Feldbrunnen
«Gefährlichkeit wird ins Dorf verlagert»: Bürger kämpfen weiter gegen Bahn

Der Souverän erklärt die Motion «Siedlungsverträgliches Bipperlisi» als erheblich. Die Motion beweise, dass die Bevölkerung das Projekt der Aare Seeland mobil mit allen Mittel zu stoppen versuche, so Gemeindepräsidentin Anita Panzer.

Simon Binz
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Wie weiter mit dem Bipperlisi in Feldbrunnen?

Wie weiter mit dem Bipperlisi in Feldbrunnen?

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Sie sei schon etwas nervös, gab die neue Gemeindepräsidentin Anita Panzer vor den 65 Stimmberechtigten zu. Verständlich. Schliesslich war die Gemeindeversammlung in der Turnhalle Feldbrunnen ihre erste als Präsidentin – zudem erst noch eine Budgetgemeindeversammlung.

Doch es geht noch weiter: «Bereits in meiner ersten Woche im Amt konnte ich eine Motion mit über 200 gültigen Unterschriften entgegennehmen», sagte Panzer und sprach damit das Thema des Abends an. Die Motion «Siedlungsverträgliches Bipperlisi» von René Rudolf und Jakob Jordi.

Einsprache durch Gemeinde

Nachdem verschiedene Traktanden wie das 40-Prozent-Pensum von Anita Panzer, die Steuersätze für 2014 (gleichbleibend bei 60 Prozent für natürliche Personen und 50 Prozent für juristische Personen) und die Budget-Gesamtrechnung 2014 mehr oder weniger durchgewinkt wurden, ging es schliesslich bei Traktandum 5 um die erwähnte Motion.

Zur Erinnerung: Der Bund verlangt, dass alle ungesicherten Bahnübergänge in Feldbrunnen geschlossen oder mindestens gesichert werden müssen. Einen ersten Lösungsvorschlag konnte der damalige Gemeinderat 2011 verhindern. Die jetzige Variante sieht einen befahrenen Übergang an der Rötistrasse vor. Fussgängerübergänge sind beim Weissensteinweg und bei der Frank-Buchser-Strasse geplant. Alle Übergänge sollen mit Barrieren gesichert werden. Noch bis zum 17. Dezember liegt das Projekt auf der Gemeindeverwaltung in Feldbrunnen-St. Niklaus öffentlich auf.

Weil der Gemeinderat bereits am 18. November anlässlich seiner Sitzung beschlossen hatte, Einsprache gegen das Auflagenprojekt der Aare Seeland mobil (asm) zu erheben, setzt die Motion in erster Linie ein politisches Zeichen. «Sie zeigt, wie emotional das Thema Bipperlisi ist und beweist, dass die Bevölkerung alles unternehmen wird, um das Projekt zu stoppen. Der Entscheid des Gemeinderates wird bekräftigt», sagte Anita Panzer. Anschliessend richtete sich Erstunterzeichner René Rudolf an die Anwesenden. «Ich bin überzeugt, hätten wir die Unterschriftensammlung aufwendiger organisiert, dann hätten 90 Prozent aller Einwohner von Feldbrunnen mitunterzeichnet.» Er sei sehr froh, habe sich der Gemeinderat dem Anliegen angeschlossen.

Zurzeit erhebe der Gemeinderat, zusammen mit Studer Kaiser Rechtsanwälte, die Einsprache, erklärte Anita Panzer. Der Kostenvoranschlag für die anwaltschaftlichen Bemühungen schätze Studer Kaiser – bei Ausschöpfung sämtlicher Rechtsmittel (bis vors Bundesgericht) – auf zirka 50 000 Franken. Die Gerichts- und Entscheidungsgebühren seien extrem schwer abzuschätzen, würden aber wahrscheinlich auch rund 40 000 Franken betragen.

Je nach dem seien dann auch Gutachten nötig, die Verfahrenskosten nach sich ziehen könnten. Hinzu würden noch die Kosten von 30 000 Franken für allfällige Expertenberichte von Ingenieurbüros kommen. «Darum müssen wir uns bewusst sein, wenn wir dies wirklich bis zum Schluss durchziehen, wird es eine gewisse Summe kosten», gab Anita Panzer zu bedenken. Dazu gab es das passende Votum eines Einwohners, der etwas «Frust ablassen» wollte.

«Wir haben schon für dümmeres Geld ausgegeben. Dieses Projekt ist für unser Dorf zukunftsweisend.» Die Gefährlichkeit des Bähnli werde einfach ins Dorf verlagert, sagte ein Anwohner mit Blick auf Fussgänger sowie Velofahrer und fügte an, dass er auch selbst Einsprache erheben werde. «Ich bin froh, wenn Anstösser und betroffene Landbesitzer ebenfalls Einsprache erheben, damit bekommt das ganze noch mehr Gewicht», sagte Anita Panzer und bedankte sich für das Votum. Anschliessend wurde abgestimmt und die Motion wurde wie erwartet einstimmig als erheblich erklärt. Sie wird nun an den Gemeinderat zur Bearbeitung überwiesen.