Kestenholz
«Gehabt euch wohl, ihr Ritter ohne Furcht und Tadel!»

Eine grosse Schar von Rittern versetzte gestern Sonntag das Dorf in eine andere Zeit: Über 30 Ritterorden massen sich bei einladendem Wetter in mittelalterlichen Disziplinen und tauchten ein in ein reges Markttreiben.

Arlette von Rohr-Flück
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In zahlreichen Disziplinen massen sich über 30 Ritterorden am Mittelalterfest in Kestenholz.

In zahlreichen Disziplinen massen sich über 30 Ritterorden am Mittelalterfest in Kestenholz.

Bruno Kissling

Ideenreich waren die Namen der verschiedenen Ritterorden – Agrarius, I cavalieri oder der furchterregende Ritterorden Drachenblut – und nicht weniger ideenreich war die Aufmachung der verschiedenen Gruppen. Aufwendig gekleidete Ritter bevölkerten schon früh am Morgen das Spielfeld, das am Vortag von unzähligen Mitgliedern des Turnvereins und der Schule Kestenholz vorbereitet worden war. Gespielt wurde an rund 20 Posten in mittelalterlicher Manier. Da versuchten sich angriffige und gemässigtere Ritter im Huckepack-Kampf, traten gegeneinander im Balancier-Stabkampf an und schossen treffsicher mit Pfeil und Bogen auf eine «strohige» Zielscheibe.

Keiner zu klein, ein Ritter zu sein

Die Stimmung hätte nicht besser sein können. Viele Gruppen waren mit drei Generationen unterwegs, und da die Spiele nicht nur mittelalterlich waren, sondern auch generationenübergreifend, kämpften die Jüngsten unentwegt mit Eltern und Grosseltern um alles oder nichts.

Auch der Ablauf klappte reibungslos. Da im Mittelalter viele «einfache» Spiele gespielt wurden, waren die Spielregeln schnell erklärt – Wartezeiten gab es daher kaum. Die Ritterorden hatten sichtlich Spass an den mittelalterlichen Spielen, zumal der Turnverein Kestenholz viel Kreativität hat walten lassen beim Herstellen der Utensilien für die einzelnen Disziplinen. Da wurden «Böckli» zu Pferden und Heuballen zu Zielscheiben – mit viel Flair für mittelalterliche Details verwandelte der Turnverein den Kampf- und Marktplatz in eine mittelalterliche Oase mitten im Dorf.

Authentischer Auftritt der Band Koenix

Auf dem Marktgelände herrschte während des ganzen Tages emsiger Betrieb. Eine Kinderschar bestaunte die Performance der Feuerspucker. Deren Jonglierkünste mit Feuerstäben und Feuerreifen wussten zu beeindrucken. Und als sie dann «Rauchwolken» aus dem Mund zauberten, brachte manch erwachsener Zuschauer den eigenen Mund nicht mehr zu. Spektakulär und authentisch war auch der Auftritt der Band Koenix. Mit Sackpfeifen, mächtigen Trommeln und einer einmaligen Bühnenpräsenz entführten Koenix eine grosse Schar von faszinierten Zuschauern und Zuhörern in die Welt des Mittelalters.

Die jüngsten lauschten in der Stroharena gespannt den ideenreichen Geschichten des Herrn Felix Fabolus. Aber, wie es sich gehört für das Dorf, wurde nicht nur konsumiert. Viele liebevoll dekorierte Marktstände präsentierten mittelalterliche Handwerkskunst mit traditionellen Waren, natürlichen Stoffen und Farben und luden ein, selbst auszuprobieren.

Lederarmbänder konnten da gebastelt werden, im Filzen durfte sich Jung und Alt üben, kunstvolle Blumenkränze konnten gefertigt werden und wer sich nicht scheute, lauschte gespannt den Orakelweisheiten. Schreinermeister Roli Bürgi leitete interessierte Ritter an, eine Sonnenuhr aus Holz zu basteln. Die Einfachheit und Vielfalt der Stände war beeindruckend, wie auch die Marktanbieter, die mit Enthusiasmus ihr Kunsthandwerks-Wissen weitergaben.

Kulinarische Gaumenfreuden

Derart viele Eindrücke, derart viele Stände und Attraktionen, da blieb der ritterliche Hunger und Durst nicht aus. Pullus Variantus und Olusculum wurden da angeboten oder vielleicht besser ein frisches Schlangenbrot, gebacken am offenen Feuer? Die vielen Festbänke waren um die Mittagszeit sehr gut besetzt und bis in den späteren Nachmittag hinein liessen sich die Ritterorden verköstigen, gönnten sich einen Ritterkaffee und frische Holzofenwaffeln. «Gehabt euch wohl» – mit dieser mittelalterlichen Grussformel verabschiedete sich so mancher zufriedener Ritterorden am späten Nachmittag.

«Auf Wiedersehen» – ja, das wünschten sich viele Besucher des Ritterspektakels. Marlis Leclerc und Silvia Wiemann vom OK Ritterspiele haben zusammen mit vielen Turnern und Lehrern einen einmaligen Anlass auf die Beine gestellt. Ein kleiner, sichtlich müder Ritter des Ordens Drachenblut brachte es auf den Punkt: «Das isch so lässig gsi, Papi, wänn findet die nöchschte Ritterspiel statt?»

Aufgrund der grossen Nachfrage für den Besuch des Freilichtspiels «Denk-mal» findet am Donnerstag, 14. Juni, eine Zusatzvorstellung statt. Über die witterungsbedingte Durchführung wird am Vortag entschieden. Karten können auf der Gemeindeverwaltung (Tel. 062 393 28 30) reserviert werden.