Mit roter Krawatte erschien Pirmin Bischof am Mittwoch im «Kreuz» Lüterkofen. Dort fand der von der SP Bucheggberg und der SP Wasseramt organisierte Anlass statt, der folglich hauptsächlich Besucherinnen und Besucher aus den linken Reihen anzog.

Seit dem letzten Wahlkampf seien die beiden nicht mehr gegeneinander angetreten, kündigten Bischof und Zanetti zu Beginn der Debatte an. Verstehen würden sie sich aber gut, immerhin vertreten sie nun gemeinsam unseren Kanton im «Stöckli».

Im Gespräch über die Uneinigkeit betreffend der 1:12-Initiative wurde denn auch schnell klar, was den beiden eigentlich am meisten zugesagt hätte: Die sogenannte Bonussteuer, die als Gegenvorschlag bereits vor einem Jahr im Parlament versenkt wurde, kam immer wieder zur Sprache.

«Staat muss Leitplanken setzen»

Was ist ein gerechter Lohn und wer soll mehr verdienen? Ein hochtalentierter, aber fauler Mensch oder einer mit mehr Fleiss und weniger Talent? Ein Kranführer mit enormer Verantwortung für andere Personen oder ein Bankier, bei dem lediglich die Rechnung zerschellen kann? Roberto Zanetti führte diese Beispiele an und meinte ganz pragmatisch: «Ich weiss nicht, was ein gerechter Lohn ist!» Er wisse aber, dass 90 Millionen Franken für einen einzigen «Banker» nicht gerecht sein könne. Diesbezüglich stimmte ihm Pirmin Bischof vollkommen zu.

Doch Moderator Urs Mathys, stellvertretender Chefredaktor dieser Zeitung, stellte provokative Fragen, wenn sich die beiden zu einig waren: «Darf der Staat in Unternehmerlöhne eingreifen oder ist das sozialromantisch?» Bischof ist überzeugt, dass es den Staat dazu nicht brauche. Ausserdem fügte er an, dass in der Schweiz glücklicherweise schon sehr viele Arbeitsverhältnisse über Gesamtarbeitsverträge geregelt seien.

Zanetti konterte: «Der Staat muss Leitplanken setzen!» Mit Lohndiktat habe dies nichts zu tun. Nur so könne das System vor sich selber und vor Extremen geschützt werden. «Der Staat muss versuchen Gerechtigkeit herzustellen, weil es der Markt eben nicht tut.»

Das reichste Prozent ist wichtig

Doch wie wirkt sich dies auf unsere Finanzlage aus? «Die soziale Marktwirtschaft wird durch 1:12 ernsthaft gefährdet», plädierte Pirmin Bischof. «In unserem Land passiert die Umverteilung im Sinne der sozialen Marktwirtschaft nicht durch den Lohn, sondern durch Steuern. Das reichste Prozent der Schweizer Bevölkerung zahlt 40 Prozent der gesamten Steuern.»

Wenn die ins Ausland verreisen, dann «sind wir einfach ziemlich ärmer!» Bischof vermutete ausserdem, dass die Initiative nicht konsequent umgesetzt würde. Manager würden im Ausland angestellt oder erhielten tiefere Löhne mit umso grösserer Dividende. «So oder so führt dies zu massiven Steuerausfällen», meinte Bischof.

Was Bischof als Vernunft bezeichnete, wurde von der Mehrheit im Saal als Angstmacherei abgetan. Auch Zanetti relativierte und unterstrich, dass er die ökonomischen Auswirkungen weniger dramatisch sehe. Im Gegenteil: Mit der neuen Regelung könnte eine Zeitwende eingeläutet werden, fand Zanetti: «Unser freiheitliches System lebte bis anhin vom Common Sense, von Spielregeln, die eingehalten wurden. Diese sind verletzt worden, deshalb muss der Staat nun eingreifen.»

Zanetti glaubt nicht mehr an Initiativenerfolg

Dass die Initiative tatsächlich angenommen wird, bezweifelt Roberto Zanetti mittlerweile allerdings. «Man müsste schon etwas blauäugig sein, wenn man in Anbetracht der aktuellen Umfrageresultate noch an den Erfolg glauben würde.» Die Umfrage zeigt nämlich, dass momentan nur rund 36 Prozent dafür sind, während 55 Prozent ein Nein in die Urne legen wollen. Das sei aber keinesfalls ein Grund zu Resignation.

Im Gegenteil: «Vielleicht führt ein gutes Abstimmungsresultat dazu, dass man zukünftig offen über dieses Thema reden kann, ohne dass einem gleich Hammer und Sichel zugeschoben werden», so Zanetti.

Und schliesslich fand dann auch Gegner Pirmin Bischof positive Aspekte an der Initiative - zumindest nachdem er von Moderator Urs Mathys darauf angesprochen wurde. «Die Initiative ist ein Appell an den Anstand», sagte Bischof.

Unser Land sei durch verantwortungsbewusste, ehrliche Patrons gross geworden, und nicht durch Abzocker, die eine Firma ruinieren und sich dann mit Millionensummen aus dem Staub machen. Bischof sagte: «Die Initiative entstand aus einem Missstand. Den Geist, der dahinter steckt, kann ich gut nachvollziehen.»