Drei Höfe
Gegensätze ziehen sich an: Drei Grosse stellen im NäijereHuss gemeinsam aus

Die Lithografien und Skulpturen von Schang Hütter, die Cartoons von Ernst Mattiello und die Bilder von Jürg Tanner könnten kaum unterschiedlich sein. Gerade deshalb scheint ihre gemeinsame Ausstellung im NäijereHuss Heriswil etwas Besonderes zu sein.

Hans R. Fröhlich
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Ernst Mattiello (links) und Jörg Robert Tanner flankieren Schang Hutter an der Vernissage im NäijereHuusin Hersiwil.

Ernst Mattiello (links) und Jörg Robert Tanner flankieren Schang Hutter an der Vernissage im NäijereHuusin Hersiwil.

Hans R. Fröhlich

Die Arbeiten von Schang Hutter, Lithografien und drei Skulpturen (Derendingen), Ernst Mattiello, Cartoons (Lüterkofen), und Jürg Tanner, Bilder auf Papier (Gerlafingen), könnten verschiedenartiger kaum sein.

Gemeinsam ist ihnen aber ihre Affinität zu Italien, wo sie alle viel Zeit verbracht haben. Am längsten Jürg Tanner, der von 1988 bis letztes Jahr in Boissano über dem Ligurischen Meer lebte. Schang Hutters Heimat war von 1999 bis vor kurzem in Genua und Ernst Mattiello hat seine Wurzeln in Oberitalien. Hanspeter Gschwend zeigte zudem in seinen einführenden Worten weitere Gemeinsamkeiten der drei seit den Jugendjahren befreundeten Künstler auf.

Diese Affinität zu Italien sei jedoch ebenso Ausdruck einer tiefen Sehnsucht, betonte Hanspeter Gschwend. Etwa bei Jürg Tanner mit Aquarellen, Zeichnungen und Notizen auf der Insel Marettimo und vor allem in seiner Bildserie «Mediterraneo».

Auf Zeitungspapier erzeugt er mit verschiedenen Materialien Licht-, Luft- und ineinanderfliessender Farbstimmungen von Meer und Himmel. Mit dieser Sehnsucht geht stets das Poetische einher.

«Wie’s mir geht?»

Im oberen Raum des NäijereHuus befindet sich Tanners Hauptwerk. Es sind die ergänzenden 36 Blätter auf Zeitungspapier über das Schiffsdrama «Portopalo» vom 25. XII. 1996, welche im Kloster Finalborgo keinen Raum gefunden haben. In weiteren Serien befasst sich der Künstler mit dem Thema Schiff, dessen verfremdete Formteile immer neu rhythmisiert gewandelt erscheinen.

Das Poetische wird bei Tanner und Ernst Mattiello sprachlich manifest, spielt jedoch in den mittleren Räumen in den Cartoons von Mattiello die tragende Rolle.

Der Text gibt den Zeichnungen ihren Sinn, macht ihre Besonderheit aus. Bei ihm geht es um hintergründige mit Ironie verbundene Poesie, welche erst im Zusammenspiel mit dem Bild wirkt und verständlich wird.

So etwa in der Zeichnung der feinen Mondsichel und einem spazierenden Paar. «Siehst du, selbst der Mond hat begriffen, dass Sparen nottut», sagt der Mann. Oder die tragische Komik: Ein Manager hat sich aus dem Hochhausfenster gestürzt, das Handy am Ohr, und sagt im Fallen: «Wie`s mir geht? Nun – allmählich krieg ich wieder Boden unter die Füsse.»

19 Arbeiten sind 2013/2014 im KMU-Magazin erschienen und sechs sind freie Arbeiten. Täglich erscheint eine neue auf seiner Homepage www.mattiello.ch.

«Wo söüi häre»

Im unteren Geschoss zeigt Schang Hutter drei Skulpturen. Zwei Figuren sind erstmals mit grossen Händen gestaltet, wobei seine Figuren bis anhin im Verzicht auf explizite Extremitäten konzipiert worden waren.

Die dritte Figur mit dem Titel «Wo söüi häre» (Hamburg) hat horizontal gestreckte Arme und Füsse danebenstehend. Zum selben Thema zeigt Hutter eine Serie Lithografien, entstanden in Berlin mit wiederholten schlanken Zeichenformen, die in verschiedene rhythmische Kompositionen verarbeitet sind.

Alle drei Künstler hatten sich stets gewünscht, mit ihren Werken die Menschen aufzurütteln. «Gleichgültig sein ist undemokratisch», ist etwa eine der Devisen von Schang Hutter.

Hutter/Mattiello/Tanner, bis 13. April, NäijereHuus Hersiwil. Öffnungszeiten: Sa/So 14–17, Mi 15–18 + Fr 18–20 Uhr.

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