Ein Gewerbler aus Littau berichtete, was die Biberister Gewerbetreibenden von einer Fusion erwarten könnten. Eingeladen hatte das Gewerbe Region Biberist. Zum Diskussionsabend erschienen nicht ganz 20 Gewerbetreibende.

Mager also das Interesse, dabei war der Anlass der erste gewerbepolitische des Vereins, was doch eigentlich die Brisanz der zur Diskussion stehenden Fusion Top 5 (Solothurn, Biberist, Derendingen, Luterbach und Zuchwil) für das Gewerbe unterstreichen sollte. Die SVP Biberist, die sich vehement gegen die Fusion einsetzt und bisher eine, wenn auch kritische Mitarbeit verweigerte, hat dies erkannt und war gut vertreten.

Vereinspräsident Konrad Imbach hatte Roland Buob eingeladen, der den lokalen Gewerbeverein «Unternehmungen Littau Reussbühl» (Arbeitgeberorganisation der Stadtteile Littau und Reussbühl) präsidiert.

Littau fusionierte per 1. Januar 2010 mit Luzern. «Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, welche Tipps können Sie uns geben», fragte Konrad Imbach den Gast. Buob verglich eine Fusion mit einer Eheschliessung oder einer Geschäftspartnerschaft und mahnte vor allem zur Vorsicht.

«Bei einer Fusion droht ein Aufblähen der Verwaltung, kleiner wird der Apparat nicht mehr», warnt er vor zu viel Bürokratie. Um ein Beispiel ist er nicht verlegen und erwähnt das Beispiel eines Baugesuches für ein Dachfenster.

In der politisch eigenständigen Gemeinde Littau habe das Verfahren zirka sechs Wochen gedauert. Heute erfahre das Baugesuch ein Vernehmlassungsverfahren und werde intern unzähligen Amtsstellen vorgelegt, was die Dauer des Verfahrens verlängere.

«Ein unnötiger Bürokratieaufwand, weil niemand mehr die Verantwortung übernehmen will.» Er plädiere deshalb bei einer Fusion für eine stadtteilnahe Organisation der Verwaltung nach dem Motto: aus der Region für die Region. «Warum nicht ein Sachbearbeiter vor Ort und die Administration zentral.»

Er riet dem lokalen Gewerbe, den bisherigen Verein beizubehalten. «Natürlich kann ein Dachverein gegründet werden, der sich um die gewerbepolitischen Anliegen bemüht. Aber die lokalen Gewerbler brauchen den Kontakt zu ihren Kunden.»

«Es gibt aber auch Verlierer»

Er selber habe von der Fusion nur profitieren können, weshalb er, dies vorweg, am Ende des Anlasses auf die entsprechende Frage erklärte, er würde wieder Ja zur Fusion im Luzernischen sagen.

«Jetzt führe ich ein Unternehmen in der Stadt Luzern.» Plötzlich erhalte er auch aus der Stadt Aufträge. «Es gibt aber auch Verlierer.» Weil alles öffentlich ausgeschrieben werden müsse und der Günstigste berücksichtigt werde, würden kaum mehr lokale Betriebe an öffentliche Institutionen liefern. «Kein örtlicher Bäcker hat einen Auftrag, das Fleisch kommt aus Obwalden», nannte er einige Beispiele.

In der anschliessenden Diskussion kamen aus dem Plenum wichtige Fragen. Eine war grundsätzlich und wollte den Sinn der Fusion ergründen. Hier konnte Martin Blaser, Gemeindepräsident von Biberist und Co-Präsident der Arbeitsgruppe Top 5, helfen.

«Solothurn braucht uns, um mehr Gewicht zu bekommen in allen Bereichen wie Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Umgekehrt gehören wir bei einer Fusion auch dazu und profitieren davon.»

Er erwähnte aber auch völlig andere Ausgangslagen, etwa bei der Koordination bei Firmen-Ansiedlungen oder von Wohngebieten. Roland Buob legte zudem den Fokus auf zwei weitere Punkte.

«Das Entwicklungspotenzial ist mit der Fusion für Littau viel grösser geworden, und die Fusion hat eine positive Dynamik erzeugt.» Buob gelang es, etwas von dieser Aufbruchstimmung in Littau in den kleinen Saal im «Läbesgarte« in Biberist zu tragen.

Ein wesentlicher Teil der nicht nur negativen Fusionsbilanz von Buob liegt aber in etwas ganz anderem: «Ich bin heute ein stolzer Littauer und ein stolzer Luzerner.» Biberist sei eine starke Gemeinde und Solothurn, so sein Fazit nach einem Besuch, «ist einfach eine schöne Braut.»