen. Ob auch sie mit dem Schwert hingerichtet wurde, ist unklar.

Für den Rechtsmediziner Lanz sind die Untersuchungen praktisch abgeschlossen: «Todesart und -ursache stehen für die zwei Männer eindeutig fest.» Hinrichtung durch das Schwert. Die Anthropologin wird noch zwei Tage lang die Knochen sortieren, zusammenfügen, vermessen und untersuchen. Dann schreibt Lanz zusammen mit ihr einen Bericht zuhanden der Kantonsarchäologie.

Für welche Tat Kopf hingehalten?

«Wir gehen zurzeit davon aus, dass die Menschen um das Jahr 1700 hingerichtet wurden», erklärt Archäologin Ylva Backman. Noch offen ist, ob die Identität der Toten eruiert werden kann. Hierzu wären umfangreiche Recherchen in den im Staatsarchiv aufbewahrten Gerichtsakten notwendig. Dann erst würde auch klar, für welche Taten der Pfeifenraucher und die drei anderen Menschen ihren Kopf hinhalten mussten.

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