Bellach
Gegner des geplanten Recycling-Centers wollen Grundsatzentscheid

Die Wogen in Bellach gehen wegen des geplanten Marti Recycling Centers weiterhin hoch. Opposition wurde von verschiedenen Seiten angekündigt, was die Bauherrschaft zu spüren bekommt.

Urs Byland
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Der Gleisanschluss beim Gelände, auf dem das Recycling Center geplant ist. «Wir wollen so viel wie möglich mit der Bahn transportieren», sagt Christoph Müller, Geschäftsführer Marti AG.

Der Gleisanschluss beim Gelände, auf dem das Recycling Center geplant ist. «Wir wollen so viel wie möglich mit der Bahn transportieren», sagt Christoph Müller, Geschäftsführer Marti AG.

Jede Gelegenheit werde genutzt, das Projekt infrage zu stellen, wie Christoph Müller, Geschäftsleiter der Marti AG, erklärt. Eine Gelegenheit haben die Gegner des Projektes im Gemeinderat ergriffen und einen Antrag für die nächste Gemeinderatssitzung lanciert.

«Einen Sturm im Wasserglas», nennt Bellachs Gemeindepräsident Anton Probst den Antrag der Fraktion SP/Grüne. Sie will die Grundstücke GB Bellach Nr. 1100 und 1101 bis auf weiteres in der Reservezone belassen haben. Die beiden Grundstücke umfassen rund die Hälfte des Geländes auf dem die Marti AG das Recycling Center ausgangs Bellach Richtung Selzach südlich der Hauptstrasse plant. Probst will den Antrag nicht behandeln und gleich abschreiben, «weil keine Umzonung beantragt wird».

Nicht verstecken

Gemeinderat Felix Glatz-Böni (SP und Grüne) ist damit nicht einverstanden. «Das ist eine juristische Spitzfindigkeit. Der Gemeinderat soll Ja oder Nein sagen zur Frage der Umzonung. Er soll sich nicht hinter dem Amt für Raumplanung verstecken. Wir haben genügend Informationen, um grundsätzlich Stellung nehmen zu können.»

Anton Probst entgegnet: «Wir haben vom Kanton Entscheide, dass Umzonungen in Bellach nur noch im Rahmen einer Gesamtrevision der Ortsplanung möglich sind.» Probst bezieht sich auf die Teilrevision der Ortsplanung im Grederhof Ost und den Teilzonenplan und Erschliessungsplan Mühlacker, die beide abgelehnt wurden, Letzterer gerade kürzlich. Deshalb wurde ein räumliches Leitbild erarbeitet, das dem Kanton zur Stellungnahme vorliegt. Vonseiten des Kantons kann keine Auskunft zur aktuellen Situation in Bellach gegeben werden, eben weil dieses räumliche Leitbild in Prüfung ist. Grundsätzlich habe aber das Recycling Center eine Chance, «je nachdem, welche Aussagen im räumlichen Leitbild der Gemeinde gemacht werden», sagt Bernard Staub, Leiter Amt für Raumplanung. Laut Gemeindepräsident Anton Probst werden das Baugesuchsverfahren Recycling Center sowie die Gesamtrevision der Ortsplanung parallel weitergeführt.

IG Lebenswertes Bellach gegründet

Die Opposition nimmt Christoph Müller professionell in Kauf. «Das gehört zu einer Demokratie.» Dennoch geben ihn die vielen negativen Vorstösse zu denken. «Es geht um ein zeitgemässes, vernünftiges Bauvorhaben. Aber gerade jene Kreise, die an und für sich für die Wiederaufbereitung und Wiederverwendung von Stoffen sind, wehren sich vehement gegen unser Werk.» Recycling sei schon gut, solange es nicht vor der eigenen Haustüre passiere, ärgert sich Müller.

Dem widerspricht Felix GlatzBöni. «Es braucht dieses Recycling Center im Kanton, aber nicht an diesem Standort. Wir haben genügend Industriebrachen mit Gleisanschluss.» Die Gemeinde Bellach müsse sich fragen, ob sie auf einem solch grossen Landstück (144000 Quadratmeter) eine solch geringe Wertschöpfung (zirka 15 Angestellte) anstrebe, ergänzt Felix Glatz-Böni. Er habe auf jeden Fall noch niemanden in Bellach angetroffen, der sich für das Recycling Center ausspreche. Im Gegenteil wisse er von der Gründung einer Interessengemeinschaft Lebenswertes Bellach, die sich gegen das Recycling Center stelle und schon 70 Mitglieder zählt.

Laut Mitgründerin und Aarhof-Bäuerin Mirjam Lüthi wurde die IG in erster Linie gegründet, um das Recycling Center zu verhindern. «Wir hoffen, dass Marti AG auch andere Standorte evaluiert und hier Unannehmlichkeiten aus dem Weg geht.» Die IG setzt sich grundsätzlich ein für den Schutz von wertvollem
Kulturland. Sie hinterfrage Industrieansiedlungen hinsichtlich der Umweltverträglichkeit kritisch und
sie setze sich für die Erhaltung des Zugangs zum Naherholungsgebiet Witi ein.

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